Grave Diggers MC Bayreuth

20.11.2018  |  Text: Jens Plackner  |   Bilder: Jens Plackner
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Grave Diggers MC Bayreuth
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Im Grave Diggers MC Bayreuth fahren noch richtige Biker die richtigen Bikes – und das seit 35 Jahren
Wer echte Bodenständigkeit sucht, der wird sie beim Grave Diggers MC Bayreuth finden. Vielleicht ist es die Abgelegenheit im Fichtelgebirge, wegen der sich die alte Bikerkultur am Leben erhalten konnte. Vielleicht liegt es aber auch an der tatkräftigen, ehrlichen und geradlinigen Art der Member, die nun das 35-jährige Bestehen ihres Grave Diggers MC feierten.

Grave Diggers Rally 1987
Grave Diggers Rally 1987

Das Geburtsdatum des Grave Diggers MC Bayreuth ist der 1. April 1980. Der Club ging aus den typischen Zweirad-Gangs der damaligen Zeit hervor, weshalb er anfänglich gleich mit 36 Membern unterwegs war. Drei Jahre nach Gründung hatten sie den für diese Größe fälligen Krach. Wer nicht passte, flog raus. 21 Member gingen gar freiwillig. Sieben übriggebliebene Männer fuhren weiter, besuchten Rally für Rally, machten sich bekannt und machten sich schließlich einen Namen. Da kamen endlich die Leute, die wussten, was sie wollten. Kleine Clubs traten über und bis 1987 wuchs der Club wiederum auf 42 Member an. Aber das waren die richtigen Männer. Es folgten die ersten Partys, 1988 und 1990 die ersten Rallys, die schnell als Geheimtipp gehandelt wurden. Als sich auf der Präsi-Rally 1997 beim Road Eagle MC Allersberg kein Ausrichter für die nächste Veranstaltung fand, sagten die Grave Diggers kurzentschlossen zu. Prompt liefen Wetten, dass die Grave Diggers damit scheitern würden. Doch es kam anders. Die letzte gesamtdeutsche Präsi-Rally wurde eine der gelungensten überhaupt. Ohne Spannungen und Stress fand die Szene noch einmal im großen Stil zueinander. Der Geist der letzten Präsi-Rally lebte auch in diesem Jahr am traditionellen Rally-Platz auf dem Gelände des Sechsämter-Rings bei Wunsiedel. Impressionen der Rally von 1998 und Bilder aus der Clubgeschichte liefen am Freitagabend auf der großen Leinwand. Die meisten Gäste erinnerten sich da an ihr eigenes Bikerleben. Internationale MCs, wie die Bandidos, oder regionale Clubs, wie der MC Schwarze Ritter, feierten erneut ihr Miteinander auf dem Platz. Für die Grave Diggers war dieses Miteinander das schönste Geschenk. Dafür hatten sie immer gearbeitet und gekämpft.
Und es kamen jüngst noch welche dazu. Der Club wollte nie Ableger gründen. Doch vor ein paar Jahren schlossen sich aus dem benachbarten Wunsiedel ein paar Brothers an. Seit August 2008 führen die Bayreuther also auch ein Chapter in Wunsiedel. Heute fahren noch fünfzehn Member mit Stolz unter den Farben des Grave Diggers MC Bayreuth.

Ankunft MC Bandidos Allersberg und Nürnberg. Die Bandidos fahren vor, um den Grave Diggers für 35 Jahre zu gratulieren
Ankunft MC Bandidos Allersberg und Nürnberg. Die Bandidos fahren vor, um den Grave Diggers für 35 Jahre zu gratulieren

 

35 JAHRE GRAVE DIGGERS MC – DIE POKALE

Größter Club: MC Wernberg, 17 Motorräder
Zweitgrößter Club: Black Knights Ebersburg, 15 Motorräder
Weiteste Anfahrt:  MC Last Libertys Konstanz 500 km
Zweitweiteste Anfahrt: MC Kolbhalde 350 km
Schönste Harley: Spreisl, MC Wernberg, Panhead Bj. 1948
Schönster Chopper: Sven, MPC Kirchenlamitz, BMW R 90
Schönste Straßenmaschine: Prospect vom MF Fuchsmühl auf BMW-Basis

KONTAKT
Grave Diggers MC Bayreuth
Postfach 80
95165 Marktleuthen
 


Grave Diggers MC – die Bikes

„Retro“ oder „Vintage“ ist für Pussys. Die Grave Diggers fahren Oldstyle

Grave Diggers fahren keine 150.000-Euro-Bikes von selbsternannten Premium-Customizern. Die Member dieses Clubs können noch selbst schrauben, und sie reiten ohne Begleitfahrzeug auf ihren Motorrädern durch Deutschland.

Ihre Bikes sind eine Verneigung vor der Ära der späten Sixties. Im gelobten Kalifornien entstand damals eine Bikerszene, die auf Feten und Festivals mit Love und Peace statt Schusswaffen und Aggression präsent war. Bis auf wenige kriminelle Gestalten war sie frei von „Geschäften“ aller Art, stattdessen ging es um Freiheit, Freundschaft und Feiern. Auch wenn in Deutschland immer alles etwas anders ist: Bikes mit diesem Spirit kann ein fränkischer MC auch im Hier und Jetzt bauen.

