Jubiläums Aktion: 25Jahre TätowierMagazin
Die BIKERS NEWS jetzt 25% günstiger im Printabo! 53€ statt 72€
"Profi" war in den Siebzigern und Achtzigern Member des Black Shadows MC Gummersbach. Nun hat er ein Buch geschrieben
BN: Profi, du hast mit „Bikerstories“ ein Buch von über 300 Seiten geschrieben. Was hat dich dazu getrieben, am Schreibtisch zu sitzen, statt in der Garage zu schrauben?

Profi: Ganz einfach: Vor ein paar Jahren hat eines unserer Gründungsmitglieder seiner Freundin unsere alten Fotoalben gegeben, damit sie die durch den Scanner jagt. Eigentlich wollte sie dann auch ein Buch über die Black Shadows schreiben – aber daraus ist nichts geworden. Im nächsten Jahr, als ich in Italien im Urlaub war, sagte ich zu meiner Frau „Schade, dass das Buch jetzt nicht geschrieben wird.“ Sie meinte „Dann mach du das doch!“ Ich habe zwei Monate lang überlegt und dann im Winter angefangen. Die alten Fotos durchzugehen war wie als Kind vor der Augsburger Puppenkiste zu sitzen: Der Vorhang geht auf und auf einmal bist du wieder auf deinem ersten Mopedtreffen. Ich habe Geschichte für Geschichte weitergearbeitet. Irgendwann war klar, dass das chronologisch geordnet werden muss. Und dann, viereinhalb Jahre später, zack, fertig! (lacht) Als das erste Probeexemplar aus den USA kam – das hatte schon was!
(Profi hat seine „Bikerstories“ über eine Tochter­gesellschaft von Amazon veröffentlicht, die das Buch „on demand“, also nach Bedarf bzw. Bestellung druckt; weitere Infos siehe Kasten, Anm. d. Red.)


Das Buch hat einen Untertitel. Er lautet „und Geschichten aus der Zeit, in der mir Gesellschaft und Karriere scheißegal waren.“ Wann und warum hast du dich geändert?

Richtig, deswegen ist auch nichts aus mir geworden. (lacht) Aber im Ernst, irgendwann hat man eben Familie und Kinder. 1988 habe ich dann eine Entscheidung getroffen. Ich arbeitete tagsüber als Lagerist und mein Bruder hatte damals einen Customshop in Gummersbach, in dem ich dann abends noch geschraubt habe. Und am Wochenende war der Club angesagt. Das ist kollidiert, ich war irgendwann nicht mehr so oft beim Club, bei Arbeiten am Clubhaus oder Ausfahrten. Also wollte ich mir eine Auszeit nehmen; aber die Dinge haben sich dann so entwickelt, dass es endgültig war. Nach mir sind vier oder fünf langjährige Member ausgetreten, an denen mir viel gelegen hat. Außerdem war der Präsi jung verstorben. Dadurch war der Club nicht mehr wie vorher, zumindest für ein paar Jahre. Erst ab Mitte der Neunziger ging es dann wieder aufwärts. Später gab es dann auch die ersten Ambitionen in Richtung Hells Angels, die sich dahingehend entwickelten, dass es die Black Shadows Anfang der 2000er nicht mehr gab – also ein sogenanntes „Patchover“.

Profi auf seiner gechoppten BSA. Es ist dieselbe, die er bereits als Member des Black Shadows MC Gummersbach fuhr
Profi auf seiner gechoppten BSA. Es ist dieselbe, die er bereits als Member des Black Shadows MC Gummersbach fuhr

Deine Geschichten drehen sich hauptsächlich um Party machen, Mädels und Maschinen. Das waren damals die wichtigen Dinge im Leben. Was ist dir heute wichtig?

Immer noch das Motorradfahren, vor allem alte Karren. Es ist mir nicht wichtig, ein Motorrad zu haben, mit dem ich 600 Kilometer am Stück fahren kann. Ich fahre lieber 170 Kilometer und bin dann stolz, dass die angeblich unzuverlässige Karre gehalten hat. Und ich freue mich über die ganzen anderen alten Bikes, die ich auf den Treffen sehe, die wir anfahren.

Wieso bist du heute nicht mehr in einem Club?

Viele Leute, die früher mal im selben Club waren, reden heute nicht mehr miteinander, weil sie jetzt in anderen Clubs sind. Nach meinem Austritt hatte ich nichts mehr hinten drauf und fühlte mich diesen Zwängen nicht mehr unterworfen. Mein Bruder und ich waren damals viel unterwegs mit einem Stand, an dem wir Schmuck verkauft haben. Egal wie die Clubs hießen, wir konnten uns mit allen unterhalten. Heute besuche ich oft einen Club in der Nähe, der so ist, wie die Black Shadows in den Achtzigern. Ich bin gerne dort und das ist ein Teil meines Lebens – aber ich habe inzwischen auch jede Menge andere Hobbys. Ich gehe mittlerweile gerne wandern oder fahre Mountainbike. (lacht) Wenn ich mich in eins zu sehr reinknie, muss ich auf ein anderes verzichten. Das will ich nicht. Meine Kinder sind jetzt groß, gut – aber ich muss das mit einem Club nicht mehr haben, ich will mich nicht mehr einschränken.

Blick zurück: Damals ging es hauptsächlich um Party machen, Mädels und Maschinen
„Es gab einen, der wollte seinen Namen geändert haben“ – ob das dieser Mann war?

Deine Storys sind alle mehr oder weniger so passiert, wie du sie im Buch beschreibst. Haben einige der Zeitgenossen, die du erwähnst, dagegen protestiert?

