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Der Gremium MC Simmern feierte sein zwanzigjähriges Bestehen. Das Vorprogramm zum Abend lieferte die Polizei
Es war wie ein eingespieltes Ritual, in dem jeder wusste, was er zu tun hatte. Uwe vom Gremium MC Simmern verteilte sogar Handzettel mit Verhaltensrichtlinien für Polizeikontrollen. Wer den Eindruck hatte, unverhältnismäßig oder gar unrechtmäßig behandelt worden zu sein, der hätte diesen Zettel ausfüllen und beim Club abgeben können. Lästig war es trotzdem, denn es dauerte ein bis zwei Stunden, bis die Biker die Polizei­kontrollen vor der Feier zum Zwanzigjährigen des Gremium MC Simmern passiert hatten. Dort kursierte die Story von der Landes­polizeischule Rheinland-Pfalz, die ebenfalls im Hunsrück liegt. Eine Kontrolle mit dem vollen Programm gehöre dort zur Ausbildung. Und es war das volle Programm, das die Polizei auffuhr. Mit einem guten Dutzend Mannschaftsfahrzeugen hatte die Polizei kleine Boxen improvisiert, in die jeweils ein Biker einrollte, um dieses Programm über sich ergehen zu lassen: Personenkontrolle mit Abtasten und Ausziehen der Stiefel, Fahrzeugkontrolle mit Lautstärkemessung der Schalldämpfer und wer einen Helm trug, der nach Auffassung der Polizei als Motorradhelm „nicht geeignet“ war, der musste ihn abgeben und fünfzehn Euro für eine Ordnungswidrigkeit abdrücken. Die Schlange der Fahrzeuge, die noch nicht an der Reihe waren, zog sich über hundert Meter bis auf die Hauptstraße hin.

Polizeikontrollen: Stiefel mussten ausgezogen werden, Helme wurden eingezogen
Polizeikontrollen: Stiefel mussten ausgezogen werden, Helme wurden eingezogen


Ihre Kutten trugen die Member des Gremium MC währenddessen gewendet oder zusammengerollt unterm Arm, denn das Colour des Gremium MC darf ja in der Öffentlichkeit nicht gezeigt werden. Aber dann, nach Passieren der Kontrollen und nach Passieren der Sichtblenden vorm Partygelände, zogen sie die wertvollen Kleidungsstücke endlich über und die Party konnte beginnen. Armin, der President des Gremium MC Simmern, erklärte dazu: „Unsere Party ist nichts für die breite Öffentlichkeit, auch das ist eine Folge des Colour-Verbots. Mit der Zeit arrangiert man sich, aber wir sehen es sehr kritisch. Wir freuen uns ja schon, ins Ausland zu fahren, wo wir unsere Patches endlich offen tragen können.“ Es war also eine geschlossene Veranstaltung, was auch eine Bikerparty für jedermann hätte sein können, auf der das zwanzigjährige Bestehen des Gremium MC Simmern gefeiert wurde.

Der Inceptor MC pflegte eine enge Freundschaft mit dem Satudarah MC, hier zu Gast im Jahr 1995 im alten Clubhaus
Der Inceptor MC pflegte eine enge Freundschaft mit dem Satudarah MC, hier zu Gast im Jahr 1995 im alten Clubhaus


Wenn der Gremium MC Simmern nun sein Zwanzigjähriges feierte, heißt das nicht, dass es in der Region zuvor keinen MC gegeben hätte. Seit 1983 fuhren dort rund dreißig Biker unter den Farben des Inceptor MC – ausgesprochen wie im Schul-Latein mit „k“, also „Inkeptor“, denn das steht für „Beginner“. Auch Armin war schon als Member dabei, in den letzten beiden Jahren des Clubs als President. Damals strebten die Member nach Größerem. Sie schauten sich um. Armin heute: „Wir waren bei vielen Clubs, sind mitgefahren, haben ihre Partys besucht. Wir hatten intern beschlossen, uns zu vergrößern. Und wir wollten uns nicht nur vergrößern, sondern verbessern. Und beim Gremium hat es gepasst, wir haben den anderen dann abgesagt. Wichtig war, dass wir es geschlossen machen, wir wollten nicht daran zerbrechen. Nur einer hat schließlich nicht mitgemacht – nicht mitmachen können, zeitlich und familiär.“

Über die Probezeit wurden die Männer aus Simmern vom Gremium-Chapter Karlsruhe betreut. Auf sie kam zu, was auf alle angehenden Gremium-Chapter zukommt: drei Monate Hangaround, zwölf Monate Probezeit, Abfahren der Siebenerrats-Chapter und so viele Chapter wie sonst noch möglich besuchen. „Also bewegen!“, fasst Armin das in einem Wort zusammen. In Konstanz fand schließlich im Jahr 1999 die Feier zur Vollmitgliedschaft statt. An der Mannschaftszahl änderte sich kaum was. Auch der frischgebackene Gremium MC Simmern rekrutierte sich aus unverhältnismäßig vielen Membern. Heute zählt er fünfunddreißig Mann und nach Auskunft der Member funktioniert es auch. Nur ab einer Zahl von vierzig Membern würde es schwierig werden. Bis dahin bietet der fünfundzwanzig Meter lange Sitzungsraum des Clubs genügend Platz für alle.

