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Niederbayerische Rocker balancieren auf dem schmalen Grat zwischen Onepercentern und rustikalem Vereinsleben. Damit kriegen sie sogar das Generationenproblem in den Griff
Es begann in der Hauptschule von Landau an der Isar. Anfang der Neunziger waren Rocker nicht mehr neu und auch die Schüler der neunten Klasse kannten schon welche. Auf den Straßen bewegten sich der Villagers MC Reichersdorf, die Freebiker Landau, die Biafuizl Landau, der Voibrenna MC Woigsdorf, der Dragonas MC Bavaria und der Trust MC Dingolfing.

Die Member dieser Clubs waren alle viel älter als die Neuntklässler und so gründeten die Neuntklässler eben ihren eigenen Club. Die ersten Namensvorschläge lauteten „Sky­riders“, „Roadrunner“ und „Ranger’s“. Da die Fassadenmalerei des Hofs der Pinkels einen Bauern beim Pflügen zeigte, gewann der Name „Ranger’s“. Die Pinkels stellten auch einen alten Stall als Clubhaus zur Verfügung und ein Ranger-Motiv kam dann auf die ersten Shirts und wurde zur Grundlage des ersten Colours des späteren Ranger’s MC Kammern.

Die Neuntklässler hießen Swenson, Jürgen, Bempfde, Loibe und Franze. Zur Gründung im Jahr 1991 richteten sie mit viel Engagement den Schweinestall her. Sie verlegten Teppichböden und stellten Sofas auf. Das Sofa mit der längsten Geschichte wurde später das von den Schweikls aus Steinbeißen. Dazu kamen Kühlschränke, Gefriertruhen, Schwarz-Weiß-Fernseher sowie eine Hi-Fi-Anlage aus dem Hause Schneider inklusive Plattenspieler und Kassettendeck.

Damals fuhren alle noch mit Mofas vor. Ein Bild zeigt sie, darunter auch den Klaus, von dem der spätere Präsi Franze (auf niederbayerisch „Präse“) bis heute behauptet, dass er kein Gründungsmitglied gewesen sei. Vollwertige Member aber ließen sich durch die Farbe ihrer Shirts unterscheiden. Schwarze Shirts trugen nur die richtigen Member, Weiß trugen die Supporter. Auf dem Bild tragen alle Schwarz, der Klaus muss also doch ein richtiger Ranger gewesen sein, oder?

Ihre Bikerlaufbahn begannen die Ranger’s auf Mofas und Kleinkrafträdern
Ihre Bikerlaufbahn begannen die Ranger’s auf Mofas und Kleinkrafträdern


Waren die Ranger’s damit richtige Rocker? Ihr Dorf zählte ebenso zu ihrer Szene. Die Einwohner von Kammern zogen nach ihren Feuerwehrübungen noch zu den Ranger’s, um sich dort eine Halbe zu genehmigen. Unvergessen war sicher der Abend, als die „Friedenspfeife“ geraucht wurde – ein ganz neues Aroma für die Kamminger.

Aber nicht nur die Clubhauspartys gingen in die Geschichte ein, sondern auch die Partys am Badeweiher, wo die Ranger’s im Mai 1993 ein erstes Treffen mit Live-Musik ausrichteten. Unter den ersten Gästen die Baumschwammal, die Voibrenna sowie die Villagers. Als wiederum Jürgen die neue Harley vom Schocker testete, nahm Schocker die Verfolgungsjagd mit einer 80er auf, während der Kappe Klaus das Loch für das Scheißhaus grub. Und als dann noch der große Trust MC und der Dragonas MC einrollten, war das der erste Schritt der Ranger’s in die richtige Rockerszene.

Als die Ranger’s vielbelächelt auf Mofas zu den Treffen fuhren, war Franze noch Road Captain. Erster Präsi – oder eben „Präse“ – war Jürgen. Ihm folgte nach einem Jahr Swenson, der vorher Treasurer (niederbayerisch: „Kassier“) war. Neuer Kassier wurde Bemfde.

Dann ereilte die Ranger’s der erste Schicksalsschlag, der tragische Unfalltod von Swenson im September 1994. Wer würde die Worte am Grab sprechen? Was würde mit dem Clubhaus geschehen, dessen Besitzer ja Swensons Eltern waren? Die meisten waren noch nicht mal volljährig.

