Bandidos tragen neues Patch

14.07.2017  |  Text: Michael Ahlsdorf  |  
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Bandidos tragen neues Patch
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Die deutschen Bandidos-Chapter tragen vorübergehend ein neues Erkennungszeichen. Das ist das Ergebnis des Colour-Verbotes von diesem Jahr
Es ist eine erste Notlösung: Die Bandidos-Chapter in Deutschland tragen ein neues Erkennungszeichen. Dem ging das in diesem Jahr verhängte Verbot des alten Colours voraus. Denn seit dem 16. März 2017 sind die Colours von Bandidos MC, Gremium MC und Hells Angels MC verbotene Kennzeichen im juristischen Sinn.

Das Verbot begründet sich auf dem Vereinsrecht: Demnach sind die Abzeichen eines Vereins verboten, wenn dieser Verein verboten ist. Das Gleiche gilt nach der Verschärfung des Vereinsrechts vom 16. März dieses Jahres auch für alle anderen Ortsgruppen eines Vereins, die nicht verboten sind, also auch für die Chapter oder Charter eines Rockerclubs. Damit gilt das Colour-Verbot nicht nur für Bandidos MC, Gremium MC und Hells Angels MC, sondern überhaupt für alle Clubs, die eine verbotene Ortsgruppe in ihren Reihen haben.

Dem Verbot ging ein jahrelanger Rechtsstreit voraus. Die Bandidos hatten im Jahr 2015 sogar einen Freispruch vor dem Bundesgerichtshof erwirkt und durften die zuvor bereits schon einmal verbotenen Abzeichen wieder tragen. Erst auf diesen Freispruch folgte die Verschärfung des Gesetzes, die ein endgültiges Verbot des Colours der Bandidos und der anderen betroffenen Clubs zur Folge hatte.

Am 12. Dezember hatte BIKERS-NEWS-Redakteur Ahlsdorf als Sachverständiger vor dem Innenausschuss des Bundestages diese Gesetzesverschärfung in Frage gestellt. Er prophezeite ein unübersichtliches Szenario von Buchstaben-, Zahlen- und Farbencodes, mit denen die Rocker sich in Zukunft untereinander zu erkennen geben würden. Das hatten die betroffenen Rockerclubs in den Jahren der Colour-Verbote ohne gesetzliche Grundlage auch schon praktiziert und sie praktizieren es erneut seit dem 16. März dieses Jahres. Ahlsdorf stellte ebenfalls das Aufkommen von Protest- und Ersatzabzeichen in Aussicht. Auch das war schon dagewesen: So hatten die Stuttgarter Hells Angels im Oktober 2014 offizielle „Protest-Patches“ vorgestellt. All diese Patches könnten Gegenstand weiterer Gerichtsverhandlungen werden und die Staatsanwaltschaft würde diese teuren Prozesse nicht immer gewinnen.



Am Samstag, dem 17. Juni, zeigten die deutschen Bandidos ein erstes offizielles neues Abzeichen. Die großformatigen Buchstaben „BMC“ stehen für „Bandidos Motorcycle Club“. Sie werden in den Bandidos-Farben Rot und Gold auf dem Rücken der Weste getragen, die vorn die weiterhin nicht verbotenen Brust-Patches zeigt. Michael vom Bandidos MC zu BIKERS NEWS: „Das Rücken-Patch ist kein Ersatzabzeichen, es ist eher eine vorübergehende einheitliche Motorradkleidung. Solange unser Colour verboten ist, wird das neue Patch auf Deutschlands Straßen zu sehen sein. Unser Colour behalten wir und tragen es auch weiterhin auf geschlossenen Veranstaltungen. Wir gehen davon aus, dass wir es eines Tages auch wieder in Deutschland öffentlich zeigen können.“

Im Unterschied zu allen vorherigen Abzeichen, die von Chapter zu Chapter unterschiedlich ausfallen konnten, wird das Abzeichen von Membern des Bandidos MC deutschlandweit einheitlich getragen. Seine Member fuhren unter den rot-goldenen Buchstaben zu einem Run nach Dänemark. Dort legten sie wiederum ihre in Deutschland verbotenen Colours an.

Die anderen Clubs, also Gremium MC und Hells Angels MC, fahren nach wie vor unter verschiedenen Abzeichen oder auch nur Schriftzügen, die sich von Chapter zu Chapter unterscheiden können. Manchmal werden sogar innerhalb eines Chapters verschiedene Abzeichen getragen. So hatten auch die Bandidos es zuvor im Jahr der Colour-Verbote ohne gesetzliche Grundlage praktiziert.

Neben den Colour-Verboten wurden jüngst auch wieder Kutten-Verbote ausgesprochen. Dabei handelt es sich um zeitlich begrenzte Verbote für bestimmte Regionen. Was dann genau verboten ist, wird zuvor in regionalen Amtsblättern bekannt gegeben. Meist ist dann nichts mehr erlaubt, was irgendwie nach Rocker aussieht, denn unter das Verbot fallen auch die 1%-Raute und sogar Buchstaben und Begriffe, die in der Rockerszene gar nicht verwendet werden.

So geschehen im Fall der Sterkrader Fronleichnamskirmes. Für diese Kirmes verkündete das „Amtsblatt für die Stadt Ober­hausen“ am 12. Juni neben zahllosen Patches und Logos auch das Verbot des Begriffes „Outlaw Motorcycle Gang“ (OMCG). Dieser Begriff wurde von der amerikanischen Polizei eingeführt, um Rockerclubs damit als „kriminell“ zu klassifizieren. Die deutsche Polizei hat diesen Begriff später übernommen. Die betreffenden Clubs haben aber weder ihn noch seine Abkürzung jemals für sich verwendet.
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Stand:13 December 2018 22:18:16/szene/clubs/bandidos+tragen+neues+patch_177.html