Jubiläums Aktion: 25Jahre TätowierMagazin
Die BIKERS NEWS jetzt 25% günstiger im Printabo! 53€ statt 72€
Die Zunft der Reisenden und Schausteller eröffnet eigene MCs. Wir waren zu Gast beim Tschabos MC
Es ist wie vor einer Rummelbude. Irgendwann fragt jemand, ob er nicht mal einen Burnout machen sollte. Er wartet die Antwort gar nicht ab und springt raus zu den Motorrädern. Unter ohrenbetäubendem Radau rollt er vors Clubhaus und lässt den Reifen qualmen, immer und immer wieder, bis den Zuschauern die Gummifetzen um die Ohren fliegen und sie merken, dass es gar keiner von den gastgebenden Tschabos ist, der hier den Platz einnebelt, sondern einer von den Gästen. Das können die Gastgeber nicht auf sich sitzen lassen – und so springt „Schwert“ von den Tschabos auf seinen Big Twin, lässt ihn ebenso aufbrüllen und mit krachenden Motoren und quietschenden Reifen zirkeln beide wie im Ballett umeinander, bis der Qualm so dicht steht, dass sie ganz darunter verschwinden. Alles zum Vergnügen der Biker, die der Lärm längst ebenfalls aus dem Clubhaus getrieben hat.

Und als es draußen wieder still wird, der dichte Qualm sich lichtet und legt, da spurten Tschabos und überhaupt alle Biker zurück in die Halle des Clubhauses.

Dort spielt ein Alleinunterhalter, ehemals Kandidat von „Deutschland sucht den Superstar“, am Keyboard seine Melodien. Musik von einer Sorte, wie wir sie auf einer Bikerparty noch nicht gehört haben, einfache Harmonien, einfache Rhythmen, aber klingelnd, bimmelnd, mitreißend und vor allem laut. Die Tschabos füllen dazu die Tanzfläche, springen und tanzen, heben die Hände und nehmen sich in die Arme und stimmen singend in die Melodien ein.

Der gemeinsame Tanz gehört zum Partyleben der Tschabos. Unter Bikern ist das nicht mehr selbstverständlich

So geschehen auf der Saisoneröffnung des Tschabos MC vor den Toren von Karlsruhe. Hier müssen wir uns zeigen lassen, wie eine Bikerparty auszusehen hat.

Die Tschabos, das sind Travellers, also Reisende. Unterwegs sind sie im Schaustellergewerbe auf allen Rummelplätzen oder auch Großveranstaltungen des Landes, wenn sie nicht gerade Harley fahren. Ihre Sprache ist das „Romanes“, eigentlich eine Sprache der Roma, die man neben den Sinti früher „Zigeuner“ nannte. Auch der Begriff „Tschabo“ ist ein Begriff dieser Sprache, er heißt nichts anderes als „Junge“ oder auch „Kumpel“.

„Tschabo“ nennen sie sich gegenseitig, wenn sie sich rufen. Überhaupt bilden sie eine eigene Zunft, deren Stil und deren Sprache wir selbst in der Subkultur der Biker nicht immer verstehen. Die Tschabos unterteilen sich auch noch in vier verschiedene Stämme, in die „Komödianten“, in „Jenische“, in „Zigeuner“ und in „Reisende“.

So erklärt es uns Charly, der sich als hauptberuflicher Betreiber einer rollenden Cocktailbar zu den Komödianten zählt. Reisender ist er sowieso, auf allen Rummelplätzen und Messen des Landes zuhause. Nur zu den monatlichen Sitzungen seines Clubs muss er sich wieder nach Karlsruhe bewegen, denn die Teilnahme an diesen Sitzungen ist Pflicht.

Den Tschabos MC Karlsruhe Foro gibt es seit dem Jahr 2013. Das Wort „Foro“ ist ebenfalls Romanes und steht für „Stadt“. Für diesen Zusatz haben die Tschabos sich entschieden, weil der Stadtname allein ja schon an bestehende MCs vergeben ist. Es war eine Frage des Respekts, sich davon zu unterscheiden. Inzwischen führen die Tschabos noch ein Nomads-Chapter im Raum von Augsburg. Wer auf die Landkarte der Clubs schaut, wird sehen, dass die Tschabos sich damit unter den verschiedensten MCs bewegen. Und auf ihre Eigenständigkeit, so Chris von den Nomads, legen die Tschabos ganz besonderen Wert.

In ihren grundsätzlichen Strukturen funktionieren die Tschabos nicht anders als klassische MCs. An die sechzig Mann zählen sie gegenwärtig in Deutschland. Die Hälfte von ihnen sind Brüder im wörtlichen Sinn, denn sie sind auf irgendeine Weise miteinander verwandt oder verschwägert. Über Zulauf können sie nicht klagen. Die Laufbahn bis zur Mitgliedschaft ist deshalb schwer: Ein Jahr Hangaround, ein Jahr Prospect, mindestens, und dann auch noch ein halbes Jahr Member auf Probe. Eine Harley ist keine Pflicht, aber alle fahren sie, und die meisten Harleys der Tschabos sind auch noch großartig gepimpt.


