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Ehen scheitern oft, weil sich die Partner unterschiedlich entwickeln. Doch auch in MCs kommt es vor, dass die Member nach Jahrzehnten einfach nicht mehr zusammenpassen
Beim MC Ellwangen hat es irgendwann nicht mehr gepasst. Vier der Gründungsmitglieder haben sich deswegen nach 35 Jahren abgespalten und mit dem „Old Crew MC Ellwangen“ einen neuen Club gegründet. Auch wenn die Trennung wehgetan hat, war sie der richtige Schritt, meinen Rudolf und Wastl, zwei der Gründer. Auch Neuling Jonas kommt im Interview zu Wort; der MC Ellwangen dagegen wollte nicht mit uns sprechen.


BIKERS NEWS: Es gibt euch erst seit drei Jahren, aber ihr habt bereits euer zweites Colour – warum?

Rudolf: Wir haben zu fünft den Old Crew MC Ellwangen gegründet, vier von uns waren auch 1979 Gründungsmitglieder des MC Ellwangen. Als wir uns getrennt und den Old Crew gegründet haben, nahmen wir das Colour mit – wir haben nur den Namen geändert und auch das Gründungsjahr mit übernommen.
Das war vielleicht zu schnell und unüberlegt, denn wenn wir auf Partys waren, wurden wir immer noch als Mitglieder des MC Ellwangen wahrgenommen; auch, weil sich die Colours kaum unterschieden haben. Das wollten wir nicht mehr und haben deshalb einen endgültigen Schlussstrich unter unsere Clubvergangenheit gezogen, indem wir die Jahreszahl gestrichen und unser eigenes Abzeichen entworfen haben.


Eine Trennung nach 35 Jahren kommt nicht von heute auf morgen. Was hat sich über die letzten Jahren aufgestaut?

Wastl: Vor zehn, fünfzehn Jahren hatten sich schon zwei Gruppen im Club gebildet. Wir von der heutigen Old Crew wollten Rocker sein, auf Partys zu anderen Clubs fahren, Teil der Szene sein. Die anderen sind auch viel Motorrad gefahren, ganz klar, aber nicht auf Treffen und Clubhauspartys, sondern nach Südtirol auf Wein- und Speckfeste, um ein Beispiel zu nennen. Wenn man als MC aber nicht zu anderen Clubs fährt, kommen sie auch nicht zu einem selbst. Das Clubleben muss man hegen und pflegen. Das wollten die anderen nicht – und die waren in der Mehrheit. Sie hatten also das Sagen im Club und stellten den Vorstand. Wenn Wahlen waren, gab es zu unserem grundsätzlich einen Gegen­kandidaten aus ihren Reihen, der dann aufgrund der zahlenmäßigen Überlegenheit gewählt wurde. Wir hatten keine Chance, nicht einmal, um wenigstens als Beisitzer mitzumischen, geschweige denn, das Presidentenamt zu bekommen. Thomas, einer der Gründer vom MC Ellwangen und heute bei uns dabei, war in den Anfangsjahren zehn Jahre Presi des MC Ellwangen. Irgendwann gab er den Posten ab und die andere Fraktion übernahm die Macht. Damals hatten wir noch dieselben Ziele, im Laufe der Zeit änderten sie sich.


Durch was kam dieser Wandel zustande?

Rudolf: Es war wie in vielen anderen Clubs auch: Nach der Gründung haben viele von uns geheiratet und Familien gegründet. Das MC-Leben rückte in den Hintergrund. Als die Kinder dann groß waren, wollten wir wieder einsteigen. Inzwischen hatten aber andere mit anderen Interessen das Sagen und es funktionierte nicht so, wie wir uns das vorgestellt hatten. Es war ein Problem zwischen Generationen und grundsätzlich unterschiedlichen Vorstellungen davon, was es bedeutet, ein MC zu sein. Wir hatten auf unseren Treffen bis zu 10 000 Gäste, dann wurden es immer weniger. Wenn wir nur daheim sitzen, kommt auch keiner zu uns. Mit dem Vorschlag, ein Clubhaus einzurichten, waren wir bei Abstimmungen auch regelmäßig unterlegen. Wir waren in unserem eigenen Club die Außenseiter, die Rocker – das haben wir in den letzten Jahren unserer Mitgliedschaft sogar durch den Side-Rocker „City-Crew“ an der Kutte öffentlich gezeigt.


