Rolling Wheels MC Berlin

17.06.2016  |  Text: Andreas Kottlorz  |   Bilder: Andreas Kottlorz/Archiv Rolling Wheels MC
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Rolling Wheels MC Berlin
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Der Rolling Wheels MC hat die Clublandschaft Berlins entscheidend geprägt. Anlässlich seines 40-jährigen Bestehens sprachen wir mit Altrockern und Jungmembern über ein Leben in der Szene und für den Club Der Rolling Wheels MC Berlin gründete sich …
Der Rolling Wheels MC hat die Clublandschaft Berlins entscheidend geprägt.
Anlässlich seines 40-jährigen Bestehens sprachen wir mit Altrockern und
Jungmembern über ein Leben in der Szene und für den Club


Starrrahmen waren die Nummer 1. Und das war natürlich ein Problem, wenn du für 300 Kilometer 13 Stunden brauchst.Der Rolling Wheels MC Berlin gründete sich vor 40 Jahren in einer geteilten Stadt. 1976 gab es noch zwei deutsche Staaten – und die Mark als Zahlungsmittel. Das West-Berlin jener Zeit war reich an kreativen Subkulturen. Dazu zählten auch die Rocker – Jugendliche mit dreckigen Klamotten und langen Haaren, die sich auf Motorrädern in einer eigenen Welt bewegten. Die Ursuppe der Clublandschaft war geprägt von wechselnden Colours und Membern, viele neue Clubs entstanden und waren ebenso schnell wieder verschwunden. Genau in dieser Ursuppe rief Hotte den Rolling Wheels MC im Arbeiterbezirk Wedding ins Leben und wurde sein erster President. Neben dem Rolling Wheels MC hat nur noch ein weiterer Club aus dieser Zeit bis heute Bestand.
Aus dem kleinen Kiezclub ist im Laufe der Jahrzehnte ein internationaler MC geworden. Der Rolling Wheels MC führt heute nicht nur Chapter in Deutschland, sondern auch in Serbien, Norwegen und Bulgarien. Was denken die Altmember über die Gegenwart? Und wie blicken die Jungmember auf die historischen Wurzeln? Zum 40. Jahrestag haben wir uns mit Altrockern und Jungmembern an einen Tisch gesetzt, um genau das zu erfahren.

Altrocker und Jungmember im Interview

BN: Wir können ja mal mit den Geschichten von früher anfangen, die ihr immer bei fünf Bier zu viel erzählt: Hier habt ihr denen aufs Maul gehauen, dort habt ihr jenen aufs Maul gehauen, da wiederum seit ihr sechzehn Stunden auf der Autobahn unterwegs gewesen – wie war die Zeit damals?

David (Altrocker): Wir reden von einer Zeit, da gab’s in Berlin natürlich noch den Vier-Mächte-Status. Und wenn wir irgendwo anders aufgetreten sind, dann war da oft auch Alarm und Bambule. Dann dachten manche aus Westdeutschland, irgendwas wird da in Berlin gemacht – Übernahmen oder sowas. Der Rolling Wheels MC hat damals null Interesse gehabt, in Westdeutschland irgendwas zu machen. Wir waren mit dem zufrieden, was wir hatten. Unser Vier-Mächte-Status stand. Es durfte zu dieser Zeit keiner nach Berlin, ohne uns anzurufen und zu fragen – egal von wo. Na ja, und ab und zu haben so ein paar Hansel probiert, uns anzubaggern. Dann gab es eben ein paar Backpfeifen. Das waren so die Zeiten. Die Szene war damals recht interessant. Wir haben damals sehr viele Leute kennengelernt. Auch durch unsere Ausfahrten.
Ende der Achtziger hatten sich führende MCs im sogenannten „Komitee“ zusammengeschlossen, um für ihre gemeinsamen Interessen zu kämpfen. 1990 traf man sich mit Grünen-Politiker Daniel Cohn-Bendit bei den Bones in Frankfurt – auch der Rolling Wheels MC war dabei. Auf dem Bild: Mano (Bones Karlsruhe) auf seinem Bike, im Hintergrund, von links: Hotte (Gründer Rolling Wheels MC Berlin), Franky (Dragons MCBerlin), Lommel (Born To Be Wild MC Berlin), Django (Hells Angels MC West Side),  Thommy (Lawmen MC Frankfurt) und Doc Baumann (BIKERS NEWS)
Benni (Jungmember): Wie war das damals mit der Gründung? Wie seid ihr zum Rolling Wheels MC gekommen?

