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Wir haben Deutschlands größten christlichen Motorradclub besucht. Er feiert in diesem Jahr sein zwanzigjähriges Bestehen.Wer hier eine zünftige Bikerparty erwartet, für den wird es gespenstisch. Irgendwo dahinten erklingen die leisen Akkorde einer Gitarre. Die Gespräche ertönen gedämpft. Bier trinkt keiner, aber alle halten sich an diesem heißen Tag an Brauseflaschen fest.
Und geraucht wird auch nicht. Kaffee, ja, den gibt es. „Wenn es den nicht gäbe“, sagt leise ein Member, dessen Namen wir nicht verraten, „dann wäre das für mich ein K.-o.-Kriterium in diesem Club.“ Na also, sie sind doch Menschen und keine Heiligen. Wir sind auf der „Turn or Burn“-Party des Holy Riders MC. Das ist gewissermaßen die Jahresparty dieser christlichen Motorradfahrervereinigung, die nicht nur die Buchstaben „MC“ in ihrem Namen trägt, sondern auch ein großformatiges Rückenabzeichen. Davon gibt es übrigens noch ein paar mehr. Auch sie sind hier versammelt. In alphabetischer Reihenfolge heißen sie „Ambassadors for Jesus Christ M/M“, „Bikers for Christ M/M“, „Biker under Gods Command“, „CMA Christian Motorcyclists Association“, „God’s Squad CMC Germany“, „Lion of Judah/Jesus is Lord M/M“ oder „Messengers Germany“. Die Buchstaben „M/M“ stehen dann für „Motorcycle Ministries“. Sie tragen großformatige Colours auf dem Rücken, nicht aber die Buchstaben „MC“.

Die Holy Riders sind tatsächlich der einzige christliche MC in Deutschland – und das seit nunmehr zwanzig Jahren. Damit sind sie gewissermaßen die Onepercenter unter den christlichen Motorradfahrervereinigungen. In Norwegen wurde den Holy Riders im Jahr 1981 der MC-Status durch die Szene zuerkannt. 1999 starteten einige deutsche Biker, die in Norwegen Member geworden waren, das Chapter Holy Riders MC Germany im Stuttgarter Raum. Zuvor wurde auch dieser Gründungsantrag durch die deutsche Bikerszene legitimiert. Diese Vorgehensweise wird nun auf internationaler Ebene genauso gehandhabt, sollte sich dort ein neues Chapter der Holy Riders formieren.



Das Herz öffnen

Es ist das Gespräch, mit dem man hier vorankommt. Das Evangelische Jugendwerk Blaubeuren hat die Räume für die diesjährige „Turn or Burn“-Party zur Verfügung gestellt. Das Haus „Himmelreich“ ist ein Haus für Veranstaltungen und Begegnungen. Darin die Matratzenlager, sauber getrennt nach Männlein und Weiblein, denn wer nicht verheiratet ist, der schläft erst mal nur unter seinen Geschlechtsgenossen. Speiseraum und Duschräume gibt es auch. Außerdem Räume für die Andacht, für Gespräche und für das gemeinsame Beten. Gespräch und Beten, das ist hier irgendwie das Gleiche. Wir durften ausnahmsweise zuschauen, denn es war unsere Fotografin Eva, die von Holy-Riders-Member Kay zum gemeinsamen Beten eingeladen wurde. Kein Sermon, kein Rosenkranz, kein Vaterunser. Kay erzählte einfach von sich, wie er zum Glauben gefunden hat und er lädt Eva ein, ihr Herz zu öffnen. Das also war Evas erstes Gebet unter den Holy Riders in Germany. Auch die Prospect-Taufen der Holy Riders sind unspektakulär. Wer es nach jeweils mindestens einem Jahr Bewährungszeit vom Hänger zum Prospect oder vom Prospect zum Member der Holy Riders bringt, der muss weder eine Schlammtaufe über sich ergehen lassen noch ein Komabesäufnis. Er muss nur auf der jährlichen „Turn or Burn“-Party oder auch dem jährlichen „Rüstwochenende“ von sich erzählen, sein Herz öffnen und begründen, warum er Mitglied werden will sowie seinen Platz und seine Aufgaben unter den Holy Riders benennen können. Dann werden ihm die Patches überreicht; und es sind gute Worte, die seine Brüder und Schwestern ihm für seinen neuen Weg mitgeben.