Am 16. September 1994, dem Tag der Trauerfeier, versammelte sich eine riesige Menschenmenge am Grab, darunter die Feuerwehr, Ministranten, die Landjugend und auch damals schon einige Clubs. Franze sprach die Worte am Grab und die Eltern von Swenson bekräftigten noch am Tag der Trauerfeier, dass die Ranger’s bei ihnen bleiben könnten. Die Ranger’s hätte es ohne Swensons Eltern vielleicht nicht mehr gegeben. Ranger’s und die Eltern feierten noch Jahre danach Weihnachten zusammen.

Die Führung zum 25-jährigen Jubiläum: Franze (Präsident) und Bertl (Vizepräsident)
Die Führung zum 25-jährigen Jubiläum: Franze (Präsident) und Bertl (Vizepräsident)


Nach Swensons Tod im Jahr 1994 wurde Franze der neue Präse, Bempfde wurde Vizepräse und blieb Kassier. In den darauffolgenden Jahren nahmen die Ranger’s einige Mitglieder auf, die den Club aber wenige Jahre später wieder verließen. Allerdings verloren sie nur einen Member an einen anderen Club.

Eine Weile zählten die Ranger’s gerade mal sechs Mann. Dann schlossen sich ihnen ein paar Ältere an, die den Club zum Anfang des neuen Jahrtausends wieder festigten.

Die Ranger’s waren gemeinsam viel unterwegs, zum Beispiel auf den österlichen Fahrten nach Lembach. Franze verweigerte damals anfänglich den Pokal für den zweitgrößten Club, stiftete ihn dann aber als Osterhasen-Wanderpokal. Es dürfte ihn der Größenwahn gepackt haben. Und mit seiner ersten KS 80 flog er über eine Kreuzung, weil er dem Loibe eine Tankstelle zeigen wollte. Bei den MF Gerzen wiederum machten die Ranger’s mit Klaus und Linus regelmäßig den ersten Platz beim Tauziehen und einmal hatten sie dort auch eine ihrer schönsten Schlägereien.

Ähnlich auch bei den MCs Kollbach, Haberskirchen und Scherneg, die ihr Treffen stets zu dritt ausrichteten. Die Ranger’s fuhren auf Monkeys vor, als sie schon längst auch richtige Motorräder hatten. Loibe und Franze inszenierten dort früh morgens einen Burnout-Contest in der Bar, wo sich abends zuvor noch die wildesten Raufereien abgespielt hatten. Die Raufereien waren damals ziemlich normal.

Die Treffen steuerten die Ranger’s immer schon am Samstagnachmittag an. Um drei rollten sie ein und waren dann beizeiten besoffen. Am Freitagabend davor waren sie im „Rainbow“ in Zeholfing, einmal schmierte irgendjemand dem Linus Ruß aus dem Ofenrohr ins Gesicht, während er auf dem Sofa im Clubhaus schlief. Als die Jungs anschließend nach Zeholfing fuhren, hängten seine Brüder ihm die Spiegel ab, um die Show in die Länge zu ziehen.

Die Samstage danach waren schwere Tage, weil keiner mehr nüchtern heimfuhr. Franzes spektakulärster Unfall war der, als er mit Linus gegen halb sechs Uhr morgens mit dem Fiesta durch die Botanik geschleudert wurde und auf dem Autodach liegenblieb. Beide wussten nicht mehr, wo sie waren und marschierten prompt in die falsche Richtung, bis sie das erste Auto mitnahm und nach Frammering zum Loibe fuhr. Das Auto verfrachteten sie danach schnell auf dem Bulldoghänger. Immer galt: Schaut’s, dass keiner was gesehen hat und dass das Fahrzeug schnell weg ist! Lupo, der sich nach einer Weihnachtsfeier mit dem Auto überschlagen hatte, stellte ein Jahr später einen der besten Prospect-Anträge des Clubs: Eine ganze Seite, vorgetragen in Form eines Gedichts.

