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Clubhäuser bleiben leer, Sitzungen und Partys fallen aus. Wir reagiert die Rockerszene auf Corona? Wir haben uns mit Franco vom Gremium MC Ludwigsburg unterhalten. Stand des Gesprächs: Freitag, der 20. März, unmittelbar vor den ersten Ausgangsbeschränkungen

Wir sprachen mit Franco, President Gremium MC Ludwigsburg (Archivfoto)

BIKERS NEWS: Franco, der Corona-Virus schränkt auch unser Clubleben ein. Welcher Termin ist für dich zuerst ausgefallen?
Franco: Grundsätzlich fällt ab jetzt bis auf Weiteres alles aus. Wir Presidenten vom Gremium MC haben uns untereinander abgesprochen, damit keiner mehr zu irgendeinem Jacky-Cola-Abend einlädt. Am Freitag hätten wir das wöchentliche Treffen unseres Chapters Ludwigsburg gehabt. Die internen Treffen unserer Abteilungen sind uns sehr wichtig, selbst wenn es mal nichts zu besprechen gibt. Das ist es ja, was uns ausmacht: die Gemeinschaft! Aber auch hier haben wir überflüssige Treffen abgesagt. Wenn es nötig ist, treffen wir uns nur mit einzelnen Leuten.

Grüßt ihr euch dann noch mit dem typischen Bikergruß? Und was ist mit euren Brüdern weltweit im Gremium MC World?
Wir verzichten natürlich auf Handschlag und Umarmungen!
Und nächstes Wochenende wäre ich zu unseren italienischen Brüdern des Chapters Neapel geflogen. Das fällt nun wegen der weltweiten Pandemie auch aus. Vorgestern habe ich noch mit dem Presidenten von Neapel telefoniert. Er fährt beruflich Lastwagen, der darf zum Glück noch raus. All seine italienischen Brüder bleiben daheim. Unsere Jungs sind da sehr diszipliniert. In Neapel haben die Menschen verstanden, worum es geht. Das öffentliche Leben ist in Italien fast zum Erliegen gekommen. Einige hier in Deutschland haben Familien in Italien, ich gehöre selbst dazu, aber wir können unseren Angehörigen auf die Entfernung nicht helfen. Dabei sind wir doch stolz, einer Gemeinschaft anzugehören, wo man sich auch in schlechten Zeiten beisteht.
Auch in Venezuela hat das Corona-Virus unter unseren Brüdern zugeschlagen. Dort bestehen Ausgangssperren. Die Menschen dürfen nur zum Einkaufen und zum Arbeiten raus. Sie haben meist nur Nahrung für zwei Tage und so gut wie keine medizinische Versorgung.
Wir stehen in engem Kontakt mit unseren Brüdern überall auf der Welt und sind in großer Sorge, auch nur einen zu verlieren.

Der „Tag der Harley“ am 1. Mai ist eines der ersten großen Events, das mit dem Gremium MC ausgerichtet wird. Fällt der Termin auch aus?
Bis dahin vergeht noch locker ein Monat. Wir haben das Event trotzdem abgesagt. Ich denke, keiner von uns glaubt noch, dass wir in vier Wochen schon wieder auf Veranstaltungen mit so vielen Menschen gehen. Wir alle sind froh, wenn wir uns in ein paar Wochen mal wieder in den Clubhäusern treffen können.

Wie sind in der Szene die Reaktionen auf die vielen Absagen?
Wir sind untereinander sehr sozial. Wenn Kontakte verboten werden, dann überlegt jeder Einzelne natürlich, ob er sich daran hält. Aber es geht hier um alle. Über unsere Gemeinschaft hinaus dürfen wir nicht leichtfertig die Gesundheit unserer nächsten Angehörigen sowie Freunde und aller anderen aufs Spiel setzen.
Auch wir haben anfänglich gezögert, uns aber nie fahrlässig verhalten. Wir sind entgegen vieler Meinungen ein Teil der Gesellschaft und beachten die staatlichen Maßnahmen. Viele unserer Mitglieder kümmern sich auch um andere Menschen, die mit der Szene nichts zu tun haben, versorgen Obdachlose mit Lebensmitteln oder gehen für Nachbarn einkaufen.
Und wie in allen MCs haben wir Member, die den Risikogruppen angehören, auch die gilt es zu schützen. Dazu muss uns niemand auffordern, weder Ordnungsämter noch Polizei.