Botschafter für Jesus

Andere Christen können auch anders. „Haemmer“ ist President der „Ambassadors for Jesus Christ M/M“. Sein Club besteht nur aus Brüdern. Frauen dürfen keine Ambassadors werden. Das liegt an der Vergangenheit der Ambassadors, von der noch ihre Clubfarben zeugen: Red and Gold. Joe, der ehemalige President des Bandidos-Chapters Houston North, rief die Ambassadors im Jahr 1999 ins Leben. Er hatte wohl sein eigenes „Turn or Burn“ erlebt, als er sich vom Onepercenter zum christlichen Botschafter wandelte. Seinen alten Club verließ der President im Guten, die Farben Red and Gold schenkten die Bandidos ihm für seinen weiteren Weg. So macht das nicht jeder MC. Seit fünf Jahren fahren die Ambassadors auch in Deutschland. „Wir sind noch immer viel zu wenig“, sagt Haemmer. Aber schließlich verfolgen er und die vielen anderen christlichen Motorradclubs ja die gleichen Ziele: „Wir wollen einfach da sein, mit den Bikern reden. Wir sind auch da, wenn es um Hochzeiten und Beerdigungen geht.“ Und natürlich geht es um die Verkündung der christlichen Botschaft. „Evangelium“, das heißt wörtlich übersetzt nichts anderes als die „Frohe Botschaft“ – und deshalb heißt Haemmers Club auch Ambassadors – die Botschafter.

„Haemmer“, President der „Ambassadors for Jesus Christ M/M“, packt sein Bike. Am Lenker hängt die Kutte in den Farben Red and Gold
„Haemmer“, President der „Ambassadors for Jesus Christ M/M“, packt sein Bike. Am Lenker hängt die Kutte in den Farben Red and Gold


Die Szene der ganz Harten

Die Holy Riders sind keine Milchtüten, selbst wenn sie Wasser trinken statt Wein. Viele kommen tatsächlich aus der Szene der ganz Harten. Irgendwann hatten sie ein Erlebnis, eine Erweckung, die sie zur Umkehr bewegte – so wie der Christenverfolger Saulus sich einst vor Damaskus zum Apostel Paulus wandelte. Holy Rider Hannes hat das alles mitgemacht. Wenn andere Rocker von ihren Gewalttaten erzählen, kann er nur schmunzeln: „Für mich war das Alltag. Ich bin mit Schlägen groß geworden.“ Hannes ist Wolgadeutscher, kam Mitte der Neunzigerjahre als Vierzehnjähriger nach Deutschland. In Russland, so erzählt er, war er selbst aggressiv, beschönigend korrigiert er: „Ich musste kreativ sein.“ Die Szene der Rocker und der Streetgangs in Deutschland war ihm da nicht fremd: „Ich bin bei denen gut angekommen, mit den Rockern kam ich klar. Die hatten auch das Kämpfen gelernt.“ Man sieht’s ihm an, wenn er so auf einer Harley sitzt, die er gerade für einen Freund verkaufen will. Selbst fährt er natürlich ebenfalls einen amerikanischen Big Twin. Überhaupt können manche der Holy-Riders-Bikes sich durchaus blicken lassen. Man fährt nicht nur Virago oder CB 500. Hannes jedenfalls könnte äußerlich gut als Onepercenter durchgehen. Aber das ist er nicht. Mit dreißig Jahren machte er seinen Motorradführerschein. Ein Jahr später kam er zu den Holy Riders: „Ich hasse den Egoismus, die Lüge!“ Die Freiheit, die Bruderschaft würde er lieben. Ebenso wichtig sei ihm aber auch die Nächstenliebe. Und dann entgleitet ihm noch ein Wort: Respekt!

Ein anderes Abendprogramm

Mit den örtlichen Motorradclubs, darunter die Bikerfreunde Donau-Riß, der Broncos MC, der Blaurädle MC und die Biker under Gods Command, haben die Holy Riders für den Nachmittag eine Ausfahrt organisiert, natürlich mit einer Wohltätigkeit und einer öffentlichen Spendenübergabe.
Die Bespaßung bis zum Abendprogramm gleicht der einer ganz normalen Bikerparty mit Zielwerfen und Geschicklichkeitsübungen auf Fahrrädern, deren Lenkstange sich im Gegensinn zur Fahrtrichtung dreht. Technisch ist das faszinierend, aber auch nur ein normaler Meter ist auf diesen Fahrrädern unmöglich. Ein Holy Rider hat diese Räder irgendwo aufgetrieben und hinter vorgehaltener Hand erklärt er uns, er würde niemanden kennen, der auf diesen Rädern fahren könne. Es dauert ein Weilchen und es bringt der Gemeinschaft eine Menge Gelächter ein, bis alle das begriffen haben. Auch den heiligen Reitern sitzt mal ein Schalk im Nacken. Das Abendprogramm ist keine Band, kein Strip, stattdessen rollt Michael Stahl in einem SUV auf den Platz. Michael ist ein … ja, was? Eine harte Kindheit hat er mal gehabt, einen Job in der Security-Branche und überhaupt eine Menge Gewalt erlebt, bis auch er seine Erweckung verspürte, ein Buch schrieb und seitdem in wechselnder Runde, mal im Privatfernsehen, mal in christlichen Gemeinden, davon berichtet. Damit fesselt er alle Zuhörer. Er schließt mit einem Gebet, zu dem sich alle erheben. Die „Lions of Judah/Jesus is Lord“ erheben gar ihre Arme und schwingen ihren Körper, nachdem sie die Rede von Michael immer wieder mit einem dazwischen gerufenen „Amen“ bekräftigt hatten. So kennen wir es sonst nur in amerikanischen Gospel-Gemeinden. Das war der Abschluss des Abendprogramms, die meisten sammeln sich noch ums Lagerfeuer zu weiteren Gesprächen. Oder auch zu Gebeten.