Es gab einen, der wollte seinen Namen geändert haben, ein anderer wollte eigentlich gar nicht vorkommen, da habe ich dann auch den Namen geändert. Auch bei einigen, die ich nicht erreicht habe, bin ich so vorgegangen. Bei manchen peinlichen Geschichten habe ich außerdem auch mal für den Moment den Namen geändert. Ansonsten waren aber alle einverstanden und wollten auch mit dem Spitznamen genannt werde, unter dem sie bekannt waren und sind. Sie stehen also zu allem.


Deine Eltern scheinen ziemlich großzügig mit deinem älteren Bruder Hondo und dir umgegangen zu sein; auch, als bei euch das Zweiradfieber ausbrach. Würdest du zustimmen?

Von vielen Sachen, die wir angestellt haben, haben die gar nichts gewusst. Und unser Vater stand aufs Motorradfahren. Unsere Mutter: Ich will nicht  sagen, dass sie nichts zu sagen hatte, damals war vieles noch anders. Außerdem stand es beim Thema Motorrad drei zu eins. Aber ich durfte in meiner Jugend keine langen Haare haben, deswegen habe ich sie jetzt. Drei Jahre vor der Rente geht das.


Der „Black Shadows MC Gummersbach“ wurde im Mai 1972 von deinem Bruder und einem Dutzend anderer Jungs gegründet. Wie war das für dich als kleiner Bruder, der auch mitmachen wollte, aber noch nicht durfte?

Ja, ich war nicht mal 15. Die paar Brocken, die mir mein Bruder über seine Erlebnisse im Club hinschmiss, sammelte ich auf wie ein Verhungernder. Ein Jahr später war ich überglücklich, als ich mit durfte. Wir hatten damals Clubausweise, da stand auch das Aufnahmedatum drin. Bei mir November 1973.


Das Buch endet nach deiner Zeit bei der Bundeswehr. Den Club gab es damals noch und du warst auch noch mit dabei. Warum dieses abrupte Ende? War das Papier alle – oder kommt womöglich ein zweiter Teil?

Das Buch war schon so dick, ich musste ein Ende finden. Und ja, es wird einen zweiten Teil geben, da bin ich schon am Schreiben. Nach der Bundeswehr hatte ich einen großen Nachholbedarf. Ich habe alles mitgenommen, was ich kriegen konnte. Auf das abrupte Ende haben mich auch schon andere hingewiesen – heute würde ich vielleicht ein paar Sätze mehr dazu schreiben.


Wann wird der zweite Teil erscheinen?

Ich arbeite dran. Aber für den jetzigen Winter habe ich mir viel zum Schrauben aufgehalst. Und im Sommer fahre ich, da schreibe ich sowieso nicht. Wenn ich in drei Jahren in Rente gehe, geht’s wahrscheinlich schneller.    «

Zuerst veröffentlicht in BIKERS NEWS 01/2018
 

Profi: Bikerstories, 340 Seiten, 
CreateSpace Independent Publishing,
ISBN 978-1541287013, 13,90 Euro
Heinz Visarius aka „Profi“ erblickte am 8. September 1957 das Licht der Welt. Zwanzig Jahre später schaffte er wie durch ein Wunder nach der mittleren Reife auch noch die Prüfung zum Industriekaufmann. Seit er kann, ist er auf motorisierten Zweirädern unterwegs, davon viele Jahre als Member des Black Shadows MC Gummersbach. Dort kam er auch zu seinem Spitznamen „Profi“, einer Abkürzung für Professor, da er bei seinem Einstieg in den Club das Gymnasium besuchte.

Profi: Bikerstories, 340 Seiten, CreateSpace Independent Publishing,
ISBN 978-1541287013, 13,90 Euro
Artikel aus der Ausgabe: 3/19
Das letzte Wort: 50 Jahre Easy Rider 14.03.2019
Das letzte Wort: 50 Jahre Easy Rider
Highway to Heaven 14.03.2019
Highway to Heaven
Gremium MC Venezuela 14.03.2019
Gremium MC Venezuela
Bike Farms Flathead – Ein Fahrtest 14.03.2019
Bike Farms Flathead – Ein Fahrtest
Colour-Verbot: Entscheidung 2019? 14.03.2019
Colour-Verbot: Entscheidung 2019?
Blazes MC Germany: Brothers in Heaven 13.03.2019
Blazes MC Germany: Brothers in Heaven
Ausgabe 5/19 erscheint am 12. Apr
No Surrender MC 13.12.2017
No Surrender MC

BIKERS NEWS stellt in der Januar-Ausgabe den No Surrender MC vor. Hier der Vide...

Zehn Jahre Iroskulls MC 12.12.2018
Zehn Jahre Iroskulls MC

Die Iroskulls MF gründeten sich im Jahr 2005, anfänglich als Streetfighter-Ge...

Das Lommel-Protokoll 12.03.2016
Das Lommel-Protokoll

Am 21. März liest Lothar Berg in der Berliner Pokerlounge aus unserem Buch über den...

Verlosung – die Gewinner 26.04.2016
Verlosung – die Gewinner

Glückwunsch! Ihr hattet eure Adresse lesbar geschrieben, und jetzt habt ihr eine D...

Back to the Roots Teil 7 16.05.2018
Back to the Roots Teil 7

BIKERS-NEWS-Gründer Fips blickt in den Rückspiegel und erzählt von den frühen Tagen der...

Bandidos MC Meran 24.08.2017
Bandidos MC Meran

Das Chapter Meran des Bandidos MC feiert im Frühsommer traditionell seine Gard...

Blood Red Section MC 31.07.2018
Blood Red Section MC

Beach Party im oberfränkischen Buch...

Jagd auf die Rocker 23.02.2016
Jagd auf die Rocker

Im Clubhaus des Hells Angels MC Leipzig startet unser Buch „Jagd auf die Rocker“ m...

Magazine des Huber Verlages