Jubiläums Aktion: 25Jahre TätowierMagazin
Die BIKERS NEWS jetzt 25% günstiger im Printabo! 53€ statt 72€
Die Beisetzung von Member Andi wurde von einem massiven Polizeiaufgebot begleitet. BIKERS NEWS hat nachgefragt
Andi hat alles für Familie und Club getan – er hat das Clubleben voll gelebt. Er hat immer zu seinem Wort gestanden, war geradlinig und zuverlässig. Andi war ,Arbeiter‘ durch und durch, hat lange auf dem Bau geschafft – er war kein Faulpelz.“ Das sind die ersten Dinge, die David vom Gremium MC Heidelberg über seinen Clubbruder Andi einfallen. Andi war langjähriger Member im Chapter Speyer, Anfang März ist er nach schwerer Krankheit verstorben. Zur Beisetzung am 6. März waren neben zahlreichen Membern verschiedener Clubs auch seine Familie und viele Freunde angereist. Sie alle sind empört über den groß angelegten Einsatz der rheinland-pfälzischen Landespolizei. Auch David war vor Ort – er hat seine Empörung in einem Handyvideo festgehalten, das noch am selben Tag auf Facebook viral ging und mittlerweile über eine halbe Million Aufrufe hat. Darin sind auch die vielen Mannschaftswagen zu sehen, mit denen die Polizei vorgefahren war. Auf Nachfrage schätzt David, dass es über fünfzig gewesen sein dürften. Die Beamten hätten anreisende Gäste angehalten und befragt und auch auf dem Friedhof selbst hätten sich auffällig viele Personen mehr oder weniger erfolgreich hinter Bäumen versteckt, bei denen es sich offensichtlich um Zivilbeamte gehandelt hat.

Die Polizei war mit rund 50 Einsatzfahrzeugen zur Beerdigung gekommen. Die Trauergäste fanden im Umfeld des Friedhofs kaum noch Parkplätze
Die Polizei war mit rund 50 Einsatzfahrzeugen zur Beerdigung gekommen. Die Trauergäste fanden im Umfeld des Friedhofs kaum noch Parkplätze

Das Schlimmste seien jedoch die Fahrzeuge gewesen – denn die hätten auf all den Parkplätzen gestanden, die eigentlich für die Trauergäste vorgesehen waren. Das, so David, hätten die Behörden während der Gespräche im Vorfeld jedenfalls zugesagt. Einen Tag vor der Beerdigung hätte er beim Ordnungsamt Trier angerufen und gefragt, warum die Parkplätze vor dem Friedhof abgesperrt worden seien. Antwort: Die Parkplätze seien für die Trauergäste vorgesehen. Später am Abend hätte er noch einmal einen Rückruf erhalten – die Auskunft sei dieselbe gewesen. Die Stadtverwaltung Trier bestreitet das. Die Maßnahmen seien auf Bitten der Polizei durchgeführt worden – und das sei am Telefon auch deutlich gemacht worden. Auf unsere Nachfrage teilt der zuständige Pressereferent mit: „Am Donnerstag, den 05.03.2020, ging in der Leitstelle ein Anruf ein. Der Anrufer erkundigte sich, aus welchem Grund in der Wolfsgasse ein absolutes Halteverbot beschildert ist. Der Mitarbeiter erklärte, dass er darüber keine Kenntnis habe. Das Gespräch war danach beendet. Im weiteren Verlauf des Nachmittages ging erneut ein Anruf mit gleicher Fragestellung ein. Der Diensthabende hatte zwischenzeitlich gewechselt. Er fand in den Unterlagen die straßenverkehrsbehördliche Anordnung für diesen Fall. Als Grund des Erlasses der Anordnung ist ,Polizeiliche Einsatzmaßnahme‘ eingetragen. Dieser Grund wurde dem Anrufer mitgeteilt. Damit endete das Gespräch.“ Zu unserer Frage, ob die Stadtverwaltung den Einsatz für verhältnismäßig im engeren Sinne hält, also legitim, geeignet, erforderlich und angemessen, wollte man sich nicht äußern. Es stehe der Stadtverwaltung nicht zu, Einsatztaktik und operative Maßnahmen der Polizei zu bewerten.

