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Vor 30 Jahren gründen Viertakt-Fanatiker in Sachsen einen AWO-Club – und geraten dabei auch ins Visier der Stasi. Seit 1999 sind die Rocker Teil der Road-Eagle-Familie
Silvester, Zeit des zünftigen und ausgelassenen Feierns – und nach dem vierten Bier auch der guten Vorsätze. Doch spätestens nach drei Tagen ist oft wieder alles vergessen. Aber Ausnahmen bestätigen die Regel. Eine dieser Ausnahmen ist die Geschichte des Road Eagle MC Arnsdorf.
Der 5000-Seelen-Ort Arnsdorf liegt 15 km entfernt von Dresden, in unmittelbarer Nachbarschaft von Radeberg, der Stadt des gleichnamigen Pilseners, und auch das weltbekannte Elbsandsteingebirge ist nicht weit. Zum Jahreswechsel 1986 treffen sich dort in einem zwar unbenutzten, aber immerhin beheizten Gewächshaus ein paar begeisterte Motorradfreaks. Und zwar nicht nur zum Feiern, sondern auch mit dem festen Vorsatz „Heute gründen wir einen Motorradclub!“ Ausschlaggebend sind dabei für Blume, Schneck und Siegfried nicht nur die Leidenschaft für ihre 4-Takt-Motorräder und die gemeinsamen Ausfahrten, denn wer in der damaligen DDR eigene Bikertreffen organisieren und durchführen will wie sie, muss das im Namen eines eigenen Clubs tun.

Das erste, selbst gemalte Colour
Das erste, selbst gemalte Colour

Gesagt, getan: Nach der durchzechten Nacht ist am Neujahrstag der „AWO Power Club“ geboren. Die Gründungsmitglieder vergraben eine Urne mit ihren Namen und einem AWO-Tankemblem und legen so den „Grundstein“ ihres Clubs. Siegfried hat das größte Talent im Zeichnen – er malt anschließend mit Textilfarbe einen Adler und einen Schriftzug auf die Jeanskutten der drei Clubgründer.
Bereits im Mai 1987 steht dann das erste eigene Motorradtreffen an. Unter erschwerten Bedingungen, denn östlich des Eisernen Vorhangs ist die Mangelwirtschaft nicht zu leugnen, das Wort „Catering“ existiert sowieso nicht und mobile Imbissstände sind ebenfalls Fehlanzeige. Letztendlich werden in der örtlichen Kaufhalle Verpflegungsbeutel gepackt, gleich 1200 Stück für zweimal Frühstück. Die nötige Stückzahl ist genau bekannt, da die Gäste sich im Vorfeld nicht nur anmelden, sondern auch den Obolus für die Teilnahme überweisen müssen – in der heutigen Zeit unvorstellbar.

Die AWO war das Motorrad der Ost-Rocker. Hier das Bike von Kascha
Die AWO war das Motorrad der Ost-Rocker. Hier das Bike von Kascha

Das Partykonzept des jungen Clubs wird in den folgenden Jahren immer mit regem Besuch belohnt. Die Member schwören ihrem Clubnamen entsprechend auf die AWO, egal ob Sport oder Tourer, Hauptsache 4-Takt. Für die MZ gibt es auf so manchem Treffen sogenannte Frustecken, in denen die verpönten Zweiräder mit dem Vorschlaghammer regelrecht geschlachtet werden. Im Winter wird gebastelt, im Sommer gefahren und bewundert, was die anderen zusammengeschraubt haben – Individualität war schon damals wichtig. Und immer mehr Begeisterte werden infiziert. Mit den bescheidenen Mitteln von damals wird ein eigener Raum im Bahnhofsgebäude von Arnsdorf hergerichtet, nichts Großes, aber etwas Eigenes. Wenn Party ist, wird auf dem Vorplatz geparkt und sogar mitten in der Stadt gezeltet; sowas geht dann doch in der DDR – und wahrscheinlich sogar nur dort.

