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Die Member des Celler MC blicken auf ihr 40-jähriges Bestehen zurück – und auf das Zusammenwachsen der Rocker aus Ost und West
Zur großen Jubiläumsparty reichte das Gelände rund um das Clubhaus kaum aus. Zahllose Clubs und Freunde aus ganz Deutschland kamen, um mit dem Celler MC das 40-Jährige zu feiern. Zur Zeit seiner Gründung befand der Club sich noch im Zonen­randgebiet, jetzt liegt Celle in der Mitte von Deutschland. Für die Party hatten die Celler alles auf die Beine gestellt, was greifbar war. Selbst Ehemalige und Freunde packten mit an. Präsident Marten kam aus dem Händeschütteln nicht mehr raus. Bis spät in die Nacht rollten die Gäste ein. Eine Band spielte auf der Bühne, die Getränke wurden ständig nachgereicht – eine klassische Bikerparty. Mittendrin fanden die Celler dennoch Zeit, uns von sich und ihrer Vergangenheit zu erzählen. Wir sprachen mit Vize-Präsident Dille und First Member Andy.

First Member Andy wird ausgezeichnet. Von links: Dille (Vize), Marten (Präsident) und Andy (First Member)
First Member Andy wird ausgezeichnet.
Von links: Dille (Vize), Marten (Präsident) und Andy (First Member)​

 

BN: Zunächst mal herzlichen Glückwunsch! Ihr habt euch im Jahr 1977 gegründet. Da hatten wir noch eine innerdeutsche Grenze und hier war „Zonenrandgebiet“. Ihr befandet euch also in zweifacher Hinsicht am Rand der Gesellschaft.

Andy: Das war keine Absicht. Wir kommen alle aus Celle oder aus dem Umkreis. Das waren damals vielleicht nur zehn Kilometer, die wir zum Club fahren mussten. Aber das hier ist tatsächlich unsere Heimat.


Welche Absicht steckte hinter der Gründung?

Andy: Das war das Motorrad. Wir hatten alle Spaß am Fahren. Und wir haben das heute auch noch. Viele von uns sind damals alleine losgefahren. Wenn du das ständig machst, triffst du hier und da den ein oder anderen wieder. Irgendwann fing es dann an, dass wir uns zum gemeinsamen Fahren getroffen haben. Es ging also tatsächlich darum, gemeinsam Motorrad zu fahren. Irgendwann haben wir uns dann auch privat getroffen und dann hieß es, „Mensch, wir gründen jetzt einen Club!“ Wir wollten zeigen, dass wir alle zusammengehören.


Habt ihr gleich einen MC gegründet oder gab es eine Zeit davor?

Dille: Wir wurden gleich ein MC.

Andy: Und dann ging das los. Da haben wir uns dann die Köpfe zerredet, wie wir denn heißen sollen; „Big Elefant MC“ oder so …

Dille: Jede Menge Scheiße war dabei. Haufenweise Namen hatten wir auf dem Tisch, die immer nur der gut fand, der auf ihn gekommen war.

Andy: Jede Menge. Dann wieder sollte es sich gefährlich anhören. Wochenlang haben wir gestritten. Dann plötzlich meinte einer, warum nennen wir uns nicht einfach „Celler MC“?

Dille: Und das war es dann.

Bis die Bank sich biegt: Die Geschenke zum 40-Jährigen
Bis die Bank sich biegt: Die Geschenke zum 40-Jährigen

Andy: Als dann der Name stand, ging das mit dem Colour los. Wir haben uns für das alte Celler Wappen entschieden. Das ist bis heute kompliziert, wegen der vielen Stickarbeiten.

Dille: Hier in der Stickerei hieß es: Das ist zu aufwendig, wegen der vielen Farben. Am Ende haben wir eine Stickerei in Westberlin gefunden, die uns das gemacht hat. Das war tatsächlich nicht einfach. Wir sind dann am Wochenende nach Berlin gefahren und haben unsere ersten Kutten abgeholt. Internet und Onlineshops gab es damals ja noch nicht.


