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Das World Meeting des Rock Machine MC in Norwegen lief nicht wie geplant. Dennoch hat der Club neue Chapter eröffnet – allein in Deutschland sind es drei
Böse Überraschung für Suat Erköse am Flughafen von Oslo – die Polizei verweigerte dem World President des Rock Machine MC die Einreise. Er war Anfang April für das erste World Meeting des Jahres angereist. Erst wurde er eingesperrt, dann, drei Tage später, nach Deutschland abgeschoben.
Im „Haifischbecken Baden-Württemberg“, dem Bundesland mit der größten Dichte von MCs und rockerähnlichen Gruppierungen, war der ehemalige Bandido Suat Erköse Mitbegründer des traditionsreichen Clubs. Der Rock Machine MC war nach blutigem Streit mit den Hells Angels in den Neunzigerjahren in Kanada im Jahr 2000 zu den Bandidos gewechselt, hatte aber 2007 den Fat Mexican wieder abgelegt. Im April 2008 gab der MC seine Neugründung bekannt, 2011 wurde das erste offizielle Chapter in Deutschland gegründet. Seitdem sind in Deutschland mehrere Chapter gegründet und wieder geschlossen worden. Darüber hinaus hat eine Gruppe von Rockern in der Gegend von Ulm einen weiteren Rock Machine MC ins Leben gerufen. Zwei Chapter und ein Probe-Chapter fahren derzeit mit seinem geringfügig geänderten Colour – das Auge des Adlers ist hier blau statt rot. Die „Rotaugen“ belächeln das, da es nur eine billige Kopie des Originals sei. Die Gruppe befindet sich laut Suat derzeit in Auflösung.

Polizeikontrolle während des Meetings in Ulm
Polizeikontrolle während des Meetings in Ulm

Suat ist seit der Neugründung in führender Position dabei, seit vergangenem Jahr ist er World President. „Die meisten haben uns nicht einmal sechs Monate zugetraut, jetzt sind wir seit sechs Jahren da“, kommentierte er auf dem Nachtreffen des World Meetings in Ulm, das wegen seines Einreiseverbots Mitte April einberufen worden war. Australier, Kanadier, Deutsche, Russen und Schweden durften nach Norwegen einreisen – Suat nicht, denn sein Vorstrafenregister sei zu lang. „Das kann nicht der wahre Grund gewesen sein, denn innerhalb des letzten Jahres kam nichts Neues dazu und in der Zwischenzeit war ich schon in Norwegen“, so der World President. Bei der norwegischen Polizei sah er ein Fax des Bundeskriminalamts. „Darin ging es bestimmt um die letzte Hausdurchsuchung bei mir Ende Januar wegen des Verdachts auf Waffenbesitz.“

„Die Fluggesellschaft verlangte polizeiliche Begleitung. Es hieß, von mir ginge Gefahr aus.“ (Suat)

Gefunden hatten die deutschen Polizisten zwar nichts, doch ihr Verdacht war den norwegischen Kollegen Grund genug. Suat wollte daraufhin umgehend zurückfliegen, stattdessen wurde er eingesperrt. Zwei Tage später nahm ihm die Polizei sein Geld ab, um für drei Beamte Flugtickets zu kaufen. „Die Fluggesellschaft verlangte polizeiliche Begleitung. Es hieß, von mir ginge Gefahr aus.“ Hätte Suat sich geweigert, hätte er innerhalb von zwei Tagen 600 Euro Strafe zahlen müssen. Hätte er auch das verweigert, wäre ein generelles Einreiseverbot nach Norwegen ausgesprochen worden. Er entschied sich für die Flugbegleitung.

Im Hintergrund Funktionsträger und neue Member des Clubs, vorn das neue Chapter Badlands im Süden Deutschlands
Im Hintergrund Funktionsträger und neue Member des Clubs, vorn das neue Chapter Badlands im Süden Deutschlands

Das World Meeting leitete dann sein Vertreter aus Australien. Am Gefängniszaun hatten sich die führenden Mitglieder kurz mit Suat getroffen und nach seiner Meinung zu einigen Themen gefragt. „In dieser Situation und unter Beobachtung kann man aber keine wichtigen Entscheidungen treffen“, erklärt er. Deswegen kamen einige Member des Nomads-Chapters Mitte April nach Ulm, um die offenen Punkte zu klären und um neue Member aufzunehmen. Getroffen haben sich die Rocker in den historischen Räumen des Ulmer Rathauses, direkt im Zentrum, im Restaurant Ratskeller. Dort sind die Member des Chapters Badlands offiziell Mitglied des Rock Machine MC geworden. Eigentlich sollten an diesem Tag auch die Patches verteilt werden, doch der Rahmen war allen Anwesenden zu öffentlich. So hat man sich entschlossen, die Patchübergabe bei der Clubhauseinweihung Mitte Mai nachzuholen. Der President von Badlands will seinen Namen noch nicht in der BIKERS NEWS lesen. „Ich brauche ein Vierteljahr, um das Chapter auf- und auszubauen“, kommentiert er. Er war acht Jahre im in einem großen deutschen MC und zuletzt Security Chief seines ehemaligen Chapters. „Eigentlich dachte ich, bis zum letzten Atemzug dort zu bleiben. Doch es gab persönliche Probleme mit dem Chapter-Präsidenten.“ Zum Jahresende 2015 hatte er den Club deswegen verlassen, aber schon bald gemerkt, dass ihm das Rockerleben fehlt. Suat kannte er von Partys seines ehemaligen Clubs. „Ich habe ihn und Leute aus anderen Clubs eingeladen, damit wir nicht immer nur unter uns waren.“ Auf einer Geburtstagsparty haben die beiden sich näher kennengelernt. Mitte Februar hat er Suat angerufen, so kamen sie erneut ins Gespräch und in der Folge wurde das Chapter Badlands aus der Taufe gehoben.