Wieso ein Schiff? Die Niederbayern können es selbst nicht mehr nachvollziehen Im Jahr 2010 wurde das Ranger’s-Colour aufgefrischt
Wieso ein Schiff? Die Niederbayern können es selbst nicht mehr nachvollziehen. Im Jahr 2010 wurde das Ranger’s-Colour aufgefrischt


Eine Wende in der Clubgeschichte bedeutete das dreiteilige Rückenabzeichen. Es wurde zum Ende der 90er Jahre eingeführt, und das erste war noch klein und grau, zeigte aber auch schon ein Schiff. Wieso ein Schiff? Die Niederbayern können es selbst nicht mehr nachvollziehen. Sie vermuten, es könnte an Kay Elsner gelegen haben, der den Ranger’s eine Vielzahl an Motiven entworfen hatte.

Der Einstieg in das wildere MC-Leben führte zu ein paar Problemen. Die Ranger’s waren sich selbst nicht einig darüber, manche stimmten für, andere gegen das Rückenabzeichen. Die Gegner fühlten sich von denen „mit der Kutte“ verraten. Aber sie fahren auch heute noch mit, weil die Ranger’s keinen ausschlossen. Aber Franze hatte Zweifel, ob seine Jungs das so durchhalten würden. Er bemühte sich, jeden als vollwertiges Mitglied anzunehmen und so auch vor anderen darzustellen. Es ging gut aus und ist heute kein Thema mehr.

Namensgleichheiten kommen in der Szene öfter vor. So fuhr in der Gegend von Regensburg auch ein Ranger’s MC Neutraubling. Dieser Kontakt war nicht immer ganz einfach, hat sich aber im Laufe der Jahre beruhigt. Zu den Night Ranger’s pflegen die Kamminger den besseren Kontakt, erklärt Franze. Alles im grünen Bereich, auf der letzten Ranger’s-Party feierten gar fünf Clubs mit annähernd gleichen Namen.

Im Jahr 2005 fuhr Jörg zum ersten Mal mit. Damals hielten die Ranger’s sich für groß genug und glaubten, keine neuen Leute mehr zu brauchen. Jörg war deshalb einer von den Prospects, dem es wirklich nicht leicht gemacht wurde. Gleichzeitig ahnte Franze aber schon, wie wichtig vor allem neue junge Mitglieder sein würden, damit das Weiterbestehen des Ranger’s MC gesichert blieb.

Was dann aber erst mal dazwischenkam, waren die Frauen: Eine Scheidung und eine neue Frau, die Franze auf einem Treffen der „Voigaser“ kennenlernte, als er ihr sein Herz über die Scheidung ausschüttete. Sie hat inzwischen einen „gscheiden Weibastammtisch“ aufgestellt, der einmal im Monat im Clubhaus der Ranger’s zusammenkommt.

Und im ersten Jahr mit Martina stand das Zwanzigjährige des Ranger’s MC Kammern in Fichtheim an. Routiniert bauten die Ranger’s am Mittwoch das Zelt auf, das Wochenende konnte kommen. Da erhielt Franze am Samstagmorgen einen Anruf vom Bertl, der von der Vorfeier am Freitag erzählte, auf der Goide ins Krankenhaus musste, weil er sich beim Bierbankweitwurf seinen Knöchel verstaucht hatte.

In diesem Jahr 2011 wechselten die Ranger’s zum zweiten Mal das Clubhaus, denn von Februar 2009 bis April 2012 residierten sie nicht in Kammern. Ende 2008 hatten sie dort die legendäre Abbruchparty gefeiert, auf der alles zusammengeschlagen wurde, was aus Glas war.

In das nächste Clubhaus in Aufhausen zogen die Ranger’s mitsamt ihrer alten Bar und dem Ledersofa der Schweikls aus Steinbeißen. Einziges Problem war der Nachbar, der sein Haus nicht mehr verkaufen konnte, weil nebenan Rocker wohnten. Als er sich darüber bei seiner Arbeitskollegin beklagte, wusste er nicht, dass sie die Frau eines Members war. Das führte zu einem klärenden Gespräch mit Franze und seitdem schaute sogar er ab und zu im Clubhaus vorbei.