Vor 40 Jahren wart ihr also in der Ursuppe der Berliner Szene unterwegs?

Dille: Das war alles noch vor dieser Szene. Ich glaube, die ersten Clubs hatten sich schon gegründet, aber das war alles noch nicht so festgemauert.


Schönes Wortspiel für die späteren Berliner Verhältnisse. Wie sah denn die Clublandschaft hier aus? Die großen, namhaften Clubs gab es ja noch nicht.

Andy: Wir hatten hier in jedem Scheißdorf einen kleinen Club. Das war wahrscheinlich in ganz Deutschland so. Da hatte jedes kleine Dorf seinen eigenen Club. Jedes Wochenende war immer irgendwo ’ne Hauerei, wie das eben früher so war. Jeder hat sein eigenes kleines Territorium verteidigt. Wir hatten hier fünf oder sechs Clubs in Celle.

Dille: Am Anfang sind wir sehr stark gewachsen. Zuerst waren wir so fünfzehn Leute. Das hat sich aber schnell verdoppelt. In den ersten Jahren war da immer Bewegung drin, was die Szene betrifft und auch den Club. Da musste sich vieles erst finden.


Warum habt ihr euch durchgesetzt und seid nicht wieder verschwunden?

Beide: Qualität!

Andy: Wir hatten die richtige Führung. Andere haben einfach aufgesteckt. Die hatten nicht die richtigen Leute. Die haben auch zu viel rumlamentiert und rumgeheult. Wenn die Mehrheit dafür ist, dass man etwas macht, dann sagt eine Minderheit – und das ist heute immer noch bei vielen so – „nö, dann sind wir raus.“

Dille: Deswegen sind wir übriggeblieben. Wir haben unsere Linie verfolgt. Vielleicht auch, weil wir Kompromisse eingegangen sind. Sicher ging nicht immer alles, wie wir es gerne gehabt hätten. Aber genau darum geht es auch nicht immer. Man muss auch Kompromisse eingehen. Das war damals so und ist heute nicht anders. Als wir damals 35 oder 40 Leute waren, da waren wir ja alle jung. Die Szene war jung und überall gab es diese Cliquenbildung. Die haben sich dann auch manchmal komplett verabschiedet. Da waren dann immer mal wieder acht oder zehn Mann weg.

Andy: Ganz am Anfang hatten wir sogar noch Frauen dabei, die Abzeichen trugen. Mal sind wir geschrumpft, dann wieder gewachsen. Nach einigen Jahren hat sich das aber stabilisiert. Wir haben irgendwann eine erste Clubbude gefunden. Das war ein alter Heuboden. Unten Schweinebuchten und oben, unterm Dach, der Heuboden. Den haben wir komplett entkernt und neu gemacht. Das waren dann über 100 Quadratmeter für uns.

Im Jahr 1980: „Ganz am Anfang hatten wir sogar noch Frauen dabei, die Abzeichen trugen.“
Im Jahr 1980: „Ganz am Anfang hatten wir sogar noch Frauen dabei, die Abzeichen trugen.“

Dille: Das war damals dann auch der Grund, weswegen wir ein eingetragener Verein wurden. Der Vermieter wollte nicht an einen normalen Motorradclub vermieten. Das musste schon ein „e. V.“ sein. Und das haben wir dann auch gemacht. Am Ende waren wir dann tatsächlich dreißig Jahre lang in dieser Bude.

Andy: Wir haben uns erst fünf Jahre in Kneipen getroffen und dann hatten wir dreißig Jahre unser Clubhaus in Nienhagen.

Dille: Mit dem Vermieter lief das damals alles prima. Der Bauernhof lag zwar mitten im Ort, aber nach hinten raus war alles freie Fläche. In diesen dreißig Jahren ist die Fläche immer weiter geschrumpft. Heute ist Nienhagen ein Einzugsort von Hannover. Da ist immer mehr als Baufläche ausgeschrieben worden und irgendwann hatten wir die ersten Nachbarn fünfzig Meter dran. Damit fingen dann auch die Probleme an. Mit den alten hatten wir im Laufe der Zeit keine Probleme. Die wussten: Wir machen zweimal im Jahr Party. Das war in Ordnung für die.

