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Am 8. September haben erneut Hunderte Biker in Berlin gegen das Colour-Verbot demonstriert. Es waren mehr als im letzten Jahr
Ein paar Minuten bevor es losgeht, starten die ersten Motoren. Von Sekunde zu Sekunde werden es mehr. Langsam rollen die ersten Maschinen vom Treffpunkt, einem Parkplatz in Marzahn-Hellersdorf, und reihen sich auf den Blumberger Damm ein. Ganz vorn fährt das deutsche Nomads-Charter der Hells Angels, das neben dem Runden Tisch Berlin/Brandenburg maßgeblich an der Planung dieser Demonstration beteiligt war. Vor ihnen befinden sich nur noch zwei Einsatzwagen der Polizei. Die geben das Tempo vor und machen die Route mit Blaulicht frei. Pünktlich um 17 Uhr setzt sich der beeindruckende Korso dann in Bewegung. Schon jetzt, kurz nach dem Start, zählt er mehrere Hundert Bikes. Und auf der gut zehn Kilometer langen Strecke über den Alexanderplatz bis zum Ziel, dem Brandenburger Tor, reihen sich immer wieder weitere Gruppen ein.

Auf der Strecke reihen sich immer wieder weitere Gruppen ein
Auf der Strecke reihen sich immer wieder weitere Gruppen ein

Bild unten: André (President HAMC Nomads Germany) und Frank (President HAMC H. A. nnover) fuhren ganz vorn mit

Fuhren ganz vorn mit: André (President HAMC Nomads Germany) und Frank (President HAMC H. A. nnover)

Bereits im letzten Jahr hatten die Hells Angels mit einem Motorrad­korso gegen das Colour-Verbot demonstriert. Und sowohl beim ersten als auch bei diesem zweiten Mal beteiligen sich nicht nur Member aus ganz Deutschland, sondern auch viele andere Clubs aus der Region und Free Biker. Bestand der Korso 2017 noch aus rund vierhundert Motorrädern, sind es dieses Mal mit knapp eintausend mehr als doppelt so viele. Die erregen entlang der Strecke durch Berlins Zentrum natürlich Aufmerksamkeit: Am Straßenrand, auf Brücken und Plätzen sammeln sich Schaulustige, denen die Horde auf ihren schweren, teils spektakulären Bikes offensichtlich sympathisch ist. Davon zeugen die vielen nach oben gestreckten Daumen. Ob eine Mehrheit der Zuschauer versteht, dass hinter der Parade eine politische Botschaft steckt, ist eine andere Frage. Doch diese Botschaft wird spätestens vor dem Brandenburger Tor deutlich verkündet. Nachdem alle Bikes entlang der Straße des 17. Juni abgestellt sind, bittet Fähnrich (HAMC Nomads Germany) Biker und Fußgänger, näher in Richtung der Bühne zu kommen, die vor dem Wahrzeichen der Hauptstadt aufgebaut wurde. Nach und nach betreten verschiedene Redner das Podest, um über das Colour-Verbot zu reden, um das es hier natürlich vor allem geht. Zwar stellen alle die Verschärfung des Vereinsgesetzes in den größeren politischen und gesellschaftlichen Kontext von Freiheit, Grundrechten und Demokratie, doch setzen alle eigene Schwerpunkte. Aus der Politik ist keiner dabei: Der Runde Tisch hatte im Vorfeld der Demonstration zwar alle Bundestagsfraktionen kontaktiert und ihnen das Angebot gemacht, sich auf der Kundgebung zum Thema zu äußern – doch keine Partei hat das Angebot wahrgenommen.

Tilmann, BIKERS NEWS
Einer der Redner: Tilmann, BIKERS NEWS

Einen Clip vom Korso und von allen Reden findet ihr auf www.tinyurl.com/RedenFreedomIsOurReligion



Nach den Redebeiträgen und einem Schlenker um die Siegessäule begibt sich ein etwas ausgedünnter Korso mit etwas höherer Geschwindigkeit auf den Rückweg. Wer heute nicht mehr heimfährt, folgt nach dem offiziellen Ende der Einladung der Nomads. Im Clubhaus wird bei Live-Musik bis zum Morgengrauen über die Demo geredet und gefeiert. Am Ende eines langen Tages sind die Organisatoren zufrieden. Nicht nur deutlich mehr Teilnehmer als im letzten Jahr, sondern auch weniger Kontrollen der Polizei, die vor der Demonstration im letzten Jahr neun Motorräder und zwei Autos wegen „erheblicher technischer Mängel“ sichergestellt hatte. Dem nächsten Korso unter dem Motto „Freedom is our Religion“ dürfte also nichts im Wege stehen: „Solange wir es für nötig halten, werden solche Demonstrationen jedes Jahr stattfinden!“, hatte Fähnrich bereits vor der diesjährigen Demo verlautbart. Mit dem 14. September 2019 steht nun auch schon der Termin fest. Und wer weiß: Vielleicht beteiligen sich dann auch die anderen großen Clubs, die ihre Abzeichen derzeit nicht tragen dürfen.

 
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