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Vor vierzig Jahren gründeten amerikanische Soldaten den deutschen War Lords MC
Der War Lords MC Germany wurde 1979 von amerikanischen Kriegsveteranen gegründet. In den ersten Jahren waren ausschließlich GIs Member, doch schon bald waren Deutsche in der Überzahl. Mitte der Achtzigerjahre führte der Club zeitweise ein zweites Chapter in Euskirchen, heute sind die deutschen War Lords MC ausschließlich in Salach beheimatet. Im Interview werfen Presi Blessing und Vize Moschtl einen Blick zurück – und einen in die Zukunft.

BN: Gratulation zum vierzigjährigen Bestehen des War Lords MC Germany. Übersetzt bedeutet euer Name soviel wie „Kriegsfürst“. Ein Warlord ist der militärischer Anführer einer Gruppe. Wie kam es zu diesem Clubnamen?
Blessing: Den War Lords MC haben amerikanische Soldaten gegründet, die größtenteils in Schwäbisch Gmünd, teilweise auch in Augsburg stationiert waren. Das war 1979. Mitte der Achtzigerjahre wurden in Schwäbisch Gmünd nukleare Mittelstreckenraketen vom Typ Pershing stationiert, was die Bedeutung dieses Standorts für die US Army unterstreicht. Die Gründer des Clubs waren ausschließlich Kriegsveteranen, die in Vietnam oder in Korea gekämpft hatten. So kam es zu dem militärischen Namen unseres MCs. In den ersten Jahren bestand der Club ausschließlich aus amerikanischen Soldaten.

Wann kamen die ersten Deutschen dazu?
Blessing: Das war zwei Jahre nach der Gründung, also 1981. Es war Messe, unser Urgestein, der heute noch dabei ist. Ich bin 1984 Mitglied geworden.
Moschtl: Ich kam ein Jahr nach Blessing dazu. Als ich mich vorgestellt habe, hatte der Club etwa vierzig Member, davon rund zehn Deutsche. Bei den Gls konnte es auch mal sein, dass sie längere Zeit nicht am Clubleben teilhaben konnten. Weil die meisten der deutschen Mitglieder aus dem Raum Göppingen kamen und die Amis viel unterwegs waren, wurde der Sitz des Clubs 1982 von Schwäbisch Gmünd nach Göppingen verlegt.

Der War Lords MC Germany Mitte der Achtziger. Ganz vorne Blessing, President seit gut dreißig Jahren
Der War Lords MC Germany Mitte der Achtziger. Ganz vorne Blessing, President seit gut dreißig Jahren

Haben die Gls das Clubleben ernst genommen?
Blessing: Oh ja, der War Lords MC war für sie eine wichtige Sache. Aber sie waren eben an unterschiedlichen Standorten stationiert. Von Augsburg nach Schwäbisch Gmünd oder Göppingen sind es knapp hundert Kilometer. Sie hatten Wochenend- und Nachtdienste, wurden oft versetzt, auch in andere Länder. Es gab Zeiten, da waren wir sechs bis acht Mann, der Rest war auf der Welt verteilt.
Moschtl: Im Laufe der Jahre wurden die Amis weniger und die Deutschen mehr. So hat sich das Verhältnis verschoben. Später wurden wir ein rein deutscher Club. Allein ein Ami war noch dabei, er ist nicht zurück nach Amerika, als er seinen Dienst quittierte, sondern blieb in Deutschland und auch dem Club noch einige Jahre treu.

Wie war das Verhältnis der Deutschen zu den Gründern des Clubs, den Gls?
Blessing: Das Verhältnis war super, man verstand sich gut. Die hatten geile Motorräder, extrem umgebaute Chopper. Wenn die um eine Kurve kamen, sah man ein Vorderrad, dann eine Gabel, Gabel, Gabel und irgendwann Mann und Maschine. Die Amis hatten ganz andere Möglichkeiten als wir. Ihre Maschinen brachten sie aus den Staaten mit, sie fuhren mit amerikanischen Kennzeichen, brauchten keinen deutschen TÜV und konnten deshalb ihre Kisten radikal choppen. Die Gls fuhren aufsehenerregende Maschinen, kamen in den Kasernen günstig an Whiskey und Fleisch und hatten auch sonst alles, was man für gute Partys brauchte. Das hat uns Deutschen schon imponiert.
Moschtl: Menschlich hat es mit den Jungs gepasst. Die Kameradschaft war da, man hat zusammengehalten und einer ist für den anderen eingestanden. Aber aufgrund ihres Berufs als Soldaten waren sie halt nie konstant für einige Jahre dabei, weil sie immer wieder versetzt wurden. Erst wir Deutschen gaben dem Club die Stabilität, die es braucht, um vierzig Jahre zu bestehen.