Andy: Je mehr gebaut wurde, desto kleiner wurde das Gelände. Die Nachbarn rückten immer näher. Die 20-Jahresparty haben wir noch mit fast tausend Gästen gemacht. Das war damals das erste heiße Mai-Wochenende und wir wurden überrannt.

Dille: Heute sind wir besser aufgestellt. Damals sind wir abends mit allen zur Tanke und haben gekauft, was wir kriegen konnten. Irgendwann war für uns aber Schluss in Nienhagen. Wir haben dann gemerkt, das geht da nicht mehr. Was aber auch wichtig war: Damals in Nienhagen sind wir kräftig geschrumpft und jeder von uns hat mit Sicherheit auch darüber nachgedacht, ob es noch weitergeht oder ob die Familie jetzt im Vordergrund steht und alles vorbei ist. Am Ende waren noch zwei Handvoll Member übrig. Und da mussten wir feststellen, dass wir eine eingeschworene Gemeinschaft waren. Da hat alles gepasst, jeder war für jeden da. Da hat alles funktioniert!

Präsident Marten kam aus dem Händeschütteln nicht mehr raus. Hier gratulieren die Rolling Wheels
Präsident Marten kam aus dem Händeschütteln nicht mehr raus. Hier gratulieren die Rolling Wheels

Ihr habt euch auch nie aufgelöst?

Andy: Nein. Das ging zwar irgendwann etwas runter, aber das war nur eine Zeitlang. Ansonsten ging das immer weiter. Ihr wart zu Anfang sehr viele Member. Trotzdem seid ihr immer ein Club ohne Chapter geblieben.

Dille: Wenn du aus Celle kommst, verbietet sich das fast, ein Chapter aufzumachen. Wer will denn in Hannover rumfahren – als Celler MC, Chapter Hannover? Das ist albern. Das waren auch nie unsere Ambitionen, Chapter aufzumachen. Wir sagen zwar machmal, wir haben ein Chapter in Jülich oder in Hamburg, aber auch nur, weil Member da wohnen.

Andy: Wir haben früher einmal im Jahr Familien­fahrt gemacht. Mit allen, auch mit Kindern. Das war wichtig für den Zusammenhalt. Wir hatten dann Ziele an der Mosel oder in Koblenz, Weserbergland oder wo auch immer. Das hat viel für den Zusammenhalt gebracht, für die Gruppe, aber auch für die Frauen untereinander.


Wie war für euch die Zeit des Mauerfalls? Bis dahin hattet ihr ja hier eine schöne Nische.

Dille: Wir hatten früher viele Kontakte nach Westberlin. Wir waren jedes Jahr mindestens einmal da, haben auch das BMW-Werk besichtigt. Die Fahrt durch die DDR war aber jedes Mal lästig. Wir waren froh, als das vorüber war.


Hat sich nach dem Mauerfall mal einer der großen Clubs bei euch sehen lassen?

Andy: Insofern haben wir hier Glück gehabt. Das ist hier so eine Art Niemandsland gewesen. War wahrscheinlich zwischen allen Grenzen: Hannover, Magdeburg, Braunschweig. Wir sitzen da so ein bisschen abseits. Die Großen interessierten sich damals nicht für Celle. Wir haben auch überwiegend kleine Treffen angefahren. Wir sind auch sehr viel im Osten unterwegs, auf unseren Partys trefft ihr viele Clubs aus dem Osten. Das sind alles gute Kameraden geworden.

Dille: Die im Osten haben natürlich erstmal viel geguckt: Was wollen denn die Wessis hier? In manchen Gegenden sind die heute auch noch abgeschottet. Bei manchen Clubs hat das zehn Jahre gedauert, bis wir zu denen ein Verhältnis hatten. Aber mittlerweile sind super Freundschaften entstanden. Alles in allem waren das damals schöne Jahre. Über zehn Jahre lang. Das hatte richtig Laune gemacht.

