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Der erste Euro Run des Rock Machine MC wurde zu einer Verfolgungsjagd zwischen Rockern und Polizei
Blaubeuren ist ein beschauliches Städtchen mit einer Menge Sehenswürdigkeiten auf der Schwäbischen Alb. Und so war die Terrasse der Gaststätte „König Karl“ am ersten Juli-Wochenende voll besetzt. Am Straßenrand aber parkten Mannschaftswagen der Polizei. Schwer bewaffnete Polizisten darin und davor. Den Weg von Ulm nach Blaubeuren sicherten die Polizisten ebenfalls mit Maschinenpistolen und über der Gastwirtschaft kreiste ein Hubschrauber. Im Biergarten des „König Karl“ saßen nämlich 50 Member des Rock Machine MC. Ein paar von ihnen hatten sogar ihre Frauen mitgebracht. Es sollte der Euro Run 2015 des Rock Machine MC werden.

Suat Erköse ist World President des Rock Machine MC: „Der Run fiel aus, weil die Polizei nicht wollte, dass wir ein gemeinsames Wochenende verbringen.“ Zwei, drei Wochen zuvor hatte sein Club einen Flyer auf die Homepage gestellt, auf dem Datum und Ort genannt waren. Das Reservistenheim „Admiral Canaris“ in Sigmaringen war angemietet. „Es liegt außerhalb, so dass wir niemand gestört hätten. Es hat Schlafplätze, so dass wir keine Hotels gebraucht hätten. Und alle 120 Mann hätten dort hin gepasst.“ Auf dem Grillplatz hätten die Rocker sich selbst versorgen können. Getränke und Essen waren bestellt.

 „... aber nicht unsere Gesichter fotografieren!“ Machen wir auch nicht.
 „... aber nicht unsere Gesichter fotografieren!“ Machen wir auch nicht.

Auf den Rechnungen ist der Club sitzengeblieben. Denn im Heim tauchte die Polizei auf, um mit den alten Soldaten zu reden. Daraufhin bekam der Rocker-Chef einen Anruf vom Vorstand des Heims. Suat: „Die Polizei sagte den Leuten, wir seien gefährlich. Auch das Bundeskriminalamt und sogar der militärische Abwehrdienst hatten uns madig gemacht. Der Abwehrdienst deshalb, weil das Reservistenheim auf einem ehemaligen Kasernengelände liegt.“ Noch waren es zwei Wochen bis zum geplanten Treffen. Nächster Versuch: Das Wanderheim Friedberg, ebenfalls im Kreis Sigmaringen. „Auch dort tauchte die Polizei auf und machte uns madig.“ Suat geht davon aus, dass sein Handy abgehört wird und dass die Polizei so Wind von dieser Lokalität bekommen hat. Diese Absage erfolgte am Donnerstag. Am Tag darauf sollte das Treffen beginnen und bis Sonntag dauern.

Dabei waren Gäste zu erwarten, die weite Wege hinter sich gebracht hatten. Aus Norwegen kamen Männer aus zwei Chaptern. Ebenso aus Schweden und England. Die beiden Chapter auf der Insel sind neu, bestehen seit April 2015. Das eine ist in London, das andere in der Grafschaft Shropshire, im Westen Englands. Aus Deutschland kamen Rocker aus drei Chaptern und einem Probe-Chapter.
Nach der Absage des Wanderheims wollte Suat den Run fast absagen. Wohin mit seinen Brüdern? Auf den letzten Drücker fand er noch eine Lösung: Der Club mietete vier Gasthäuser mit Fremdenzimmern in Blaubeuren und bezahlte im Voraus. Eines der Gasthäuser war das „König Karl“.



Dort traf sich Suat am Freitag mit dem Einsatzleiter der Polizei. „Wir bekamen ein Kuttenverbot für Ulm und durften nur in kleinen Gruppen zu fünf Mann rein, wenn die anderen fünf die Stadt wieder verlassen hatten. Andere Clubs aber liefen in Kutte durch die City. Das hat mich saumäßig geärgert. Von uns gehe die größere Gefahr aus, hieß es. Ausfahrten durften wir nur in Gruppen bis maximal 20 Mann machen, und das in unterschiedliche Richtungen.“ Statt der ursprünglich 120 Mann fanden schließlich rund 85 Member, Prospects und Supporter den Weg auf die Schwäbische Alb. Der Run war versaut. Ein paar Mann fuhren am Samstag mit Motorrädern in kleinen Gruppen über die Alb. Eine große Gruppe machte sich auf den Weg an den Bodensee und verbrachte das Wochenende dort. Die anderen blieben in Blaubeuren und gingen aufs Stadtfest – aber nur in kleiner Mannstärke.