Die größte Veranstaltung in Aufhausen war sicher die „Regionalsitzung“ im Herbst 2009. Eine regionale Präsidentenversammlung also, ins Leben gerufen vom Trust MC, den MF Mengkofen, den MF Voigas und den Ranger’s. Damit ging ein Traum von Franze in Erfüllung: Eine gemeinsame Sitzung mit gleichem Stimmrecht für alle! BIKERS NEWS hatte darüber in der Dezember-Ausgabe 2009 berichtet. Zur ersten Sitzung kamen nur sehr wenige. Dafür kamen zur zweiten umso mehr Polizisten. Zwei weitere Sitzungen fanden bei den Voigasern statt, danach immer in einem anderen Clubhaus. Seit über zehn Jahren ist die Regionalsitzung ein fester Termin der niederbayerischen Motorradszene. Den Ranger’s brachte sie großen Respekt von Groß und Klein ein und stellte für alle klar, dass die Ranger’s nicht mit den Großen unter einer Decke stecken.

Das neue Clubhaus. Die Blockhütte nebenan brachte den Ranger’s kurzen Ärger mit der Kirche ein
Das neue Clubhaus. Die Blockhütte nebenan brachte den Ranger’s kurzen Ärger mit der Kirche ein


Als aber die Stadt Landau ein Tennisheim in Kammern zur Vermietung anbot, war für Franze klar, dass die Ranger’s zurück nach Kammern mussten. Die Ranger’s hatten das Gebäude schon länger im Visier und über die Jahre zahllose Gespräche mit dem Bürgermeister geführt. Endlich war es so weit und der Bertl setzte es bei den anderen Clubmitgliedern sogar durch, das Gebäude zu erwerben und nicht zu mieten.

Die Ranger’s rissen Wände nieder, zogen neue ein, kiesten den Platz und holten für die Heizung einen neuen Gastank. Die Handwerker des Clubs trieben auch neue Fenster auf.

Als Franze noch eine Holzhütte für besondere Anlässe daneben errichten wollte, wünschten sich einige wohl einen neuen Präse. Schließlich bauten sie im gleichen Jahr noch eine Holzhütte in Reit im Winkel ab und am neuen Gelände auf. Sie stand nun aber mit einer Ecke auf einem Gebetswinkel, auf Kirchengrund. Der Stadtpfarrer machte Franze daraufhin erst mal zur Sau, rief ihn am frühen Morgen an, erklärte „das geht so nicht“, da müsse was geschehen, er fordere Miete oder einen Pachtzins oder einen Anteil an der Hütte. Zwei Stunden später holte Franze zum Gegenschlag aus, rief zurück, erklärte, dass die Hütte abgebaut und um zwei Meter versetzt werden würde. Auch dürfe dann kein anderer Verein aus dem Dorf mehr das Gelände nutzen, weder Feuerwehr noch Stockschützen und vor allem nicht die Katholische Landjugendbewegung Kammern. Am Nachmittag rief das Pfarrbüro zurück und schlug vor, die beiden Telefonate vom Vormittag zu vergessen.

Die Party zum Fünfundzwanzigjährigen im Jahr 2016 konnte schon auf dem neuen Clubgelände steigen. Dort spielten „Tourists in a Daydream“ und die „Blues Briederchen“ aus Landau, am nächsten Tag „Dbusk“, eine Band, die die Ranger’s in Obing beim Wheels of Steel MC kennengelernt hatten.

Die Einnahmen des ersten Abends gingen an die Lebenshilfe nach Landau. Deren Vorstand bedankte sich recht herzlich, obwohl der gleiche Vorstand den Ranger’s zehn Jahre zuvor im Wege stand, als sie das Clubhaus in Kammern zum ersten Mal erwerben wollten.

Umso mehr Spaß hatten die Ranger’s an dem Abend mit dem Milestone MC Viersen, dessen Member schon am Freitag besoffen aus ihrem Kombi fielen. Und am Samstagabend, nach der Pokalverleihung, nahmen zwei neue Leute das Vollcolour in Empfang: Brande und Hias, die nur wenige Jahre später Präsident und Vizepräsident werden sollten. Dazu später mehr.

