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Die Jungs vom MC Delirium Germanicum aus Limbach-Oberfrohna sind Oldschooler. Jetzt feiern sie ihr Dreißigjähriges
Limbach-Oberfrohna liegt vor den Toren der Industriestadt Chemnitz. Es scheint ein fruchtbarer Boden für die Motorradszene zu sein. Vier Vereinigungen haben ihren Sitz in der 24000-Einwohner-Stadt: Standbiker, MF Limbach, Charon und der MC Delirium Germanicum. Vielleicht liegt es auch am nur zehn Kilometer entfernten Sachsenring, die Jungs haben Benzin im Blut. Tommy, President des Delirium Germanicum MC: „Wir waren schon im Nachbarort Callenberg ein toller Haufen Biker, die viel zusammen unternommen haben.“ Die „Cally-Family“ fuhr alle möglichen Bikes. Gleichzeitig trat Mossi auf den Plan. Der Rocker aus Grefrath am Niederrhein hatte bereits MC-Erfahrung bei den Creatures of Heaven gesammelt. Nach Trouble und Austritt mit einigen Mitstreitern gründete er im Jahr 1988 das „Delirium Germanicum“. Die Geschichte des Namens verdunkelt sich tatsächlich im Alkoholdunst jener Tage, doch letztlich sei ein Spruch daran schuld gewesen. Mossi: „Der Austritt bei den Heavens war uns ja nicht leicht gefallen, der Schmerz war schon da. Wir saßen also herum und sinnierten über einen neuen Namen, als einer unserer Jungs meinte, er würde sich heute ins Delirium saufen. Wir hörten den Spruch, schauten auf die vielen Flaschen Hannen-Alt, die auf dem Tisch standen, und so kam eines zum anderen.“ Der Name stand, das Logo auch. Das existiert sogar bis heute, in leicht abgewandelter Form.



Dann kam Mossi in den Osten. Es bestanden bereits Brieffreundschaften, auch fanden vereinzelte Treffs in der damaligen ČSSR statt. Jetzt aber reiste Mossi selbst nach Sachsen: „Ich lernte ein Mädel kennen, blieb hängen und zog 1992 ganz nach Limbach.“ Die dortigen Biker kannte er da schon ganz gut. Man tat sich zusammen – und das „Delirium“ fuhr fortan in Limbach-Oberfrohna.
Zum Ende des Jahrtausends kam ein großer Schwung dazu, unter anderem die Gang aus Callenberg. Sie verfügte über reichlich Kontakte zu anderen Clubs der Gegend und so entwickelte sich ein reges Club­leben. Tommy: „Wir sind gefahren und gefahren, jedes Wochenende, und das ist bis heute so. Wir waren und sind ein echter Vielfahrer-Club.“ Bei so viel Engagement wollten die Jungs irgendwann auch als MC firmieren. So fuhren sie erst mal die Tour zu den umliegenden Clubs. 2003 war es dann so weit, sie setzten sich im Wohnzimmer von Tommy zusammen und sortierten sich. Tommy: „Wer macht mit, wer nicht, war die Frage. Es wurde ja ernst. Und natürlich gab es einen Einschnitt, denn wir wollten ja auch die Regeln befolgen und ernst nehmen. Wenn schon, denn schon.“ Das Colour wurde geändert, endlich zeigte die Kutte auch die Buchstaben „MC“.

Das Clubhaus ist in gemeinschaftlicher Arbeit entstanden
Das Clubhaus ist in gemeinschaftlicher Arbeit entstanden

Der nächste Schritt war die Suche nach dem eigenen Clubhaus. 2006 hatten die Jungs Glück und fanden im Zentrum des Städtchens eine geeignete Immobilie. Sie gründeten einen Verein, der das Haus erwarb, und es ging an die Arbeit. Die Bruchbude wurde dank der fleißigen Mitarbeit aller Member und Freunde nach über zwei Jahren zu einem Schmuckstück. Das komplette Dach musste neu gedeckt, die Fassade erneuert und der komplette Innenausbau gestemmt werden. So wandelte sich das alte Schuhmachergeschäft in ein gemütliches Clubhaus, wofür der Club auch viel Anerkennung im Ort bekam. Tommy: „Die Anwohner respektieren uns, so gibt es auch keinen Ärger.“ Darüber hinaus engagiert der Club sich auch im Ort. Neben seinem sozialen Engagement nahm er zum „Tag der Sachsen“ im Jahr 2016 mit einem eigenen Wagen am großen Umzug teil. Das Bier sollte für das gesamte Wochenende reichen, war aber bereits Freitagnacht ausgetrunken. Mossi: „Da waren Menschen über Menschen bei uns im Clubhaus, Oma und Opa mit den Enkeln und alle möglichen Leute, es wurde getanzt und gefeiert.“

