Jubiläums Aktion: 25Jahre TätowierMagazin
Die BIKERS NEWS jetzt 25% günstiger im Printabo! 53€ statt 72€
Wir räumen auf – mit einem Dutzend falscher Legenden und schmutziger Lügen über Rocker
Leisten Prospects Sklavendienste? Antworten auf Fragen wie diese klingen wie Radio Eriwan: Sie beginnen immer mit den Worten „Im Prinzip ja, aber …“ – in diesem Fall also mit dem Eingeständnis, dass ein Prospect ganz sicher eine harte Zeit durchsteht, dass er auch mal die Klos des Clubhauses putzt und die Bude im Winter vorheizt, bevor die Member kommen. Im Prinzip Sklavendienste – doch dann kommt das „Aber“. Im Unterschied zum Sklaven verrichtet der Prospect seine Dienste nämlich freiwillig, vor allem wusste er aber, was auf ihn zukommt: Eine Zeit der Bewährung, in der er unter Beweis stellen kann, dass es ihm ernst ist mit der Aufnahme in eine Bruderschaft, die unter einem gemeinsamen Rückenabzeichen fährt. Selbst der Prospect ist also kein Sklave, sondern ein freier Mann.

Auf dem Germany Run des Hells Angels MC im Jahr 2005. Natürlich muss auch mal mit der Polizei geredet werden
Auf dem Germany Run des Hells Angels MC im Jahr 2005. Natürlich muss auch mal mit der Polizei geredet werden

Als sich die ersten Clubs in Deutschland gründeten, geschah das sozusagen über Nacht, infolge von Bierlaunen, nach der die selbstgekürten Member sich am nächsten Tag allesamt eine Kutte mit dem gleichen Rückenabzeichen überzogen. Und genauso schnell, über Nacht, verschwanden die meisten von ihnen auch wieder. Um die launenhaften Fluktuationen einzudämmen, war es sinnvoll, eine Zeit der Probe einzuführen. Das diente den Membern, die wissen wollten, wer vor ihnen steht. Und es diente dem Überleben des Clubs, denn wer so eine Zeit durchgestanden hatte, der legte das schwer erworbene Colour nicht wieder so schnell ab.



Die Erfindung des Prospects führte irgendwann aber auch zu Missbrauch. Die amerikanischen Bandidos der ersten Jahre beispielsweise pflegten ihre Anwärter zusammenzuschlagen – vielleicht einfach nur, um ihre Standfestigkeit zu überprüfen. Das aber funktionierte nicht lange, denn das machte nicht jeder mit – und so wurde das Zusammenschlagen eines Tages per Satzung verboten. Heute erklären die meisten Clubs, dass es widersinnig sei, einen zukünftigen Bruder zu erniedrigen. Sie haben nach vielen Jahren den richtigen Umgang mit ihren Prospects gefunden.
Doch da draußen in der großen weiten Welt kursieren noch mehr Legenden über unsere Bikerszene. Wir haben ein Dutzend der gängigsten zusammengestellt. Eigentlich sind diese Legenden allesamt Lügen – deshalb antworten wir auch nicht mit einem „Im Prinzip ja, aber ...“, sondern offen und geradeaus mit einem „Stimmt nicht“. Schließlich sind wir nicht Radio Eriwan, sondern BIKERS NEWS.

Die genaue Entstehungsgeschichte des 1%-Logos findet ihr in unserem Buch
„Alles über Rocker“
Michael Ahlsdorf: Alles über Rocker.
Die Gesetze, die Geschichte, die Maschinen,
5. Auflage, Huber Verlag, 376 Seiten, 24,90 Euro

SzeneShop
Markircher Straße 11a
68229 Mannheim
Tel. 0621 40530202
www.szeneshop.com

 
1: Das 1%-Logo ist ein Bekenntnis zur Gewalttätigkeit
Stimmt nicht. Das 1%-Patch geht auf ein Ereignis im Jahr 1947 in Hollister zurück. Während eines Renn-wochenendes kam es zu Schlägereien und Auseinandersetzungen mit der Polizei, die später als „Hollister Bash“ bezeichnet wurden. Die American Motorcyclist Association (AMA) soll damals versucht haben, die Wogen zu glätten, indem sie verkündete, dass nur ein Prozent aller Biker zu derartigen Ausschreitungen neige. Dabei handelt es sich um eine Legende, die nur zur Hälfte wahr ist. Die AMA dementiert heute nämlich, jemals eine solche Behauptung aufgestellt zu haben. Trotzdem tragen die Outlawbiker das 1%-Patch in ironischer Verkehrung – aber auch mit Stolz. Genaueres erklären wir in unserem Buch „Alles über Rocker“.