Badlands heißt das neue Chapter im Süden Deutschlands.Dort unterhält der Club freundschaftliche Beziehungen zu den United Tribuns
Badlands heißt das neue Chapter im Süden Deutschlands. Dort unterhält der Club freundschaftliche Beziehungen zu den United Tribuns

Die meisten Member des neuen Chapters sind ebenfalls ehemalige Mitglieder oder Prospects des gleichen Clubs. „Alle außer mir sind deutlich unter 40. Es ist eine junge und hungrige Gruppe, die Jungs kenne ich seit Jahren und wusste, dass sie unzufrieden waren. Hier im Rock Machine MC werden wir wahrgenommen, hier ist man wer und was man leistet, ist sichtbar.“ Den President und die Member von Badlands reizt es, etwas Neues mit aufzubauen. Die Historie des Clubs ist ihnen nicht so wichtig. „Was war, das war und ist Vergangenheit. Wir leben jetzt und der Rock Machine MC ist ein anderer Club als damals.“ Den angestammten MCs würde nichts weggenommen, das neue Chapter bereichere die MC-Szene, meint Suat.
Drei Probe-Chapter hatte der Club zum Jahreswechsel in Deutschland geschlossen. „Die Männer haben unseren Ansprüchen nicht entsprochen“, sagt Suat diplomatisch. Nach dem Rauswurf haben sie sogar noch Probleme gemacht und wollten einen Rock Machine MC Germany gründen. „Das geht gar nicht, denn es gibt nur einen Rock Machine MC.“ Die unberechtigt angefertigten Kutten wurden in Hausbesuchen abgeholt. Mit Battlefield (Ulm), Badlands (Süddeutschland) und Militia hat der Rock Machine MC nun wieder drei Chapter in Deutschland. „Militia“ nennen sich die Member im Club, die keinem Chapter angehören – andere MCs nennen diese Member „Nomads“. In Ulm waren auch Männer von zwei neuen Chaptern in Frankreich anwesend. Das eine ist ein Militia-Chapter, die Member stammen aus der Gegend um Metz, das andere hat seinen Sitz im Norden von Paris. Die Member beider Chapter waren zuvor im Satudarah MC. Auch ein Chapter in Thailand hat der Rock Machine MC seit Kurzem, die Mitglieder sind Deutsche und Belgier, die dort leben. Im März 2016 ist außerdem ein Chapter in Jakarta, Indonesien, gegründet worden. Es besteht aus Deutschen und Einheimischen. Und auch in Norwegen gibt es unter dem Namen Eastside ein neues Chapter, das Europa-Chef Terje aufgemacht hat. „Diese Männer waren zuvor Outlaws und Gladiators.“ Es ist ein Probationary-Chapter, der jüngste Member 50. „Das sind alles wilde Wikinger mit langen Bärten“, so Terje. Weitere Neugründungen sind in den Benelux-Ländern geplant.

 Im Hintergrund von links: Suat, Terja und Cubba. Vorne Männer der beiden neuen Chapter in Frankreich (links Guero, rechts Rico. Beide sind ehemalige Member des Satudarah MC)
Im Hintergrund von links: Suat, Terja und Cubba. Vorne Männer der beiden neuen Chapter in Frankreich (links Guero, rechts Rico. Beide sind ehemalige Member des Satudarah MC)

Pünktlich zum Ende des Meetings ließ die Polizei ausrichten, die Rocker mögen zur Ausweis- und Personenkontrolle aus dem Ratskeller kommen. „Reine Routine“, sagte der Leiter des Einsatzes, an dem etwa 20 Polizisten in Zivil und Uniform beteiligt waren. „Weil es unter den Clubs in Ulm Ärger gibt, haben wir uns zu der Kontrolle entschieden“, so der Einsatzleiter weiter. Die Rocker seien kooperativ und höflich gewesen. „Sie sind solche Situationen eben gewöhnt, reagieren cool.“ Bei der Leibesvisite der Männer wurde nichts gefunden – keine Waffen, keine Drogen.

„Der Rock Machine MC war immer schon ein Underdog – und das wird er auch bleiben“ (Suat)

Trotz des Wachstums will Suat nicht alles aufnehmen, was sich ihm andient. „Wir werden nicht unkontrolliert Chapter gründen, um dann zwar groß, aber nicht mehr attraktiv und kontrollierbar zu sein.“ Auch aktive Anwerbung soll nicht betrieben werden: „Die müssen schon selbst kommen, denn es entsteht keine starke Bruderschaft, wenn man die Leute überreden und überzeugen muss.“ Das Wachstum des Clubs speise sich aus genau den Leuten, die aus diesen Gründen in anderen MCs unzufrieden sind. „Der Rock Machine MC war immer schon ein Underdog – und das wird er auch bleiben“, sagt Suat.
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