Selbstverständlich haben sich nach einem Vierteljahrhundert Traditionen gebildet. Die erste: Der Club richtet nur noch alle fünf Jahre ein Treffen aus. Das hatte er sich vom Cobra MC Würzburg abgeschaut, der auch nur alle fünf Jahre in der Nähe von Ochsenfurt ein Treffen ausrichtet. Zu den Cobras kamen die Ranger’s über den Möff. Den hatte Franze kennengelernt, als er einen Lehrgang in Weihenstephan besuchte, um sich dort den Messvorgang eines Biogas-Silos erklären zu lassen. Franze trug Ranger’s-Shirt und Kutte und bat den Möff, er solle sich nachmittags alles gut anhören, um es ihm auf der nächsten Ranger’s Party zu erklären. Damit war waren Möff und die Cobras eingeladen. Es wurde eine riesige Clubfreundschaft daraus.

Eine ebensolche Freundschaft pflegen die Ranger’s zum Milestones MC Viersen. Als Ranger Steff sich in deren Gegend im Jahr 2018 auf einer Ölspur zur Seite legte, besorgte T-Bird von den Milestones einen Transporter und holte Steff mitsamt Moped ab. Unterm Strich fuhren die Ranger’s mit fünf Mopeds hin und mit sechs nach Hause. Denn der Bertl kaufte sich dort kurzerhand eine neue BMW und Brande fuhr seine alte nach Hause.

Eine dicke Freundschaft bildet sich auch mit dem MC Ruhmansfelden aus, ein Club, mit dem die Ranger’s seit diesem Jahr ein Freundschaftspatch teilen und der den letzten Kulturausflug maßgeblich gestaltet hatte. Ja, auch Kulturausflüge sind Tradition, immer am Samstag nach dem Vatertag und in einem Bus, hinter dem außer einer Rußwolke nichts mehr zu sehen ist. Der Ausflug hat dann in der Regel zwei Ziele, ein Museum und eine Brauerei.

Ein Skiausflug findet regelmäßig seit dem Jahr 2006 statt. Bertl kümmert sich dann um die Wurschtküche und frische Brezen im Bus. In den ersten Jahren liehen die Ranger’s sich die Becher für Kaffee und Glühwein von den Voibrenna. Aber jedes Jahr kamen ein, zwei Becher weniger zurück. Die Ranger’s mussten sich eigene anschaffen.

Ein großes Ritual ist der Hüttenausflug am dritten Januar-Wochenende zu den „Exerzitien“. Die Hütte im Bayerischen Wald am Geißkopf ist nur zu Fuß zu erreichen. In den ersten Jahren mit Swenson marschierten die Ranger’s am frühen Abend mit einem 50-Literfass einfach die Skipiste hoch. Oben geht es dann heiß her. Jeder Neuling muss für die Exerzitien einen Topf aufsetzen und bestimmt damit das Trinktempo der Mannschaft. Durch die Höhenluft ist es unberechenbar, wie viel Bier gebraucht wird. Und zur Brotzeit hat der Quoten-Preuße es schon geschafft, das Geselchte in der Länge zu schneiden und nicht in der Höhe.

Elefantentreffen 2017. Jeder Neuling muss sich dort erst mal bewähren, zum Beispiel einen Tag als Frau auftreten
Elefantentreffen 2017. Jeder Neuling muss sich dort erst mal bewähren, zum Beispiel einen Tag als Frau auftreten


Einige fahren kurz darauf zum Elefantentreffen. Bertl stellt dafür die Packlisten zusammen und jeder Neue hat eine Aufnahmeprobe zu bestehen. Der Hofa Franz zum Beispiel musste sich einen Tag lang als Frau unter den Bikern bewegen.

Eines Tages kam der Andi zu den Ranger’s und wollte Prospect werden. Oft wurde nichts aus den Jungs, aber beim Andi war es anders. Alle waren von ihm begeistert. Er half beim Umbau in Aufhausen und brachte sich bei jedem gut ein. Als die Ranger’s ihn aufnehmen wollten, erhielten sie zum ersten Mal eine Absage. Damals wurde es Franze bewusst, dass sein Club sich verstärkt nach jungen Leuten umschauen müsste. Selbst noch keine fünfzig, merkte er, wie gerne er von früher erzählte. Was er aber auch merkte: Früher war nicht alles besser, sondern umgekehrt wurde alles mit den Jahren immer besser. Ohne Nachwuchs, so Franze, würde das so nicht weitergehen. Die Ranger’s öffneten sich für weitere Prospects.