Ist denn das Klima mit der Polizei besser geworden? Die hat jetzt ja Wichtigeres zu tun.
Die Polizei sollte gerade jetzt anderes zu tun haben! In den meisten Orten, in denen wir Chapter führen, kommt man gut klar mit der Polizei. Es kommt häufig zu Absprachen, an die sich beide Seiten halten.
Das funktioniert aber nicht immer. Vereinzelte Polizeibehörden haben sich jüngst medienwirksam auf der Beerdigung eines unserer Brüder in Szene gesetzt. Das ist aber die Ausnahme, wir lassen uns dadurch nicht provozieren.

Fahrt ihr im Club wenigstens gemeinsam Motorrad? Das kann man ja mit zwei Metern Sicherheitsabstand.
Auch das gemeinsame Motorradfahren steht jetzt erst mal nicht auf der Tagesordnung. Wie ihr wisst, haben wir letzte Saison einige Member durch Motorradunfälle verloren. Klar fahren unsere Leute vereinzelt Motorrad, manche haben auch nur ein Motorrad und kein Auto. Aber die meisten verzichten darauf. Ich kann mir auch was Schöneres vorstellen, als jetzt mit Verletzungen in einem Krankenhaus zu liegen.

Aber du hast jetzt Zeit für dein Motorrad!
Ja, stimmt, ich mache jetzt das, was alle machen. Ich erledige Dinge, für die man nie Zeit hat. Das Bike wird endlich auf Vordermann gebracht, die Garage wird aufgeräumt und was sonst noch so anfällt. Ich hoffe, die meisten Leute kommen aus der Corona-Krise aufgeräumt heraus.

Wie findet das Clubleben jetzt statt, elektronische Kommunikation, Whatsapp, E-Mails?
Ja, klar. Ich telefoniere täglich mindestens zehn Mal. Und es ist echt geil, was sich manche Leute einfallen lassen, um sich die Zeit zu vertreiben …

… und alles wird abgehört.
Wenn es so ist, können wir es nicht ändern.

Wie lange haltet ihr das durch?
Das werden wir sehen, wir haben dieselben Problemen wie alle anderen auch. Wenn die Leute in Kurzarbeit kommen, haben sie nur noch einen Teil ihres Lohnes. Auch den Selbstständigen im normalen Handwerk brechen die Umsätze weg. Diese Situation wird die ganze Welt noch eine Weile beschäftigen und wie immer wird es Gewinner und Verlierer geben. Ich hoffe nur, dass unsere Leute gut durchkommen …

… in den Laufhäusern läuft auch gerade nix, oder?
Das ist korrekt, das horizontale Gewerbe wurde ebenfalls eingestellt. Vor einer Woche habe ich die Sache selbst noch nicht so ernst genommen, habe Witze drüber gemacht. Jetzt ist es wirklich ernst.
Wir werden später wieder viele Partys miteinander feiern können. Es fühlt sich komisch an, wenn jemand wie ich an andere appelliert, über alle Clubgrenzen hinweg, sich an die Anweisungen zu halten und Hygiene und Abstandsregeln einzuhalten und zu helfen, wo man kann. Aber ich glaube, dass uns in dieser Zeit nur eine wirklich soziale Gemeinschaft weiterbringt. Wenn nicht wir, wer dann?


Abgesagt:
30. April–1. Mai:
Rock in den Mai/Tag der Harley,
68794 Oberhausen-Rheinhausen,
www.tagderharley.de
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