Die Grave Diggers bauen ihre Bikes genau wie damals, als noch nicht an jeder Ecke professionelle Customizer warteten. Die Grave Diggers bauen mit eigenen Händen, in einer kleinen, selbst eingerichteten Werkstatt auf dem Hof von Presi Zoccer, der an allen Custombikes des Clubs irgendwie mitgewirkt hat. Die Regel ist, dass alle für alle einen handwerklichen oder organisatorischen Beitrag leisten. Das Resultat sind Bikes, die auf großen und kleinen Shows Preise einheimsen. Und sie tragen ihre Besitzer im Alltag sicher über weite Strecken – was noch viel wichtiger ist.

Die Basis dieser beiden Meisterwerke sind Panheads, beide deutlich modifiziert. Die Panhead ist bis heute nicht nur an der amerikanischen Westküste Kult. Und bei richtiger Handhabung ist sie auch sehr dankbar und zuverlässig. Das setzt natürlich voraus, dass der Besitzer sich um das Ding kümmert und was von Motoren versteht. Das ist bei den Grave Diggers der Fall und so klappt es auch mit der Urlaubsfahrt.

Die Motoren stecken in authentischen Knick- und Schwingenrahmen. Zwei Rahmentypen, die schon in den späten Sechzigern eine gute Basis für Custombikes bildeten. Alles andere an den Bikes ist Ausdruck des persönlichen Geschmacks der Owner. Dabei erzählt jedes Teil seine eigene Geschichte.

Zierlich in der Linie sind sie beide. Das ist auch wieder ein Stück des ursprünglichen Ansatzes, denn ein Chopper sollte leicht sein. Was heutzutage als böse, breit, kraftvoll auf die Straße gelassen wird, hat nichts mit dem Credo der ersten Biker-Generationen zu tun. Der Spirit ist ein anderer. Das Metall macht ihn sichtbar.

Philosophie und Spirit könnt ihr aber nicht kaufen, ihr müsst sie euch erarbeiten, leben und erleben. Wer das verstanden hat, wird auch diese Bikes und ihre Besitzer verstehen.
 

TECHNISCHE DATEN
PANHEAD, PRESI ZOCCER
Baujahr 1965 

- Panhead, Presi Zoccer -Die 2-in-2-Anlage bauten die Member selbst. Und ja, drin stecken auch die erforderlichen Schalldämpfer
Panhead von Presi Zoccer

Motor
Typ: H-D Panhead mit STD-Köpfen
Hubraum: 1340 ccm
Vergaser: Dell’Orto PHM 38
Zündung: original
Getriebe: original 4-Gang
Antrieb: Primo 1,5 Zoll Belt-Drive
Auspuffanlage: 2-in-2-Eigenbau mit eingeschweißten Schalldämpfern

Chassis
Rahmen: original FLH-Schwingenrahmen
Gabel: Forcella-Italia, um 2 Zoll gekürzt, HPU-Brücken
Schwinge: original Rundschwinge
Stoßdämpfer: Shovelhead
Räder: vorn Stahlnabe Doppelflansch, 2,15/21 Zoll,
hinten original Hinterrad, 3,00/16 Zoll
Reifen: Avon Speedmaster
Bremsen: vorn 10-Zoll-Doppelscheibe mit PM-Bremssätteln, 
hinten hydraulisch

Specials
Öltank: Horseshoe von Paughco
Lenker: Fehling APE, 500 mm
Riserklemme: original
Armaturen: Jay-Brake in Verbindung mit Old-Style-Tastern
Tank: Mustang
Sitzbank: Eigenbau
Heck: Jammer Motorcycleproducts, Typ Dirty Frank
Lackierung: Rubelanbraun/Taxiweiß
Fußkupplung und Handschaltung
 

TECHNISCHE DATEN
PANHEAD, MEMBER GALLI
Baujahr 1959 

- Panhead, Member Galli -
Panhead von Member Galli

Motor
Typ: HD-Panhead im STD-Gehäuse
Hubraum: 1525 ccm
Vergaser: S&S, Super E
Zündung: Mallory
Getriebe: 4-Gang-Ratched-Top
Antrieb: Primo 3 Zoll Belt-Drive
Auspuffanlage: 2-in-2-Eigenbau mit eingeschweißten Schalldämpfern

Chassis
Rahmen: original FLH-Knickrahmen
Gabel: Springergabel-Replika, W&W
Schwinge: original FXE-Kastenschwinge, verbreitert, Bj. 1983
Stoßdämpfer: Sportster
Räder: vorn Sternnabe-Timken-Style, 2,15/21 Zoll, 
hinten Stahlnabe Singleflansch, 3,00/16 Zoll
Reifen: Avon Speedmaster
Bremsen: vorn Eigenbau mit Grimeca-Bremssattel, 
hinten Ritzelbremse

Specials
Öltank: Aluminiumölfass mit integriertem Filter
Lenker: V-Team APE, 300 mm hoch mit 1-Zoll-Risern
Armaturen: Handbremszylinder Brembo mit Micro-Tastern
Tank: CPO Diamond
Sitzbank: Eigenbau
Heck: Eigenbau, mitschwingend mit Sissybar
Lackierung: dunkelgrün-metallic mit goldenen Linierungen
Fußkupplung und Handschaltung

Zuerst veröffentlicht in BIKERS NEWS 11/2015
 
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Stand:17 December 2018 04:57:53/szene/clubs/grave+diggers+mc+bayreuth_181019.html