Damit wurden die Ranger’s nicht zu einem wilden Haufen. Der Club besteht schon lange aus rund zwanzig Mann. Was auch wegen der verschiedensten Motorradtypen so durcheinandergewürfelt aussieht, ist aber nach innen wohlgeordnet und strukturiert.

Die große Zahl der Mitglieder aber, so Franze, sei das Rezept für die Attraktivität des Clubs. Interessierte jüngere Biker würden unter den vielen Membern schneller jemanden finden, mit dem es passt. In eine geschlossene Gemeinschaft von weniger Mitgliedern würden sie sich nicht so schnell einfügen können. Unter den Ranger’s haben die verschiedenen Altersgruppen es gelernt, sich gegenseitig zu respektieren und zu vertrauen. Genau deshalb beschlossen Bempfde, Bertl und Franze, bis dahin Kassier, Vize und Präsident der Ranger’s, die Führung des Clubs in jüngere Hände zu geben. Franze: „Für mich ist es ein Gefühl, als wenn du ein Kind außer Haus schickst, um es der Welt preiszugeben. Jedes Kind, dessen Weg zu lange von seinen Eltern bestimmt wird, ist ein Kind der Unentschlossenheit. Wir Ranger’s haben ein Kind geboren und haben es laufen gelehrt. Nun ist es an der Zeit, loszulassen.“

Bertl, Bempfde und Franze sind sicher, eine gute neue Mannschaft gewählt zu haben, die sie vor dem Altwerden schützt. Das Jahr 2018 war ein Übergangsjahr, und da lief alles wie geplant. Im Januar 2019 wurden Brande (Präsident), Hias (Vizepräsident) und Chris (Kassier) zur neuen Führung des Ranger’s MC Kammern gewählt. Und Franze hat versprochen, sich nicht mehr einzumischen – solange er nicht gefragt wird.



Zum Abschied aus dem Präsidentenamt formulierte Franze sein Glaubensbekenntnis
für den Ranger’s MC Kammern:

„Ich liebe es, jeden Donnerstag ins Clubhaus zu fahren. Ich liebe es, mit Albert, Loibe, Schocker und Woit jeden Donnerstag den Letzten zu machen. Ich liebe die zahlreichen Diskussionen über Themen, die jeden Donnerstag die gleichen sind. Ich liebe es, jeden Donnerstag zu hören, wie schlecht jenes oder anderes Bier ist. Ich liebe es, im Sommer auf der Clubhausterrasse zu sitzen. Ich liebe es, die schwachsinnige Playlist jeden Donnerstag wieder zu hören. Ich denke, die Welt wurde an einem Freitag­morgen erschaffen und als der Herrgott fertig war, schuf er aus lauter Freude über die schöne Welt den Donnerstagabend für alle Ranger’s!“


 


Ranger’s MC Kammern
Wisselsdorfer Straße 6
94405 Landau a.d. Isar

www.ranger-s.de

 
Die neue Führung: Links Brande (Präsident Ranger’s MC Kammern) rechts Hias (Vize-Präsident). Dazu Brande: „Unser alter Präse, der Franz, hatte mich vor zwei Jahren einfach überrumpelt, hatte mir die Frage gestellt: Was wäre, wenn …?“
Die neue Führung: Links Brande (Präsident Ranger’s MC Kammern) rechts Hias (Vize-Präsident). Dazu Brande: „Unser alter Präse, der Franz, hatte mich vor zwei Jahren einfach überrumpelt, hatte mir die Frage gestellt: Was wäre, wenn …?“​



„REVOLUTIONEN SIND NICHT NÖTIG!“

Brande ist der neue Präsident des Ranger’s MC Kammern. Wir sprachen mit dem Jüngeren, der nun den Alten ablöst


BN: Brande, zuerst müssen wir dich nach deinem Alter fragen.

Brande: Ich bin 29 Jahre alt. Im Jahr 2010 wurde ich Hänger, im Herbst 2015 Prospect und seit April 2016 bin ich Member.


Und Präsident bist du nun seit wann genau?