Früher wie heute gehört gemütliches Abhängen zur Party
Früher wie heute gehört gemütliches Abhängen zur Party

Die Unabhängigkeit und das Zusammengehörigkeitsgefühl des Clubs sind der Stasi wohl ein Dorn im Auge, jedenfalls wird das Treffen 1988 ohne Begründung nicht genehmigt, erst im Jahr darauf darf der Club dank des damaligen Bürgermeisters Wolfgang Müller wieder durchstarten. Die Stasi hat sich dennoch zusammen mit der Polizei im Gemeindehaus einquartiert. Im Jahr 1990 ermöglicht der Mauerfall dann bereits das erste gesamtdeutsche Treffen. Die Zeiten haben sich da schon geändert: An der Bar wird richtiger Whisky ausgeschenkt, die BIKERS NEWS kann bestellt werden und die Motorradszene aus dem Westen kommt nach und nach näher. Und wird begrüßt, über dem Eingang zum Partygelände hängt das Banner „Welcome Bikers“. Doch Presi Blume sagt noch heute „Vieles änderte sich in diesen Zeiten und nicht alles war gut.“ Die Jeanskutten werden durch Lederkutten ersetzt, aus dem damals noch gemalten Colour wird ein gesticktes dreiteiliges und selbst der Clubname wird geändert. Schließlich gibt es nun echte Alternativen zum Fahren, man will kein reiner AWO-Club mehr sein – und außerdem besteht nun die Verwechslungsgefahr mit einem gemeinnützigen Verein namens Arbeiterwohlfahrt. Man entscheidet sich für den Namen „Talon’s MC“, zu Deutsch „Krallen“, mit dem der Bezug zum Adler bestehen bleibt.

Das Clubhaus bauten die Member in Eigenregie aus und um, nachdem sie es gekauft hatten. Das Areal ist die ideale Party-Zone.
Das Clubhaus bauten die Member in Eigenregie aus und um, nachdem sie es gekauft hatten. Das Areal ist die ideale Party-Zone.

Das nächste Highlight kommt 1993, obwohl es anfangs wahrlich nicht danach aussah. Durch gute Kontakte zur örtlichen landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaft wird ein abgelegener Schweinestall im Ortsteil Kleinwolmsdorf als neues Vereinsheim ausgemacht. Angesichts der notwendigen Arbeiten an dem heruntergekommenen Objekt sind nicht alle Mitglieder begeistert. Aber die Vorteile des Gebäudes und des zugehörigen Grundstücks sind zu verlockend, sodass die Männer die Ärmel hochkrempelten und in kürzester Zeit ein ansehnliches Club-Areal zusammenzimmern. Bereits im nächsten Jahr findet dort die erste Party statt und bald kaufen die Member das Gelände samt Gebäude, das sie weiter ausbauen, auf zwei Etagen mit vier Bars.

Colours

Die Zahl der Partys und Veranstaltungen nimmt im Laufe der Jahre stetig zu, sie sind auch bei der Bevölkerung der umliegenden Gemeinden sehr beliebt. Den Schritt zu einem neuen Colour – dem des Road Eagle MC Germany – geht der Club 1999. Die Zeit ist reif, aus der Freundschaft zum Road Eagle MC Jessen/Elster und den anderen Chaptern ist der Wunsch entstanden, unter demselben Colour zu fahren. So entsteht aus dem Talon’s MC Arnsdorf der Road Eagle MC Arnsdorf. Seither hat der Club unter der Führung von Presi Blume seinen guten Ruf als Veranstalter toller Partys mit großer öffentlicher Akzeptanz und Resonanz gefestigt, trotz der berühmt-berüchtigten
„Raindays“. Auch die sind heute mittlerweile Kult – denn welcher Club wirbt schon gern mit „Regentagen“? „Das ist ganz einfach“, sagt Blume. „Mit fünf Ausnahmen hat es bei unseren Partys immer geregnet – egal ob Mai, Juni oder August. Trotzdem hoffen alle jedes Jahr aufs Neue, dass es keine ,echten Raindays‘ werden.“

Party hard: Beim Road Eagle MC steigen Partys der Superlative
Party hard: Beim Road Eagle MC steigen Partys der Superlative

Das hoffen die Member auch mit Blick auf die Jubiläumsfeierlichkeiten zum 30-jährigen Clubbestehen. Die Party steigt am 3. und 4. Juni, auch der „8. Eagle-Cup im Unimoto Dragracing“ findet an diesem Wochenende statt. Ob sich das Wetter dann an seine guten Vorsätze hält, bleibt abzuwarten.
 

Road Eagle MC Raceteam Arnsdorfwww.unimoto-race.de
 

Kontakt
Road Eagle MC Arnsdorf
Wallrodaer Str. 1
01477 Arnsdorf OT Kleinwolmsdorf
www.roadeagle-arnsdorf.de
arnsdorf@road-eagle.de

3.–4. Juni 2016:
30 Jahre Road Eagle MC Arnsdorf und 8. Eagle-Cup im Unimoto Dragracing


 
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