Noch eine Rückblende: Die Bild-Zeitung titelte am Donnerstag vor dem Treffen „In Ulm droht ein Rockerkrieg“. Damit ging’s in den Medien los. Sogar die regionale Landesschau des öffentlich-rechtlichen Fernsehens berichtete am Samstagabend über das Treffen. Für das hatte die regionale „Südwestpresse“ ein „Heißes Wochenende im Ulmer Rocker-Milieu“ prognostiziert. Heiß war nur das Wetter. Und so meldete die gleiche Zeitung am Montag „Rocker: Befürchtete Konfrontation blieb aus“. Genau das sagte auch die Polizei. Suat zieht seine Lehren aus den Ereignissen. „Der nächste Run wird geheim sein oder im Ausland stattfinden.“ Rockertreffen seien dort plan- und durchführbar. Das sagten ihm seine Brüder aus England, Schweden und Norwegen. Die Schwäbische Alb hat genug Touristen.
 

Rudi Bauer ist Pressesprecher im Polizei-präsidium Ulm: „Die starken Polizeikräfte waren erforderlich, um die Sicherheit in der Region zu gewährleisten.“
Rudi Bauer ist Pressesprecher im Polizei-präsidium Ulm: „Die starken Polizeikräfte waren erforderlich, um die Sicherheit in der Region zu gewährleisten.“


„Ohne besondere Vorkommnisse“
Wir befragten den Pressesprecher im Polizeipräsidium Ulm zum Euro Run des Rock Machine MC

BN: Die Präsenz der Polizei am Rande des Euro Runs des Rock Machine MC war enorm. War das notwendig?
Rudi Bauer: Aufgrund der Vorkommnisse in Ulm in den vergangenen Wochen und Monaten waren nach unserer Einschätzung Auseinandersetzungen zu befürchten. Tatsächlich stellten wir sowohl in Ulm als auch in verschiedenen Gemeinden im Alb-Donau-Kreis mehrere Ansammlungen rivalisierender Gruppen fest.

BN: Hatte die Polizei Kontakt mit dem Club-Presidenten Suat Erköse?
Rudi Bauer: Wir standen seit Bekanntgabe der Veranstaltung im engen Kontakt zu ihm und führten Gespräche.

BN: Sind die Rocker des Clubs so gefährlich, dass sogar ein Hubschrauber über dem Lokal kreisen musste?
Rudi Bauer: Das ist mit der ersten Frage schon beantwortet.

BN: Wurde dem Club verboten, das Treffen, zuerst in der Nähe von Sigmaringen, dann bei Mengen durchzuführen?
Rudi Bauer: Diese Anfrage müssen Sie bitte an das zuständige Polizeipräsidium Konstanz richten.

BN: Wurde dem Club verboten, gemeinsam eine Fahrt auf den Motorrädern zu unternehmen? Und wurde den Membern untersagt, nach Ulm zu gehen?
Rudi Bauer: In den Absprachen mit dem Presidenten wurde ein einvernehmliches mit der Polizei abgestimmtes Verhalten vereinbart.

BN: Was wird dem Rock Maschine MC in Ulm vorgeworfen?
Rudi Bauer: Haben Sie bitte Verständnis. Aus ermittlungstaktischen Gründen geben wir darauf keine Antwort.

BN: Diente die massive Polizeipräsenz der Abschreckung?
Rudi Bauer: Die starken Polizeikräfte waren nach unserer Einschätzung erforderlich, um die Sicherheit für die Bürgerinnen und Bürger in der Region, einschließlich der Mitglieder aller Gruppierungen, zu gewährleisten.

BN: Gab es irgendwelche Vorfälle, die von den Rockern ausgingen? Ob nun in Ulm, Kaufbeuren oder bei den Ausfahrten?
Rudi Bauer: Mit Gefährderansprachen und starker Präsenz verhinderte die Polizei ein Aufeinandertreffen der Gruppen. So blieb das Treffen am Ende aus Sicht der Polizei ohne besondere Vorkommnisse.

Das Interview führte Peter Ilg

Zuerst veröffentlicht in BIKERS NEWS 09/2015
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