Was aber war der Grund für den Großeinsatz der Polizei? Aufschluss gibt deren Pressemitteilung, die im Anschluss veröffentlicht wurde – dort heißt es: „Hintergrund sind die polizeilichen Erfahrungen, dass Mitglieder solcher nach dem Vereinsgesetz verbotener Motorrad-Clubs immer wieder Gelegenheiten nutzen, ihre Vereinsinsignien, beispielsweise auf sogenannten Kutten, Jacken, T-Shirts oder Buttons, öffentlich zu zeigen.“ Wir erinnern uns: Aufgrund des im März 2017 verschärften Vereinsgesetzes darf auch der Gremium MC sein Colour bundesweit nicht mehr öffentlich zeigen, weil der Regionalverband Sachsen 2013 verboten wurde. Doch auf welche Fakten stützt die Polizei diese „Erfahrung“? Sind Verstöße gegen das Colour-Verbot an der Tagesordnung? Wie viele Fälle sind der Polizei bekannt, in denen Member des Gremium MC verbotene Abzeichen öffentlich getragen haben? Die Frage wurde von der Polizei nicht beantwortet. Verständlich, denn laut Auskunft des Gremium MC hat es seit der Gesetzesverschärfung deutschlandweit keine Verurteilung wegen Verstoßes gegen das Colour-Verbot gegeben. Es gab zwar einige Vorfälle – Corpus Delicti war bei denen allerdings gar nicht das Colour als solches, sondern „Gremium“-Schriftzüge. Hinzu kommt, dass diese Vorfälle schon einige Zeit zurückliegen; genauer gesagt ereigneten sie sich in der Anfangszeit des Colour-Verbots, in der nicht mal die Polizei wusste, was nun eigentlich verboten ist und was nicht (BIKERS NEWS berichtete). Schlussendlich wurde auch hier kein Member verurteilt.

Maskierte Polizisten auf der Beerdigung
Maskierte Polizisten auf der Beerdigung

Entgegen der Pressemitteilung, also weil es offensichtlich gar keine Vorfälle gibt, um die vorgebliche „Erfahrung“ zu stützen, zauberte die Polizei deswegen auf Nachfrage einen anderen Grund aus der Mütze. So hieß es gegenüber BIKERS NEWS: „Die Häufigkeit bisheriger Verstöße durch den MC Gremium oder andere MC spielten bei unseren Vorbereitungen nicht (!) die ausschlaggebende Rolle.“ Vielmehr hätten die Member im Vorfeld das Vorhaben geäußert, auf dem Friedhof Kutten zu tragen – und zwar gegenüber der Stadtverwaltung Trier. In der Tat hatte David sich im Vorfeld mit dem Friedhofsamt in Verbindung gesetzt und gefragt, wie es sich mit dem Kennzeichenverbot auf einem befriedeten Gelände wie einem Friedhof verhalte – das Amt wollte die Rechtslage daraufhin prüfen und bat um einen schriftlichen Antrag. Den wiederum wollte der Gremium MC nicht stellen, was David schon während dieses Telefonats mitteilte – man wolle auf das Tragen von Vereinskennzeichen gänzlich verzichten, so David. Auch ein Friedhof ist öffentliches Gelände, das Tragen der Kutten deswegen auch dort nicht erlaubt. Aus der Bitte um Auskunft beim Friedhofsamt und dem deutlich erkennbaren Bemühen, sich auch dieses Mal rechtskonform zu verhalten, wurde dem Club ein Strick gedreht: Sie dienen nun im Nachhinein zur Rechtfertigung des groß angelegten Sondereinsatzes. Denn auch in einem anschließenden Gespräch hätten sich die Member „nicht endgültig und verbindlich“ von der Absicht distanziert, Vereinskennzeichen zu tragen, so die Polizei gegenüber BIKERS NEWS. Die Version des Gremium MC: Der Member, der das Gespräch führte, habe zwar zugesagt, den Club noch einmal zu erinnen, dass jegliche Kennzeichen auch auf dem Friedhof nicht gezeigt werden dürften – allerdings auch erwähnt, dass er natürlich nicht für alle Gäste sprechen könne. Laut David hätte die Polizei im Vorfeld verlautbart, dass der Einsatz im kleinen Rahmen stattfinden würde – man solle sich keine Gedanken machen, die Beamten würden sich im Hintergrund halten und die Trauerfeier durch ihre Anwesenheit nicht stören. Die Polizei dementiert das: Zur Dimension des geplanten Einsatzes habe man sich nicht eingelassen. Die Frage, wie viele Beamte nun schlussendlich am Einsatz beteiligt waren, wollte die Polizei übrigens nicht beantworten: Einsatzstärken und Taktiken würden nicht öffentlich bekannt gegeben. Am selben Tag wurde im bayerischen Amberg ein anderer Member des Gremium MC zu Grabe getragen, auch dort ohne einen einzigen Verstoß gegen das Vereinsgesetz – aber auch ohne einen einzigen Beamten, der es überprüft hätte.

