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Der Swans MC nahm Abschied von seinem Member Rico
An einem Nachmittag 1989 besuchte ich als Szeneneuling einen älteren Rockerkumpel, der im Garten feierte. Als weitere Gäste entpuppte sich der Swans MC Lohmar, damals der berüchtigtste Club im Rhein-Sieg-Kreis. Zu dessen Umfeld der Steppenwolf MC, Black Shadows (später HA) Gummersbach, Devils Flames Dortmund (später Bandidos), German Oaks und Ghost Rider Ahrweiler (später Outlaws) gehörten. Deshalb traute sich auch sonst kaum einer dort hin. Unter den gestandenen raubeinigen Gesellen fiel mir unter anderem ein kleiner Dicker mit Bürstenhaarschnitt und Schnäuzer auf, der lautstark im kölschen Slang lustige Sprüche von sich gab.



Erich „Rico“ De Borger kam am 8.9.1959 im belgischen Dendermonde zu Welt. Als junger Kerl trat er in die Berufsarmee ein und wurde ins Rheinland versetzt, weshalb er immer wie ein waschechter Kölner klang. Wobei er doppelt so viel Humor besaß. Stets für Witze und Sprüche zu haben, konnte er auch über sich selbst lachen und verbreitete gute Stimmung. Im rauen Haufen der Swans, welchem sich der ehemalige Black Diamond 1985 anschloss, war er derjenige, der schnell Kontakte knüpfte, vor allem zu beschützenden Schwächeren. Für die trug er in seiner robusten Art das Herz am rechten Fleck. Immer auch ein ruppiger Charmeur zu Damen, konnte der korpulent wirkende Mann auch eine fixe Sohle aufs Parkett legen. Denn man sollte ihn nicht unterschätzen - er hatte auch eine andere Seite.
Sein President Dirk Stürmer meinte „Wer ihn hinter sich hat, braucht sich um seinen Rücken nicht sorgen.“ Kneipenschläger und Hooligans fürchteten seine schnelle Kelle. Aber nicht nur da teilte er aus, Stürmer bezeichnet ihn auch als einen Menschen, der mit dem Kumpel das letzte Hemd oder Bier teilte, was heutzutage nicht mehr selbstverständlich ist.
Ich selbst zechte mit ihm mal in einer Kaschemme, wo ein breiter Typ prahlte, er wäre der Iron Mike, gerade aus dem Knast entlassen und er würde es dem Belgier gleich zeigen. Mit einem Schlag war der Eiserne nur noch ein butterweicher Michael auf dem Boden der Kneipe.
Zwei Kumpels von mir gerieten sich auf einer Swans Party in die Haare und der eine als Kampfsportler fertigte den anderen mit einer Kombination ab. Rico meinte, wäre okay gewesen, aber auch gut, dass er den anderen nicht total alle gemacht hat. Worauf mein Kumpel angeberisch meinte, er hätte das als Kickboxer locker gekonnt. Rico schmunzelte, „ist mir egal ob du Kickdancing machst, ich mache seit 12 Jahren Close Combat, das ist militärischer Nahkampf.“
Während er sich bei der Sanitätsausbildung den Rausch ausgeschlafen haben muss. Als sein ebenfalls bei der Armee und den Swans befindender Bruder Jozef sich mal hinlegte und die Schulter anknackste, kugelte Rico ihm den vermeintlich ausgerenkten Arm wieder ein. Und brach dem Schwan mit einem Ruck den Flügel.
Das Militär brachte ihn auch in die Ferne und da es Erich immer dorthin zog, wo es brenzlig wurde, machte er in den 90ern vier lange Auslandeinsätze als Blauhelmsoldat in Bosnien und dem Kosovo mit. Wo er Eindrücke gewann, die so gar nichts mit den Nachrichtenbildern deutscher Wohnstuben zu tun hatten.
Als sein Club mit einem wesentlich größeren MC in Streit geriet, sagte jemand scherzhaft, er solle halt einen Panzer mitbringen und Rico antwortete gespielt entrüstet, „ich bin Belgier, ich komme von hinten mit dem Messer.“ Obwohl genau das nicht seine Art war, er trat immer offen geradeaus gegenüber Freund wie Feind.



Nach Abzug der belgischen Armee blieb Rico genau wie sein 2012 verstorbener Bruder im Rheinland wohnen und seinem Club bis zum letzten Tag treu.
Am 13.8.2018 starb Rico und wurde unter großer Anteilnahme von ehemaligen Militärkameraden, Freunden, Rockern und seinem Club auf dem gleichen Friedhof wie Jozef beigesetzt
Mach‘s gut alter Freund, wir werden dich vermissen.

 
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