Präsident bin ich seit dem 13. Januar 2019, nach einer Abstimmung aller Member. Als eingetragener Verein müssen wir das so hochoffiziell machen.


Wie kam es dazu, dass du vorgeschlagen wurdest?

Unser alter Präse, der Franze, hatte mich vor zwei Jahren einfach überrumpelt und mir die Frage gestellt: Was wäre, wenn …?


Was machst du beruflich?

Ich bin Landmaschinenmechaniker und besuche jetzt die Meisterschule.


Respekt! Wir wissen, was für eine Belastung eine Meisterschule ist. Ist es für dich da nicht ein bisschen viel, gleichzeitig Präsi zu sein?

Ja, das ist sehr viel, aber da muss ich mich durchbeißen. Ich bin einfach in dem Alter, in dem sehr viel auf einen zukommt: Hausbau, Familie, Kinder. Jetzt eben auch noch das. Es gibt nie einen passenden Zeitpunkt. Aber wenn ich noch älter wäre, würde das nicht mehr gehen.


Der alte Präsi ist sicher noch so was wie eine Graue Eminenz. Könnt ihr sicher sein, dass er nicht noch eine heimliche Führung ausübt?

„Heimliche Führung“ würde ich jetzt nicht sagen, es ist eher eine Beratung. Franze steht mir mit Rat und Tat zur Seite, auch einzelne Veranstaltungen organisiert er immer noch. Aber ansonsten berät er mich einfach nur. Er hat sein Amt abgegeben, aber er hat die Erfahrung, auf die ich in so mancher Situation gerne zurückgreife. Und ich entscheide!


Zum Generationenproblem: Viele junge Biker wollen nicht zu den alten Rockern, weil sie sich dann immer deren alte Geschichten anhören müssen.

Für mich sind das keine alten Rocker, sondern eine beispiellose Gemeinschaft. Klar, sie erzählen alte Geschichten, aber die sind interessant, es sind wirklich gute Geschichten!


Hören die Alten denn auf dich, wenn du ihnen was sagen willst?

Bis jetzt habe ich damit keine Probleme. Vielleicht gibt’s mal welche, die meine Entscheidungen hinterfragen. Aber alle haben Respekt vor mir und vor dem, was ich mache.


„Präsident“, das hört sich so gewaltig an. Kannst du wirklich eine Führung ausüben oder bist du einfach nur für jeden Scheiß zuständig?

Teilweise ist das so mit dem „Scheiß“, vor allem wenn es um die Organisation der Termine geht, mit all den Rundschreiben und so. Aber das gehört eben auch zur Führung. Und dann muss ich mir viel anhören. Ich muss ja auch wissen, wann und wo die Leute Probleme haben, um dann zu wissen, für welche Dinge ich sie zum Beispiel nicht einspannen kann.


Hast du schon eine revolutionäre Amtshandlung ausgeübt?

Das ist nicht absehbar. Ich bin ja in einem Club, in dem alles gut läuft. Es wird sich bestimmt das ein oder andere ändern, aber dafür sind Revolutionen nicht nötig.


Ihr scheint auf einem Grat zu wandern: Ihr müsst euch sicher in der Szene der großen Clubs bewegen. Aber vieles von dem, was bei euch läuft, könnte so auch in ganz normalen Dorfvereinen laufen. Manchmal scheint es, ihr wärt eher ein rustikaler Verein als ein Rockerclub.

Gegenfrage: Ist es nicht so, dass sich jeder Club etwas Rustikales, etwas Beständiges wünscht? Wir versuchen uns so darzustellen, dass es uns das Ansehen in der Szene einbringt und dass wir trotzdem ein gutes Bild in der Öffentlichkeit abgeben und uns am Dorfgeschehen beteiligen können.


Eine letzte Frage: Ihr schreibt nicht „Präsi“, sondern „Präse“. Hat das was mit eurem bayerischen Dialekt zu tun?

Ja, das ist unser Dialekt. Aber wenn du es genau wissen willst: Man spricht das aus, als wenn es mit zwei „e“ geschrieben wird, also „Präsee“.


Na, dann klingt es ja fast wie „Präsi“. Wir entschuldigen uns für die indiskrete Frage.






 
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