Hier seht ihr das Video, das David am Tag der Beisetzung Andis gedreht hat:
tinyurl.com/Beerdigung-Trier
 

Dieser Text wurde nach der Beisetzung auf der Homepage des Gremium MC veröffentlicht

Gremium MC World

Statement eines Vaters, der seinen Sohn verloren hat und diesen nur unter unwürdigen Beobachtungen und Überwachungen durch ein riesiges Polizeispektakel zu Grabe tragen musste. Die Gefühle der Familie und der Freunde, die in diesem Moment einen geliebten Angehörigen, Freund und Clubbruder betrauerten, wurden mit Füßen getreten. Wir, der Gremium MC World, verurteilen das Verhalten dieses Staates in dieser Situation auf das Schärfste.

„Ich wünsche keinem der dafür Verantwortlichen, dass er seinen Sohn oder seine Tochter unter solchen Umständen beerdigen muss. Mein Sohn ist mit 52 Jahren und wenige Wochen nach Bekanntgabe der Diagnose Lungenkrebs gestorben. Er hat unter Schmerzen, bis zu seiner Einweisung in das Krankenhaus gearbeitet. Er hinterlässt Frau und Kinder. Wir sind aus der Nähe von Pirmasens und mit Familienangehörigen aus Österreich zur Beerdigung angereist. Wir fanden keinen Platz auf dem Parkplatz vor dem Friedhof. Wir mussten den Kranz usw. von einer Parkmöglichkeit unterhalb der Hauptstraße bis zum Friedhof tragen. Überall standen Polizeiwagen! Auf dem Friedhof befanden sich hinter Bäumen ,unauffällig‘ Zivilpolizisten. Hinter Büschen Polizei mit Skimasken, die die Trauergäste wie ,Spanner‘ filmten. Was hat ein derartiges Polizeiaufgebot den Steuerzahler gekostet? Der Grund soll u. a. die Verhinderung von Straftaten (Tragen von Kutten, Emblemen und Insignien) gewesen sein?

Ein großes Lob für die Freunde meines Sohnes vom MC Gremium, die besonnen eine würdige Trauerfeier mit Beerdigung organisiert hatten. Viele kamen zur Verabschiedung unseres Sohnes von weit her. Ich kannte keine dieser Personen der Clubs, aber es nötigt mir Respekt ab, wie sich diese um die Beerdigung meines Sohnes und um dessen Familie gekümmert haben. Ich selbst bin über 50 Jahre als Buchhalter in einem 130 Jahre alten Unternehmen tätig gewesen. Davon 25 Jahre als ehrenamtlicher Arbeitsrichter mit Auszeichnung durch die Ministerpräsidentin Dreyer mit der Landesehrennadel. Hier wurde mein Sohn zu Grabe getragen. Den Schmerz, den die Mutter und der Vater ertragen müssen, wurde durch diese überzogene Aktion der Behörden leider noch gesteigert. Es war doch nur eine Beerdigung! Zwei Worte zu den dafür Verantwortlichen:

Schämt euch!“

 
Artikel aus der Ausgabe: 4/20
Rund um Las Vegas 29.03.2020
Rund um Las Vegas
TGS Night Train 28.03.2020
TGS Night Train
Biker-Boots 22.03.2020
Biker-Boots
Gold Digger 21.03.2020
Gold Digger
„Nichts verbindet die Menschen mehr als ein gemeinsames großes Ziel“ 14.03.2020
„Nichts verbindet die Menschen mehr als ein gemeinsames großes Ziel“
Waffenrecht 13.03.2020
Waffenrecht
Ausgabe 9/20 erscheint am 14. Aug
Clip: Polizeieinsatz auf Rockerbeerdigung 06.04.2020
Clip: Polizeieinsatz auf Rockerbeerdigung

Die Beisetzung eines Gremium-Members wurde von einem massiven Polizeiaufgebot beg

Gremium World Run 14.08.2019
Gremium World Run

Der Gremium MC versammelt alle Mitlieder jährlich zu einem World Run …

Gremium MC 31.03.2017
Gremium MC

Abschied von Schnauzer …

Diablos MC Hamm-Westside 09.06.2018
Diablos MC Hamm-Westside

Dirk war President des Diablos MC Hamm-Westside. Am 7. Dezember des letzten Jahres vers …

Peter Memory Party 01.07.2018
Peter Memory Party

​Zum zweiten Mal jährte sich 2015 der Todestag von Peter, einem Member des G …

Roadbreaker MC Süd-West 19.11.2019
Roadbreaker MC Süd-West

Der Roadbreaker MC Süd-West richtete einem Member eine Biker-Hochzeit aus …

Gremium MC Limburg 04.05.2020
Gremium MC Limburg

Die Jungs vom Gremium MC Limburg tragen ihre Kutten nicht außerhalb des Clubhauses …

Waffenverbot für Gremium-Member 01.12.2015
Waffenverbot für Gremium-Member

Entscheidung in zweiter Instanz: Ein Member des Gremium MC muss seine Waffen abgeb …

Magazine des Huber Verlages