David (Altrocker): Ich bin seit über 30 Jahren dabei. Ich kenne den Club seit der Gründung; seit Hotte die Idee hatte, einen Club aufzumachen. Da war ich mit dabei, wir waren Arbeitskollegen. Mit Motorradfahrern hatte ich damals noch nichts zu tun, die sind auf extrem schnellen Motorrädern gefahren, Hondas und Kawasakis. Jedes Jahr gab es Unfälle und da habe ich mir gesagt „so was will ich gar nicht“. Bis 1976 der Rolling Wheels MC entstanden ist und dann später entschieden hat, auf Harley umzusteigen. Da bin ich wach geworden. Da habe ich gesagt „das gefällt mir“ – mal langsam zu fahren, sich langsam die Gegend anzusehen. Das ist Motorradfahren für mich. Bei mir war also erst mal Distanz. Später hat mich das dann aber doch interessiert, auch die vielen Feiern – dann bin ich in den Club eingestiegen. In der ganzen Zeit habe ich Höhen und Tiefen erlebt, viele Erfahrungen gemacht und viel gelernt. So konnte ich später vielen anderen sagen, was wichtig ist und was nicht – in einem Club und in der Rockerszene. Die Rockerszene ist ja nicht einfach. Und bei uns ist es so, dass wir mit dem Club kein Geld verdienen – das betone ich immer. Das war für mich ein Grund, hier einzutreten: keine Drogen, keine Geschäfte. Das war für mich eine sehr wichtige Sache und da achten wir auch drauf. Seit der Gründung haben wir Hunderte kommen und gehen sehen. Einige hatten gute Ideen – dachten sie zumindest. Damit wären wir alle in den Knast. Zum Glück ist dieser Kelch an uns vorbeigegangen und wir haben viele, die heute noch mit dabei sind.

Babba (Jungmember): Wann war denn der Motorradwechsel?

Gerd (Altrocker): Der Motorradwechsel war Ende der Siebziger-, Anfang der Achtzigerjahre.

Dennis (Jungmember): Was für Motorräder seid ihr gefahren? Harley, Starrrahmen, Knucklehead, Panhead?

David (Altrocker): Als ich eingestiegen bin, habe ich mir ein Motorrad gekauft; über einen, den ich kennengelernt hatte und den der Club auch kannte. Bernd Kramer, im Dragstersport auch später Europameister – und über den habe ich mir ein Motorrad bestellt. Ich stand auf Starrrahmen und wollte ’nen Flathead. Und dann ruft er mich an: „Mensch, ich hab das Motorrad, überweist du mir Geld?“ Dann hab ich 8.000 Mark überwiesen und bin rübergefahren. Der hat bei seiner Mutter gewohnt, in so ’nem Gutshof, nebenan gab’s ’nen Schweinestall. „Geh mal dahinten rin, da steht die!“ Bin ich reingegangen – und da stand gar nichts. Nur Müll und ein Riesenkarton, da waren nur kaputte Teile drin – und dafür hab ich 8.000 Mark bezahlt. Dann habe ich mir die Harley aufbauen lassen, das heißt den Motor und das Getriebe, alles andere habe ich alleine gemacht. Und dann kam ein Member zu mir und hat gefragt „Wann willst du in den Rolling Wheels MC eintreten?“ Dann hab ich gesagt „Erst wenn ich mein Motorrad fertig hab“. Er meinte dann: „Das kann ja noch hundert Jahre dauern.“ Na ja, und dann bin ich eingetreten ... Nur mal eine Geschichte so nebenher: Mit einem anderen Uraltmember bin ich mal nach Spanien. Da haben wir mal einen Urlaub gemacht, das war so eine Zehntausender-Nummer, kilometermäßig. Und ick mit meiner Baujahr ’46 mit Fußkupplung und antreten. Und ich muss sagen: Es war eine richtig geile Sache. Wir haben da Sachen erlebt … da es Rocker damals noch nicht so lange gab, haben die uns angeguckt! Die dachten, wir kommen aus dem Zoo. Oder die dachten, das ist ein Film, der da abläuft. Das war ’ne geile Sache. Zum Glück gibt’s ja immer noch mehrere beim Rolling Wheels MC, die sehr lange bei sind.
Die Rolling Wheels in London vor dem legendären Ace Cafe
Wolle (Altrocker): Das sag ich ja immer wieder, bei uns kannst du auch alt werden. Und da sind wir auch alle stolz drauf.

Babba (Jungmember): Weil es ja kein Hobby, sondern eine Lebenseinstellung ist. Ich hab das hier alles von Geburt an miterlebt und hab dann als Jugendlicher gesagt „nee, das wird nicht meins.“ Also erst mal Techno und HipHop und dann bin ich doch hier gelandet – und ich kann nur sagen, das ist das Geilste. Und ich habe trotzdem noch die alten Freunde.

David (Altrocker): Früher hattest du als Rocker ja völlig andere Klamotten als heute, das war ja auch so ein Ding. Rocker durften keine Regenkombi tragen oder ein Vollvisierhelm. So was gab’s da nicht. Keine sauberen Klamotten, das war schon mal ’ne Grundbedingung. Je dreckiger und speckiger, umso besser. Zerrissen, fast untragbar, aber mit ein paar Nähten hat man das so hingekriegt, dass man nicht ganz nackig dastand. Fürs Auftreten nach außen war auf jeden Fall hart angesagt. Und es gab nicht „Entschuldigung“ und „Bitte“, sondern wenn man angerempelt wurde, gab es schon mal auf die Schnauze, einfach so. Und wenn gefragt wurde, warum, dann gab’s noch mal auf die Schnauze.

Wolle (Altrocker): Wenn irgendeiner auf die Idee kam, einen Club zu gründen, musste er alles, was er bereits bestellt hatte an Abzeichen, gleich abgeben. Das war’n so die Zeiten.