Auf dem Pfingsttreffen. Die Partys des Clubs sind legendär
Auf dem Pfingsttreffen. Die Partys des Clubs sind legendär

Es könnte am Oldschool-Gedanken liegen, in der Szene wurden „Delirium“ jedenfalls gut angenommen. Das begann mit den vielen Besuchen bei anderen Clubs und endete mit der Ausrichtung wilder Partys. Das seit 1987 stattfindende Pfingsttreffen liegt seit vielen Jahren in der Verantwortung des Delirium und ist inzwischen eine der größten Biker­partys in Sachsen. Auf den Muldewiesen in Wolkenburg rollen jedes Jahr Hunderte Biker und Clubs aus ganz Deutschland und Europa an. Auch als Reisende machten sich die Jungs einen Namen. Die 2001er-Tour nach Kroatien ist in guter Erinnerung geblieben, als man den Twin Horn MC in Pula besuchte und mit zwölf Motorrädern die Länder der Region bereiste. Auch die Devils Disciples in Manchester wurden bereits mehrfach besucht. „Jede Tour ist bei uns eine Abenteuerfahrt“, lacht Mossi. Auf der Rückfahrt von einem Treffen in Hunsrück fiel einem Member der Auspuff ab, alle mussten notgedrungen an einem Golfplatz halten, wo sie das heiße Teil im Teich abkühlten – unter den ratlosen Blicken der feinen Golfer.

Die Membertaufe ist ein eigenes Ritual. Hier die Taufe von Klaus im Jahr 1989
Die Membertaufe ist ein eigenes Ritual. Hier die Taufe von Klaus im Jahr 1989

Eine Besonderheit ist die Aufnahme von neuen Membern. Sie ist ein ganz eigenes Ritual, der Prospect muss sich seine Kutte ein letztes Mal verdienen. Eine Memberparty über den ganzen Tag wird dem Kandidaten gewidmet, ohne dass der vorher davon weiß. Ein Pflichttermin für alle Member ist der Tag ohnehin. Und jedes Mal wird der Tag ganz unterschiedlich begangen. Der Mann wird zu­nächst zu Hause abgeholt, die Familie ist eingeweiht. Dann stecken die Member ihn in ein Kostüm und stellen ihm eine Aufgabe. Sie bestimmen per Dartpfeil auf einer Karte des Freistaates Sachsen ein Ziel, zu dem der angehende Member mit dem Mofa fahren muss. Von dort hat er ein Beweisfoto zu bringen. Das Benzingeld muss er sich erst noch verdienen. Und das kann hart werden. Einmal musste jemand im Hexenkostüm an der Tankstelle Scheiben putzen. Ein anderer wurde für ein Schwimmfest im gestreiften Badeanzug als Startschwimmer nominiert. Es kam auch schon vor, dass ein Anwärter im Hasenkostüm in den Käfig einer Zuchthasenausstellung gesperrt wurde.
Später bekommt der Kandidat diverse Aufträge. Er muss als „Cindy aus Marzahn“ verkleidet in einer Disco tanzen oder im Cheer­leader-Kostüm auf Rollschuhen Getränke servieren. Zudem darf der Betreffende den gesamten Tag über keine Speisen und Getränke ablehnen, die ihm die Member offerieren. „Wir lassen uns immer etwas ganz Spezielles einfallen“, sagt Tommy. Das aber ist irgendwie ganz klar bei diesem etwas anderen Club, den Tommy in kurzen Worten treffend charakterisiert: „Wir leben den Rock ’n’ Roll!“

MC Delirium Germanicum
Paul-Seydel-Straße 3
09212 Limbach-Oberfrohna
www.mc-delirium.de
 

„Wir wollen bleiben, wie wir sind“
Wir sprachen mit Tommy, dem Presidenten des MC Delirium Germanicum

Tommy und Mossi führten das Delirium Germanicum auf seinen Weg
Tommy und Mossi führten das Delirium Germanicum auf seinen Weg

BN: Ihr seid reiselustig, oldschool, aufgeschlossen. Was verrät das Wort „Delirium“ in eurem Namen noch über euch?
Tommy: War ja klar, dass du das fragst, das machen nämlich alle. Also, der Name ist nicht Programm, wir distanzieren uns ein wenig von dieser Schlussfolgerung. Obwohl wir gern Spaß haben, bekübeln wir uns nicht jedes Mal sinnlos. Wir leben unser Clubleben und pflegen das auch intensiv. Der Weg ist das Ziel, wir fahren wahnsinnig gern auf den Böcken durch die Gegend, haben zweimal wöchentlich das Clubhaus geöffnet – obwohl, die besten Gespräche führt man bei Partys bekanntlich am frühen Morgen …

Ihr sagt, es reizt euch, immer neue Leute kennenzulernen. Schafft ihr das überhaupt noch?
Man muss ja nur offen sein, dann ist das überhaupt kein Problem. Bei uns zählt erst der Mensch, dann die Kutte. Das ist das, was wir wollen.