2: Prospects leisten Sklavendienste
Stimmt nicht. Nur in den ersten Jahren der Rockerszene war das so. In manchen amerikanischen Clubs wurden Prospects sogar zusammengeschlagen, um sie auf ihre Standfestigkeit zu überprüfen – bis zum Beispiel der Bandidos MC das Zusammenschlagen von Prospects per Satzung verbot. Bis heute ist die Laufbahn als Prospect eine Zeit der Bewährung und deshalb kein Zuckerschlecken, aber damals wie heute unterwirft sich jeder freiwillig und weiß, was auf ihn zukommt.

3: Rocker stehen unter Schweigepflicht
Stimmt nicht. Es sei denn, ein ganz normaler Familienangehöriger steht ebenfalls unter Schweigepflicht, weil man Familienangelegenheiten eben nicht ausplaudert. Unter Schweigepflicht stehen in den letzten Jahren aber zunehmend Staatsbedienstete. Zu enge Kontakte zu Rockern sind ihnen verboten – und wenn sie zu eng werden, droht die Ablösung.

4: In der Rockerszene geht es um das große Geld
Stimmt nicht. Nur noch ganz wenige große Events, wie das „Bike and Music Weekend“ des Knight Riders MC oder das Jamboree des Born to be Wild MC, werden von Clubs betrieben. Weitere Events rechnen sich schlichtweg nicht mehr. Auch die szenespezifischen Geschäftsbereiche, wie Tätowierstudios und Motorradwerkstätten, ernähren nur ihre Betreiber, nicht aber einen ganzen Club. Und auch die den Rockern nachgesagten Drogengeschäfte finden, wenn sie denn mal stattfinden, meistens in der Dimension von Kleinkriminalität statt, wie das unabhängige Kriminologische Forschungsinstitut Niedersachsen (KFN) jüngst bestätigte.

5: Rocker-Abzeichen enthalten geheime Codes
Stimmt nicht. Selbst die Zahlencodes sind leicht zu entschlüsseln, sie stehen in der Regel für die Position der ersten Buchstaben des Club namens im Alphabet. So steht die „81“ für den ersten und achten Buchstaben des Alphabets, also „HA“ – Hells Angels. Die in der Kleidung bevorzugten Farben entsprechen denen des Club-Colours – auch das ist nicht geheim, sondern offensichtlich. Erst im Zuge des Colour-Verbots für einige Clubs vom März 2017 wurden die Codes komplizierter und sind für Außenstehende schwerer zu entschlüsseln. Das aber liegt an den gesetzlichen Auflagen. Von allein hätten die Clubs es niemandem so schwer gemacht, erkannt zu werden.

6: Rocker sind immer betrunken
Stimmt nicht. Die Zeiten der rauschenden Partys sind längst vorbei. Auf das Konto von Alkohol und Drogen gingen damals zu viele Konflikte. Hochrangige Presidenten und wichtige Member behalten heute einen klaren Kopf.

7: Bad Standing bedeutet Lebensgefahr
Stimmt nicht. Der unter Bad Standing stehende ehemalige Bandido Edward Winterhalder hat ein Buch unter dem gleichnamigen Titel – „Out in Bad Standing“ – veröffentlicht. Er verfährt fair mit der Vergangenheit in seinem Club, weshalb er selbst in den USA öffentliche Lesungen halten kann. Wer dagegen wie „Bad Boy Uli“ nach Austritt im Bad Standing seine ehemaligen Brothers in Verruf bringt, der verkauft vielleicht einen Bestseller, macht sich aber in seinem ehemaligen Club wirklich unbeliebt.

8: In den Clubs herrscht eine militärische Hierarchie
Stimmt nicht. Rockerclubs sind urdemokratisch organisiert, ein President kann sein Amt jederzeit verlieren, wenn er nicht mehr die Mehrheit seiner Member hinter sich hat. Member wiederum dürfen auch „Nein“ sagen. Intern kann alles in Gesprächen vorab, spätestens auf den regelmäßigen Sitzungen geklärt werden. Im März 2008 erklärte der damalige BN-Chefredakteur Ahlsdorf das sogar als Zeuge vor dem Landgericht Münster, als ein angeklagter Bandido seine Straftat damit begründete, dass er auf Befehl seines Presidenten handeln musste.

9: Der Sergeant at Arms ist der Kriegsminister
Stimmt nicht. Die militärisch klingende Bezeichnung „Sergeant at Arms“ ist auf die Tradition der Parlamente und Volksvertretungen im englischsprachigen Raum zurückzuführen. Der Sergeant at Arms ist gleichzeitig Türsteher, Protokollchef und Exekutive dieser Gremien. Den Titel hat der US-amerikanische Senat beispielsweise bereits 1798 vergeben. Eine der Funktionen des Sergeant at Arms im Senat bestand darin, säumige Senatsmitglieder zur Sitzung zu zitieren. Der Sergeant at Arms eines Clubs ist natürlich auch für die Sicherheit zuständig. Darüber hinaus sorgt er für Ordnung in den eigenen Reihen, bestimmt disziplinarische Maßnahmen und betreut die Prospects.