Vielleicht habt ihr als Gründungsmitglieder eine Sonderrolle für euch beansprucht. So etwas geht in einer Gruppe nicht, die funktionieren und harmonisieren soll.

Wastl: Als Gründungsmitglieder wollten wir Einfluss darauf nehmen, was aus dem Club wird. Wir waren schließlich die Initiatoren. Wenn man das als Sonderrolle sieht, dann ja: Wir haben einen besonderen Status für uns eingefordert. Aus unserer Sicht aus einem wichtigen Grund – denn wie er war, hat der Club die beiden Buchstaben „MC“ zu Unrecht getragen.


Es hat jahrelang im Club gebrodelt. Was war letztendlich der Auslöser für euren Austritt?

Rudolf: Auf der letzten Generalversammlung, an der wir teilnahmen, haben wir einen Kandidaten zur Wahl in die Vorstandschaft gestellt. Wir hatten das schriftliche Kündigungsschreiben in der Tasche, um es auf den Tisch zu legen, sollten wir wieder ausgebootet werden. So kam es auf dieser Versammlung letztendlich zu unserem Austritt. Das war im März 2013, am selben Abend noch gründeten wir den Old Crew MC Ellwangen. Der Austritt war nicht leicht, es war schließlich 35 Jahre unser Club. Deshalb haben wir es jahrelang immer wieder im Guten versucht. Den neuen Club haben wir zu fünft gegründet: Vier Gründungsmitglieder des MC Ellwangen und einer, der mit uns gegangen ist. Uns Gründer erkennt man am Button „First Five“ auf der Kutte.


Ein President-Patch oder eines für andere Funktionen trägt aber keiner von euch …

Wastl: Nein, denn bei uns gibt es keine Ämter. Wir fünf Gründer haben gleichberechtigt das Sagen.


Fünf neue Mitglieder habt ihr aufgenommen. Einer davon bist du, Jonas. Fühlst du dich als Member zweiter Klasse?

Jonas: Keinesfalls. Es gibt ganz wenige Situationen, in denen die fünf souverän entscheiden, eine ist die Frage, ob jemand aufgenommen wird. Ich finde, als Gründer haben sie das Recht dazu. Vielleicht steckt auch Vorsicht dahinter, damit es nicht kommt, wie sie es schon einmal erlebt haben. Gebranntes Kind scheut schließlich das Feuer. Im Alltag finden wir als Gruppe immer gemeinsam einen Konsens. Wir haben im Old Crew MC eine echte Demokratie.


Was wollt ihr aus dem Club machen?

Rudolf: Wir sind zufrieden, wie es ist. Vielleicht kommt noch der ein oder andere passende Mann dazu. Wir haben zusammen unseren Spaß, fahren gemeinsam auf Partys. Wir sind wieder Teil der Szene, wie man heute, bei unserer Clubhausparty sieht: Es sind viele Kuttenträger aus kleinen, mittleren und den großen Clubs hier. Wir machen zwei Partys im Jahr mit geladenen Gästen: eine zum Saisonstart und eine zum Saisonende.


Gab es bei der Gründung keine Einwände von anderen MCs in der Region?

Wastl: Wir sind zum runden Tisch der MCs im Ostalbkreis gefahren, haben gesagt, was wir vorhaben. Wir waren einer der ersten MCs in der Region. Die anderen haben uns gefragt, ob sie sich gründen dürfen. Wir sind aus Anstand und Respekt zum runden Tisch. Einer schlug vor, dass wir bei einem anderen MC eintreten könnten. Das kam für uns nicht in Frage – und wurde vom runden Tisch so akzeptiert.


Es funktioniert also alles, so wie ihr es geplant hattet?

Rudolf: Ja, nur hätten wir uns schon vor zehn Jahren trennen sollen. Das ist wie mit meiner Harley, die hätte ich mir auch viel früher kaufen sollen.

Zuerst veröffentlicht in BIKERS NEWS 07/2017

 
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