Daraus erwachsen dann aber doch manchmal auch Verpflichtungen. Wie könnt ihr die alle erfüllen?
Wir können natürlich nicht alle anfahren, aber wir versuchen unser Bestes. Es muss ja auch nicht immer jeder fahren. Wenn man sich einmal im Jahr sieht, ist das auch toll, wenn man damit ein tolles Wochenende verbindet, mit Party und guten Gesprächen. Das macht ja dieses Feeling aus, deshalb mögen wir die Oldschool-Schiene ja auch so.

Wie kommt ihr an die vielen internationalen Kontakte? Auf eurem Pfingsttreffen sieht man ja regelmäßig Clubs aus Russland, Österreich, Tschechien, der Schweiz, England oder Schweden.
Das ist ganz unterschiedlich. Man lernt sich auf diversen Treffen kennen oder unsere beiden Member, die durch ihre Jobs viel in Europa herumkommen, begründen Kontakte. Am besten fand ich ja die beiden Spanier, die zu unserem letzten Wintertreffen auf dem Bike im Schneetreiben ankamen und auch wieder abfuhren – nur um bei unserer Party dabei zu sein!

Wie schafft ihr das eigentlich zeitmäßig? Seid ihr alle selbstständig?
Das ist ganz unterschiedlich. Wir haben selbstständige Handwerker, aber auch einen Fleischer, Monteure, Stuckateure, einen Trocken­bauer, einen Lederspezialisten oder Windkraft-Monteure. Ich bin Pädagoge. Viele sind Meister in ihren Berufen. Aber die freien Tage muss man sich oft zusammenkratzen, deshalb kann ja auch nicht jeder immer alles mitfahren.

Ihr führt keine weiteren Chapter. Gab es nie Versuche zur Expansion?
 Es ist genau so richtig, wie es ist. Wir hatten auch Angebote von anderen Clubs, aber wir wollten immer eigenständig bleiben, zumal einige Member von uns auch schon in anderen Clubs Staub gewischt haben. 2007 hat fast der komplette Vorstand die Farben gewechselt und ist zu einem größeren Club gewechselt. Da ging noch einmal ein Ruck durch die Reihen, wir haben uns neu formiert, das war wie ein Neubeginn.

Wie ist es mit den Motorrädern, was fahrt ihr so?
Letztlich läuft es auf Harley hinaus, aber es ist keine Pflicht. Es gibt auch ’ne BMW oder eine Ratte sowie zwei V-Max. Aber es sollten nicht weniger als 500 Kubik sein.

Ihr nehmt auch am legendären AWO-Cup teil.
Seit mehreren Jahren sind wir da mit einer AWO und mit einer Rennmaschine am Start. Da wird geschraubt und gemacht, das macht so richtig Spaß!

Jährlich nehmen die Member am MC-Cup und am AWO-Rennen teil
Jährlich nehmen die Member am MC-Cup und am AWO-Rennen teil

Was erwartet eure Gäste denn zur Jubiläumsfeier?
Auf jeden Fall ist jedermann herzlich willkommen! Wir feiern vom 18. bis zum 21. Mai, es spielen mehrere Livebands, zum Beispiel die „Limited Booze Boys“, „The good ol’ Blues Brothers Boys Band“ sowie die „Suffy Sand Combo“. Wir bieten einen Zeltplatz mit Feuer, Erotik, Spielen, Pokalen, Bikeshow, Ständen und einer Ausfahrt. Zum 25. Jubiläum hatten wir 48 MCs auf dem Platz, insgesamt 80 colourtragende Clubs. Allein würden wir das nie schaffen. Das ist nur mit unseren vielen Freunden und unseren Frauen zu bewältigen.

Wie geht es nach dem Jubiläum weiter? Irgendwelche Pläne?
Na klar, jede Menge! Der wichtigste Plan ist, auf jeden Fall zu bleiben, wie wir sind. Es interessiert uns nicht, was andere sagen, wir machen, was wir wollen. Wir machen weiter gute Partys, wollen, dass es die Leute gemütlich haben, die uns besuchen, dass sie Spaß haben. Wir leben diesen Rock ’n’ Roll!

Zuerst veröffentlicht in BIKERS NEWS 05/2018
 
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