Euer Colour haben die amerikanischen Soldaten entworfen. Es zeigt einen behaarten Totenschädel, der von oben nach unten und von links nach rechts mit Schwertern durchstochen ist. Darunter noch mal zwei gekreuzte Schwerter. Was bedeutet das alles?
Blessing: Das haben uns die Amis immer und immer wieder erklärt, damit die Bedeutung des Colours bloß nicht vergessen wird: Der Schädel steht für den Tod, die Haare darauf für das Leben. Dieser Widerspruch symbolisiert das wahre und genussvolle Leben, der lachende Mund im Totenkopf deutet auf Zufriedenheit hin. Im Schädel ist das linke Auge ein Herz, das rechte ein Diamant – sie stehen symbolisch ebenfalls für das Leben und den Tod. Die beiden Schwerter im Schädel symbolisieren den Krieg der Gedanken, das Hin- und Herüberlegen, das Abwägen, den ewigen Kampf mit dem inneren Schweinehund. Den Krieg im Kopf hat der gewonnen, der sich für das Leben und den MC entscheidet. Das ist ein wahrer Warlord. Die Schwerter unterhalb des Totenkopfes leiten sich aus den Flaggen amerikanischer Südstaaten ab und stehen für das Rebellische, das in jedem Kriegsfürst steckt. All diese Symbole sind in einer Rautenform zusammengefasst. Diese geometrische Form symbolisiert einen Diamanten und ist somit Ausdruck von Ewigkeit, Härte und Wertvollem.



Ganz schön viel Mystisches, was in dem Colour steckt.
Moschtl: Die Clubgründer hatten eine ganze Menge erlebt während der Einsätze im Krieg und davon einiges in das Colour gepackt. Es zeugt von großer Lebenserfahrung.

Wie ging es bei euch weiter, als ihr den Sitz nach Göppingen verlegt hattet und der MC ein fast deutscher Club geworden war?
Blessing: Im ersten Jahr trafen wir uns in einer Stammkneipe, in deren Nebenraum wir unsere Sitzungen abhalten durften. Schon ein Jahr später, also 1983, hatten wir unser erstes Clubhaus angemietet. Es lag mitten in Süßen, einer kleinen Stadt, etwa zehn Kilometer von Göppingen entfernt. Es war klein, aber fein. 1989 mieteten wir ein abgelegenes Haus außerhalb der Stadt auf einer ehemaligen Holzfabrik. Freitags haben wir immer um Mitternacht geöffnet; es war jeden Freitag bis in die frühen Morgenstunden, teils bis Samstagmittag voll.
Moschtl: Viele Jahre hatten wir dort mordsmäßigen Spaß – dann hat ein Irrer im Holzlager Feuer gelegt. Wir haben das zu spät bemerkt, konnten den Brand nicht löschen, sodass von dem Haus nicht mehr als die Grundmauern übrig blieben. Aus der Not heraus trafen wir uns wieder in einer Stammkneipe. Ein Jahr später kamen wir an ein neues Clubhaus, das wir fünfzehn Jahre hatten. Was da an legendären Partys abging, ist vielen noch in bester Erinnerung. Es wurde leider abgerissen. Das wussten wir vorher und konnten uns rechtzeitig nach etwas Neuem umschauen. So kamen wir hierher nach Salach, ebenfalls unweit von Göppingen. Das Clubhaus liegt in einem Industriegebiet. Wir haben ein knappes Jahr umgebaut: Wände rausgerissen, Bar eingebaut. Im Mai hatten wir dann unsere offizielle Eröffnung und im September unsere 40-Jahres-Party.