Der fünfundzwanzig Meter lange Sitzungsraum des Clubs bietet genügend Platz für alle Member
Der fünfundzwanzig Meter lange Sitzungsraum des Clubs bietet genügend Platz für alle Member


Armin ist heute noch President des Chapters. Er ist stolz, wenn er auf die vergangenen Jahrzehnte zurückblickt, vor allem auf die beiden letzten: „Wir sind unserer Linie treu geblieben. Es sind immer wieder Neue zu uns gekommen, die dafür viele hundert Kilometer Anfahrt auf sich genommen haben. Sie hätten ja auch bei anderen Clubs unterkommen können.“ Die Simmerner trugen zur weiteren Entwicklung des Gremium MC bei. Sie betreuten die Gründung des Chapters Krefeld, aus dem wiederum das Chapter Viersen hervorging. Den Supporterclub Black Seven MC führte Simmern eine Zeit lang, heute geht es auch wieder ohne. Für andere Clubs bietet das Chapter einen Runden Tisch an, ein zweimal jährlich stattfindendes Treffen, um Termine abzusprechen. Darüber hinaus richtet dieser Runde Tisch jährlich eine Ausfahrt aus, nur dieses Jahr nicht, denn da zählte die Fahrt zum Simmerner Jubiläum als Ausfahrt.

Zu den schwersten Stunden des Clubs zählte sicher der Tod von Member „Fisch“ im Jahr 2003. Auf dem Weg zum Motodrom nach Cottbus verunglückte er mit seinem Motorrad so schwer, dass er aus einem zweiwöchigen Koma nicht mehr aufwachte. „Man muss Fisch gekannt haben, um zu wissen, wie das passieren konnte – und warum wir mit dem Tod unseres Freundes auf unsere eigene Art umgehen“, erklärt President Armin. „Er war, wie fast immer, zu spät zur geplanten Abfahrt gekommen. Im Stau überholte er einige Autos, als eines ausscherte und ihn rammte.“ Bis die sterblichen Überreste ihres Bruders freigegeben wurden, hielten die Member eine Woche lang Totenwache in der Leichenhalle. Nach einigen bürokratischen Hürden konnten sie ihm schließlich auch seinen letzten Wunsch erfüllen, der dem Lebensmotto von Fisch entsprach. Der Sarg wurde senkrecht unter die Erde gebracht, denn Fischs Motto lautete: „Lieber stehend sterben als kniend leben“. Die Behörden hatten sich zunächst dagegen gesträubt, mussten aber schließlich nachgeben, als die Member andere Fälle nachweisen konnten, bei denen das möglich gewesen war. Member Ralf erklärt noch: „Fisch war ein Partymensch und hätte nur einen Wunsch gehabt: Macht genauso weiter wie immer!“

Die Schatulle der Ladys wird mit einem dreifachen „Gremium Power“ in Empfang genommen
Die Schatulle der Ladys wird mit einem dreifachen „Gremium Power“ in Empfang genommen


So feierten die Member des Gremium MC Simmern. Sie feierten wie immer, zum Jubiläum besonders, und ihre Standhaftigkeit, nun, nach zwanzig Jahren stellt die sich von allein unter Beweis. Die Rückendeckung dafür erhalten die Member nicht zuletzt von ihren Frauen, die ebenso beherzt bei der Sache sind. Sie riefen ihre Jungs am Abend für ein Viertelstündchen zu sich, um ihnen zu gratulieren und ihnen eine Schatulle mit ihrem Beitrag zum Partygeschehen zu überreichen. Es steckte Geld drin, kann man immer brauchen. Mit Schutzgelderpressungen treiben die Member ihre Kohle ja nicht ein, auch wenn das Programm der Polizei sowas vielleicht suggerieren sollte.


Gremium MC Simmern
an der L108 hinter der Abfahrt der B50, Richtung Simmern
Kontakt: Telly (Sec) telly@m4tattoo.de, Armin (Pres) gremium-simmern@gmx.de
Open House jeden ersten Freitag im Monat
 
   
Die beiden Member sind mit ihren Helmen durch die Kontrollen gekommen, wir wissen nicht wie
Die beiden Member sind mit ihren Helmen durchgekommen, wir wissen nicht wie

Recht und Schutzhelm
Die Straßenverkehrsordnung schreibt mit § 21a Abs. 2 einen „geeigneten Schutzhelm“ vor. Genauer ist dieser Gesetzestext allerdings nicht definiert. Er schreibt im Gegenschluss also nicht das Tragen von Helmen mit E-Prüfzeichen vor, sondern eben nur das eines „geeigneten“ Helmes. Da Richter aber von der Geeignetheit wenig Ahnung haben und Helme mit einem E-Prüfzeichen immerhin nach der Norm eines Amtes geprüft sind, akzeptieren Gerichte einen E-geprüften Motorradhelm immer als einen geeigneten Helm. Andere Helme, die ungefähr diesen Normen entsprechen, könnten ebenfalls akzeptiert werden, das ist aber nicht garantiert.

Ganz sicher fallen Braincaps, Ski- und Skaterhelme durch, selbst wenn sie als Motorradzube­hör erworben wurden. Der Beamte hat also rechtmäßig gehandelt, als er ent­sprechende Helme eingezogen und fünfzehn Euro für eine Ordnungswidrigkeit kassiert hat. Aber Achtung: Maßgeblich für die Rechtmäßigkeit eines solchen Vorgangs ist immer ein gerichtliches Urteil, das nachträglich angestrebt werden kann. Ihr müsst nur wissen, ob ihr es drauf ankommen lassen wollt.
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