Michael Stahl erzählt aus seinem Leben


Der Gottesdienst am Morgen

Aber dann folgt ja noch der wichtigste Programmpunkt des ganzen Wochenendes, der Gottesdienst, und zwar am nächsten Morgen! Gleich nach dem Aufstehen Schlafsack einrollen und Losfahren gibt’s hier nicht. Es muss ja nicht mal ein Kater ausgeschlafen werden. Und so versammeln sich alle nach einem gemeinsamen Frühstück um den Bläserchor und einen Biker-Prediger, der die Christenmenschen vor der Selbstgerechtigkeit warnt und zur Bescheidenheit mahnt. Eine Liturgie hat dieser Gottesdienst nicht. „Wir beten und singen ganz gerne“, das ist wohl der Minimalkonsens. Das Vaterunser der konventionellen Gottesdienste ist auch nicht darunter. Wohl aber der Holy-Riders-Song. Und dann noch die Kollekte. Der Erlös fließt in die eigene Missionsarbeit, vor allem in den Druck des „Roadbooks“ und der „Biker Bibel“, denn das ist ja der eigentliche Job eines Christen, das Verbreiten der Frohen Botschaft, als Messenger, als Ambassador oder eben als Holy Rider.
„Gebt so viel oder so wenig, wie ihr wollt“, heißt es dann ein letztes Mal. Und so macht ein geschweißtes Kreuz mit hohlem Körper die Runde, in das sich locker auch ganze Scheine stecken lassen. Dreißig Euro kostet die Mitgliedschaft bei den Holy Riders übrigens im Monat, wir dürfen es verraten. Onepercenter würden diese Information nicht so einfach auspacken.

Gäste erwünscht

Die Onepercenter haben die Holy Riders übrigens besucht. Blaubeuren liegt vor den Toren von Ulm und so rollen die Bandidos schon am Freitag auf den Berg des Hauses Himmelreich ein. Am Samstag wiederum nehmen die Bikerfreunde Donau-Riß, der MC Creepes, der MC Kirchen und die MF Maselheim an der Ausfahrt und der Spendenaktion teil. Die Holy Riders würden sich noch mehr Gäste aus der Biker- und Rockerszene wünschen. Außer durch die genannten Clubs und die Motorradfreunde ist sie an diesem Wochenende hier kaum vertreten. Dabei hätten die Gäste sogar rauchen und Alkohol trinken dürfen. Ein Bier oder zwei darf man sich durchaus selbst mitbringen, erklärt Manne, einer der drei Member vom National Board des Holy Riders MC. Woanders wäre er einer der drei Presidenten. Und wenn aus den zwei Bieren dann drei oder vier werden würden und der Gast würde sich allmählich daneben benehmen, dann würde man ihn freundlich bitten, den Ort zu verlassen. Das, so erklärt Manne es schließlich, sei aber noch nie vorgekommen. Probiert es selbst aus – also nicht das mit den vier Bieren – vom 6. bis zum 8. Juli, auf dem zwanzigsten Turn or Burn des Holy Riders MC Germany.
 

Holy-Riders-Song

I wanna ride my bike on every path
and every highway

I wanna live my life for You

I wanna tell the world about the life
You gave on calvary

I wanna tell the world the truth

I wanna be a witness of deliverance for everyone,

so through my life they will receive the Father and the Living Son

I wanna tell them about my friend

Holy Rider rides again

 

6.–8. Juli 2019:
Turn or Burn
20 Jahre Holy Riders MC
Germany, Wölmersen/Altenkirchen (Westerwald)
www.holyriders.de
 

Christliche Motorradclubs in Deutschland

Ambassadors for Jesus Christ M/M   Bibel Biker/Sola Scriptura   Bikers for Christ M/M   Biker Church Deutschland   Biker under Gods Command   God’s Squad CMC   Holy Riders MC Germany   Lion of Judah/Jesus is Lord M/M   Messengers Germany
 
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