Wie war die Party?
Moschtl: Es waren viele Clubs da. Alte, zu denen wir schon Jahrzehnte eine innige Freundschaft pflegen. Unsere guten Freunde Rising Gales, mit denen wir die Diamond Crew gegründet haben, das ist ein runder Tisch in der Region. Die Broncos, Wheels of Steel MC, Black Devils, Born to be Wild, Trust MC, Loseres, Devil Driver und, und, und. Es kamen auch Clubs, die wir vorher nicht kannten und die den Kontakt zu uns suchten. Außerdem die Motorradfreunde aus der Region. Es waren etwa dreihundert Gäste da. Alles verlief friedlich und gut und die Resonanz von allen war positiv. Vielen Dank nochmals an dieser Stelle an alle Clubs, Freunde und Helfer, die zum Gelingen der Party beigetragen haben. Danke für die vielen Aufmerksamkeiten, die alle einen Ehrenplatz im Clubhaus bekommen – und sorry an die, die namentlich nicht genannt wurden.
Blessing: Das einzige Negative an der Party war, dass die Polizei schon morgens beim Clubhaus eine Fahrzeugkontrollstation aufbaute und erst am frühen Abend wieder ab. Gefunden haben sie nichts, aber es ist halt nervig, wenn sich jeder Kuttenträger fotografieren lassen muss.

Es gibt einen Warlords MCs in Neuseeland und in Minnesota, USA …
Blessing: … die haben nichts mit uns und wir nichts mit ihnen zu tun. Es bestehen keine Kontakte, die Clubs haben auch ganz andere Colours.



Wie viele Member seid ihr heute und habt ihr auch junge Leute im Club?
Blessing: Wir sind fünfzehn Mann. Das ist eine gute Größe. Ich sage immer: Ein Club kann an Größe zerbrechen. Das wollen wir nicht. Wir machen unser eigenes Ding. Wer uns respektiert, den respektieren wir auch. Wer nicht, den brauchen wir nicht!
Moschtl: Vor vier Jahren bekamen wir einen jungen Member, der zog gleich drei weitere junge Member an. Davor dachten wir schon, dass wir bald aussterben, denn bevor die Jungen zu uns kamen, war unser Durchschnittsalter knapp über fünfzig. Frisches Blut tut gut und sichert den Fortbestand des Clubs.

Was verbindet euch?
Blessing: Hauptsächlich das Motorradfahren, Schrauben und Umbauen der Harleys. Die sind bei uns Pflicht. Wir machen und gehen gerne zusammen auf Partys und haben einen festen Kern an Membern, der um die 35 Jahre dabei ist. Das gibt dem Club Stabilität. Seit Jahren hatten wir keine Austritte. Wer neu dazu kam, ist geblieben. Neue Leute schauen wir uns ganz genau an, Clubhopper sind unerwünscht.

Habt ihr feste Termine das Jahr über?
Moschtl: Ja, klar. Mittwochs ist im Clubhaus Stammtisch. Da kann kommen, wer mag. Freitagabends ist bis zum Jahresende das Clubhaus geöffnet, für nächstes Jahr machen wir einen Plan mit festen Öffnungszeiten und stellen den auf unsere Homepage. Dort veröffentlichen wir auch unsere anderen Termine.
Blessing: Das sind im Wesentlichen drei Veranstaltungen das Jahr über: Zwei Table-Dance-Partys, eine im Frühjahr, die andere im Herbst, und unser Oktoberfest. Im Sommer machen wir beim Stadtfest in Süßen mit. Unsere Location ist die Tankstelle. Um die Zapfsäulen herum ist Table-Dance und es läuft gute Musik. Knackige Frauen ziehen Besucher an wie ein Magnet. Unser Stand ist die Attraktion beim Stadtfest.

Wie geht es weiter mit dem War Lords MC Germany?
Blessing: Uns geht es gut, es gibt nichts zu ändern. Wir fahren weiterhin auf dieser Schiene. Wir bleiben, was wir sind – mit Anstand und ohne Überheblichkeit. Mit zunehmendem Alter denken wir an einen gemeinsamen Biker-Altersruhesitz. Osteuro­päische oder asiatische Frauen, die uns versorgen, und junge Member, die sich um uns Alte kümmern. Das wäre schon etwas.
Moschtl: Komm doch in zehn Jahren wieder vorbei, wenn wir ein halbes Jahrhundert alt werden. Vielleicht ist aus dem Plan dann schon etwas geworden!

War Lords MC Germany
Ausiedlung 17
73084 Salach
www.warlords-mc.de
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