10: Rocker sind Nazis
Stimmt nicht. Grundsätzlich sind Rocker unpolitisch. Eine gewisse Neigung zu rechtslastigen Symbolen aus der Zeit des Zweiten Weltkrieges besteht, weil Hakenkreuze, SS-Runen und Wehrmachtsstahlhelme in der amerikanischen Bikerszene äußerst beliebt sind. Das brachte deutschen Rockern immer wieder entsprechende Enthüllungsartikel der bürgerlichen Presse ein. Der Zustrom von Migranten in die Rockerclubs des neuen Jahrtausends stand dazu im krassen Widerspruch. Seitdem sind Enthüllungsartikel der genannten Art selten geworden.

11: Rocker reden nicht mit der Polizei
Stimmt nicht. Spätestens am Rande von Runs und Veranstaltungen bleibt den Rockern nichts anderes übrig, als mit der Polizei zu reden, wenn es um organisatorische Fragen geht. Darüber hinaus beschäftigt die Polizei eigens auf Rocker angesetzte Mitarbeiter, die zum Beispiel Gefährderansprachen führen. Diese Kontakte können dann eine Nähe fördern, die sogar zu Vertrauensverhältnissen führen. Oft werden die Polizisten dann ausgetauscht, weil sie nicht mehr im Interesse der Polizei arbeiten.

12: Rocker sind frauenfeindlich
Stimmt nicht. Rocker treten Frauen mit sehr viel Respekt gegenüber. Im Fall von Auseinandersetzungen zwischen Clubs genießen Frauen den Status der Neutralität. Negative, gegenteilige Schlagzeilen erweisen sich oft im wörtlichen Sinne als Hirngespinste. In den Jahren 2000 vor dem Koblenzer Landgericht und 2008 vor dem Tübinger Landgericht begleiteten wir Gerichtsverfahren, in denen Membern des Hells Angels MC jeweils Zwangsprostitution vorgeworfen wurde. In beiden Fällen stellten psychiatrische Gutachten fest, dass es sich um Fantasien der Anklägerinnen handelte, die sich heruntergewirtschaftet hatten und das für sie aufgebotene Zeugenschutzprogramm nutzen wollten, um sich eine neue Identität aufzubauen.
Artikel aus der Ausgabe: 3/19
Das letzte Wort: 50 Jahre Easy Rider 14.03.2019
Das letzte Wort: 50 Jahre Easy Rider
Highway to Heaven 14.03.2019
Highway to Heaven
Gremium MC Venezuela 14.03.2019
Gremium MC Venezuela
Bike Farms Flathead – Ein Fahrtest 14.03.2019
Bike Farms Flathead – Ein Fahrtest
Colour-Verbot: Entscheidung 2019? 14.03.2019
Colour-Verbot: Entscheidung 2019?
Blazes MC Germany: Brothers in Heaven 13.03.2019
Blazes MC Germany: Brothers in Heaven
Ausgabe 11/19 erscheint am 18. Okt
Rocker gegen rocker-ähnlich 13.06.2019
Rocker gegen rocker-ähnlich

Ein Hells Angel distanziert sich von den sogenannten "rocker-ähnlichen" Gruppi …

Rocker in Deutschland 13.12.2016
Rocker in Deutschland

Am Mittwoch Abend läuft „Rocker in Deutschland“ in ZDF-Info. Unser Tipp: Die einzig wa …

Dirty Pack MC Brunsbüttel 31.08.2017
Dirty Pack MC Brunsbüttel

Der Dirty Pack MC Brunsbüttel feierte sein 20-Jähriges. Er schrieb Geschichte im …

25 Jahre Nostradamus MC Lüneburg 27.07.2016
25 Jahre Nostradamus MC Lüneburg

Der Nostradamus MC feierte sein 25-jähriges Bestehen mit vielen Gästen …

Aus der Presse: Geheimpapiere und Colour-Verbote 19.11.2015
Aus der Presse: Geheimpapiere und Colour-Verbote

Geheimpapiere kommen für Boulevardmeldungen immer gut. Diese Meldung verrät einig

Verlosung – die Gewinner 26.04.2016
Verlosung – die Gewinner

Glückwunsch! Ihr hattet eure Adresse lesbar geschrieben, und jetzt habt ihr eine D …

United Tribuns trauern 13.04.2016
United Tribuns trauern

Der United Tribuns MC veröffentlicht eine Meldung für BIKERS NEWS. Anlass ist d …

Das Lommel-Protokoll 12.03.2016
Das Lommel-Protokoll

Am 21. März liest Lothar Berg in der Berliner Pokerlounge aus unserem Buch über den …

Aus der Presse: United Tribun-Member verhaftet 16.11.2015
Aus der Presse: United Tribun-Member verhaftet

Im Stuttgarter Raum wurde ein angeblich führender United Tribun-Member verhaftet. Er sol …

Magazine des Huber Verlages