Gerd (Altrocker): Da, wo ich eingetreten bin, 1981, war grad der Wechsel von japanischen Motorrädern auf Harley. Bei allen Clubs. 1982 mussten alle schon mit Harley da sein, Starrrahmen waren die Nummer 1. Und das war natürlich ein Problem, wenn du für 300 km 13 Stunden brauchst. Aber es hat wirklich Spaß gemacht. Wenn du fünfmal anhältst in der DDR vor der Mitropa, wo es zu Essen und zu Trinken gab, das war schon geil. Menschenmassen standen um uns herum, haben gekiekt, was wir da machen. Man hat zwar immer geschraubt, aber da war wirklich Freude dabei. Scheiß’ was auf die 13 Stunden, es hat wirklich Spaß gemacht, heute fährst du nonstop irgendwohin.

Benni (Jungmember): Die Pausen sind heute immer noch geil. Wir haben immer was zu quatschen und zu lachen.

Gerd (Altrocker): Man hat ’ne Menge gelernt. Wie du mit ’nem Starrrahmen umgehen musst zum Beispiel.

Benni (Jungmember): Mit ’nem Starrrahmen zu unseren Chaptern nach Serbien. Hast du das schon gemacht?

Wolle (Altrocker): Nee, aber du weißt ja, dass andere das gemacht haben. Bis nach Serbien oder Norwegen und das war gut. Also ich bin der Meinung, die Jugend hat es heute schwieriger als wir damals, als wir angefangen haben.

Benni (Jungmember): Weil wir an dem gemessen werden, was ihr erreicht habt.

BN zu den Jungmembern: Die Zeit habt ihr ja nicht erlebt. Der Club ist entstanden, als es euch noch nicht mal gab. Im Prinzip kennt ihr die Zeit ja nur aus Erzählungen, der BIKERS NEWS oder dem Internet. Wenn ihr so auf die Zeit Mitte bis Ende der Siebziger zurückblickt, was seht ihr dann?
Auf dem Weg nach Rügen
Babba (Jungmember): Also ich kenne die Szene seit ich denken kann nur so, wie sie ist. Ich bin zehn Jahre nach der Gründung geboren, also 1986. Ich kenne das nicht anders: immer viel Fete, viel Party und Reisen.

Benni (Jungmember): Abgesehen vom Optischen hätte ich das damals gerne miterlebt. Unsere Zeit heute ist klasse, aber ich wäre auch sehr gerne in den Anfängen dabei gewesen.

David (Altrocker): Jede Zeit hat ihre Vorteile, natürlich geht’s uns heute auch sehr gut. Ich bin der Meinung, die Jüngeren haben es nicht einfacher. Da zieh ich auch einen großen Hut vor unserem Presidenten. Dieser ganze Wechsel, dass wir heute eine Menge Jüngere haben und dass wir uns europamäßig geöffnet haben. Das muss man ja auch erst mal machen – und man muss am Ball bleiben. Das können nicht viele, man muss auf viele Sachen achten. Man muss auf die Regeln in den einzelnen Ländern aufpassen – genauso aber auch auf unsere eigene Linie.

BN: Heißt das auch, dass es den Älteren heute lieber wäre, wenn die Jugend nicht ganz das machen würde, was ihr damals getan habt?

Benni (Jungmember): Nee, wir machen genau das wie die damals, kriegen aber doppelt so viel Ärger.

Dennis (Jungmember): Früher war es für die ja auch so, dass da kein Generationsunterschied war. Die Ersten, die das angefangen haben, waren ja alle in einem Alter und haben das Gleiche gedacht. Heute haben wir ja verschiedene Generationen und das muss man alles unter einen Hut kriegen. Natürlich, die Alten haben die Erfahrungen, die Jungen müssen ihre Erfahrungen machen.

Wolle (Altrocker): Das fängt bei der Musik an und hört bei den Frauen auf.

Benni (Jungmember): Frauen sind das geringste Problem. Der Junge schnappt sich auch mal ’ne Ältere, der Alte ’ne Junge (alle lachen). Die Ausfahrten von früher sind schwer vorstellbar. Wir fahren heute einfach irgendwohin. Neues Motorrad, keine Probleme, immer nur tanken und fahren. Aber wenn man so die Geschichten von früher hört, innerhalb Deutschlands für eine 200 bis 300 Kilometer lange Strecke den ganzen Tag brauchen, zwischendurch anhalten und rumschrauben. Das können wir uns heute nicht mehr vorstellen, das kennen wir so nicht.

Wolle (Altrocker): Klingt ja fast neidisch. …

… mehr in der Juli-Ausgabe 2016  BIKERS NEWS Titel Juli 2016



Das Motherchapter des Rolling Wheels MC im Jubiläumsjahr 2016

Rolling Wheels MC
Triftstr. 36
13509 Berlin
www.rolling-wheels.de

Jeden ersten Freitag Open House
5. – 6. August 2016:

40 Jahre Rolling Wheels MC

 
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Stand:16 October 2018 18:38:10/szene/clubs/rolling+wheels+mc+berlin_166.html