Andy: Wir sind mittlerweile ins Zentrum von Deutschland gerückt. Jahrelang waren wir der Rand, jetzt liegen wir mitten drin. Wir haben dann auch wieder angefangen, ein neues Clubhaus zu suchen. Das hat Jahre gedauert. Dann haben wir das hier gefunden. Das hat nochmals allem einen Schub gegeben: Vom Hinterhof direkt an die Straße! Das war hier mal eine alte Kneipe. Den kompletten Umbau haben wir wie in Nienhagen auch wieder komplett selbst gemacht.

Das Clubhaus des Celler MC: „Das neue Clubhaus hat nochmals allem einen Schub gegeben: Vom Hinterhof direkt an die Straße!“
Das Clubhaus des Celler MC: „Das neue Clubhaus hat nochmals allem einen Schub gegeben: Vom Hinterhof direkt an die Straße!“

Dille: Wir haben mittlerweile wieder eine ansehnliche Stärke, meinen wir. Das heißt, wir sind auch wieder viel mehr, die mit den Eigenheiten des jeweils anderen klarkommen müssen. Das funktioniert aber insgesamt. Der Zusammenhalt ist einsame Spitze. Das hier ist ja unser Leben, nicht nur unsere Freizeit! Und wenn wir zurückblicken, sind die vierzig Jahre ziemlich schnell vorübergegangen.


Was ist der Mittelpunkt des Clubs?

Dille: Das ist immer noch das Motorrad. Wir nehmen am Supermoto-Rennen teil, also am MC-Cup des Bull Skull MC und des Dark Forces MC. Wir machen Ausfahrten, besuchen andere Clubs und schrauben gemeinsam. Das alles ist eindeutig das Motorrad.


Habt ihr Harley-Pflicht?

Andy: Nein, hatten wir nie. Früher musste man bei uns 25 PS haben und mindestens 250 Kubik­zentimeter Hubraum.

Dille: Die musst du schon haben … Die meisten von uns fahren aber mittlerweile dicke Dinger. Viele fahren 1200er. Aber von KTM bis Harley ist eigentlich alles am Start.


Schafft ihr es noch, zusammen große Fahrten zu machen oder ist mittlerweile überall Familie bei?

Dille: Wir machen immer noch unsere Eröffnungsfahrt Anfang Mai. Dann machen wir immer noch am Ende der Saison unsere komplett interne Abschlussfahrt. Zu der lassen wir dann auch unsere Proben zuhause. Da bleiben wir dann vollständig unter uns Membern. Dann selbstverständlich die Supermoto-Rennen. Da geht mittlerweile unser Nachwuchs an den Start. So läuft das alles.

Der Celler MC
Der Celler MC im Jubiläumsjahr

Andy: Ansonsten machen wir aber immer noch offene Partys und Unternehmungen mit den Familien; das sind unser Kickerturnier seit dreißig Jahren, unsere Sommerparty im Mai und die Abschlussparty im September oder Oktober. Ansonsten machen wir intern noch mit Familie und Freunden ein großes Gänsekeulen­essen. Da sind wir dann unter uns, aber mit immerhin achtzig Leuten jedes Jahr.

Dille: Der Zusammenhalt ist auch spitze! Wir suchen uns neue Leute ganz genau aus. Wir müssen wissen, ob das passt. Wenn wir uns unsicher sind, gibt das in jedem Fall eine Probezeitverlängerung.


Gibt es euch noch in zehn Jahren?

Dille: Ja. Das ist unser Traum, dass es weiterläuft. Die Leute passen. Die Frauen und die Familien passen. Zehn Jahre sind doch nichts. Während der letzten zehn Jahre ist es immer besser gelaufen. Die ganzen queren Gedanken aus der Jugend brauchen wir nicht mehr.    «
 

Celler MC
Allerhop 11
29313 Hambühren
Tel. 0175 6435135
www.celler-mc.de

Zuerst veröffentlicht in BIKERS NEWS 09/2017
 
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