Die Fahne wird als Brustbalken getragen: Blau für den Himmel, Grün für die Erde, dazwischen das Rad
Die Fahne wird als Brustbalken getragen:
Blau für den Himmel, Grün für die Erde, dazwischen das Rad



Nur ein kleiner Unterschied offenbart sich in der Zeit als Probe-Member. Die Member tragen dann zwar schon das vollständige Rückenabzeichen, nicht aber die „Fahne“. Die Fahne, das ist der rechts getragene Brustbalken, oben blau, für den Himmel, unten grün, für die Erde, und in der Mitte das Rad der Reisenden. Diese Fahne wird erst nach Abschluss der Probemitgliedschaft verliehen.

Auch der Gruß der Tschabos unterscheidet sich von dem der anderen MCs. Die Tschabos zeigen vier Finger, für die vier Stämme ihrer Zunft, für die besagten Komödianten, Jenische, Zigeuner und Reisenden. Ja, Zigeuner, das sagen sie mit einem Schmunzeln, Zigeuner haben sie auch, „aber nur die ordentlichen Zigeuner“ … Vieles haben die Tschabos sich darüber hinaus von ihren holländischen Vorbildern abgeschaut, dem „Trailer Trash“. Dort hatten die ersten neun Member der Tschabos – die „First Nine“ unter der Führung von Charles – sich vor ihrer Gründung natürlich vorgestellt, denn von Holland kommt die Bewegung der Traveller-MCs seit dem neuen Jahrtausend. Von dort kommt auch der Brauch, auf die Prospects zur Feier ihrer Vollmitgliedschaft mit zusammengeschnürten Kutten einzuschlagen. Diesen Brauch haben die Tschabos aber wieder abgeschafft, nachdem sie einen ihrer zukünftigen Member damit ins Krankenhaus geprügelt hatten.

Und so werden wir an diesem Abend Zeuge einer weniger gefährlichen Kuttentaufe: Schwert ruft nacheinander drei Männer nach vorn. Lothar, Gino und Chris empfangen dort ihre Kutten mit vollständigem Rückenabzeichen. Sie werden an diesem Abend also Member, wenn auch erst Member auf Probe. Für jeden findet Schwert ein paar freundliche und würdigende Worte und unter Jubel ziehen ihre Brüder ihnen die neuen Kutten über.

Es folgen ein paar weitere freundliche Worte. Und schon geht die Party weiter. Der Letzte, so Schwert am Mikrofon, soll dann bitte die Tür zumachen. Abschließen muss er sie nicht, denn an diesem Wochenende braucht das Clubhaus keinen Schlüssel, es bleibt durchgängig geöffnet.    «
 

Gäste des Tschabos MC:
Cobras MC, Hells Angels MC, Omen MC, Trailer Pack MC, Maddox
 

Romanes für Biker

Drom: Straße

Foro: Stadt

latscho: gut

Lobi: Geld

Lowina: Bier

Welo: Motorrad/Fahrrad
 

Bewegte Bilder vom Tschabos MC: www.tinyurl.com/TschabosMC
 
Tschabos MC
Karlsruhe Foro
Küferstraße 5
76448 Durmersheim
Tel. 0151 17520391
www.tschabos.com

Artikel aus der Ausgabe: 5/19
Kutten-XXL 22.04.2019
Kutten-XXL
Clubporträt: Ranger’s MC Kammern 20.04.2019
Clubporträt: Ranger’s MC Kammern
Bikeporträt Yamaha XS 650: Nachbarschaftshilfe 18.04.2019
Bikeporträt Yamaha XS 650: Nachbarschaftshilfe
Bandido Micha GBNF 16.04.2019
Bandido Micha GBNF
Daytona Bike Week 2019: Downsizing 14.04.2019
Daytona Bike Week 2019: Downsizing
Kieler Rockeraffäre 12.04.2019
Kieler Rockeraffäre
Ausgabe 11/19 erscheint am 18. Okt
Richtigstellung 09.05.2019
Richtigstellung

Uns ist ein Fehler in der Vorstellung des Tschabos MC unterlaufen. Den stellen w …

​Black Rider MC Nagold 19.05.2019
​Black Rider MC Nagold

Der Black Rider MC Nagold feierte sein zehnjähriges Bestehen …

Vikings MF Karlsruhe löst sich auf 30.01.2016
Vikings MF Karlsruhe löst sich auf

Die Viking MF Karlsruhe haben sich aufgelöst, die Verantwortlichen geben dazu folgen …

Rover MC Dark Side 15.11.2017
Rover MC Dark Side

Zu Gast auf der Dark Side Motorcycle Party des Rover MC …

Richtigstellung 00.00.0000
Richtigstellung

Die morgen am Kiosk erscheinende BIKERS NEWS enthält einen Fehler. Er befindet sic …

Freeway Rider’s Hennef 11.12.2018
Freeway Rider’s Hennef

Die Freeways aus Hennef hatten zum Rheinischen Abend geladen …

Biker’s Squad Berlin-Nord 11.11.2017
Biker’s Squad Berlin-Nord

Gelungene Oldie-Party in Henningsdorf …

Magazine des Huber Verlages