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Handelskrieg trifft Harley-Davidson
Katerstimmung auf den Hamburg Harley Days. Nicht nur die dortigen Polizeikontrollen verderben die Laune. Noch heftiger bedrückt eine Meldung vom Freitag die Händler und so ihre Kunden: Seit dem 22. Juni erhebt die Europäische Union Vergeltungszölle auf amerikanische Produkte als Antwort auf die von den USA erhobenen Zölle auf Stahl und Aluminium. Das betrifft Jeans, Erdnussbutter und Motorräder.

Über Nacht wurden die Zölle für Harleys von sechs auf einunddreißig Prozent, also um fünfundzwanzig Prozent angehoben. Durchschnittlich und rein rechnerisch würde eine Harley in Europa um knapp 1900 Euro teurer werden, so Harley-Davidson. Können die Kunden sich das leisten? Und kann Harley sich das leisten?

Gerüchte machen die Runde. Einer scheint es genauer zu wissen: Von den fünfundzwanzig Prozent würde Harley sieben Prozent übernehmen, um den Mehrpreis für die Kunden abzufangen.

Was sagt Harley-Davidson selbst dazu? Gar nichts! Die beiden nur auf gesonderte Anfrage herausgegebenen Pressemitteilungen sind mager: Man trete für die Freiheit ein, also auch für den freien Markt, darüber hinaus aber prüfe man alle Wege und Möglichkeiten, auf die Teuerungen zu reagieren. Die deutsche Pressestelle der Company erklärt: „Wir haben den Tisch voller Fragen, aber wir haben keine Antworten.“ Wer da noch weitere Fragen habe, der möge sie bitte schriftlich einreichen. Die Frage würde dann auf die andere Hälfte der Weltkugel hinübergereicht, aber mit einer schnellen Antwort sei sowieso nicht zu rechnen.

Um wie viel eine Harley nun wirklich teurer wird, weiß mithin keiner. Sicher ist nur eines: So schnell wird es dazu nicht kommen. In Deutschland stehen noch ein paar unverkaufte Harleys, für die kann kein Zoll mehr erhoben werden. Auch nicht für die Harleys, die schon auf dem Schiff unterwegs sind. Nur für die Softails könne es enger werden, denn die gingen weg „wie geschnitten Brot“, weiß ein Dealer zu berichten.


Skeptische Blicke auf den Hamburg Harley Days: Werden die Big Twins jetzt teurer?

Ja, aber dann? Die mögliche Richtung weist der „Current Report“ einer Internetseite, die Harley-Davidson für seine Investoren eingerichtet hat. Ausführlich rechnet der Report die Teuerungen vor, die nun ins Haus stehen. Die Company erklärt darin aber auch, dass diese Summen sich erst mal nicht auf die Preisempfehlungen ihrer Vertragshändler niederschlagen würden. Harley-Davidson würde den Brocken selbst übernehmen. Aber das nicht ohne einen Plan B.

Plan B gleicht einem Coup und ist das Ass im Ärmel der amerikanischen Hersteller. Die Company wird die Produktion der Motorräder einfach verschieben. Für den außeramerikanischen Markt sollen die Bikes nicht mehr in den USA produziert werden. Die Umsetzung dieses Planes dürfte neun bis achtzehn Monate in Anspruch nehmen. Dann kämen die Harleys für den deutschen Markt nicht mehr aus den USA, womöglich auch nicht aus Asien oder Südamerika, sondern aus dem Raum der Europäischen Union.

Nur in Europa gefertigte Motorräder dürften in Europa ohne Zoll verkauft werden. In Asien gefertigte Produkte gelten nach wie vor als amerikanische Produkte, wenn ein US-Label draufsteht. Wobei die Frage, was eigentlich die Fertigung eines Motorrades ist, die Wirtschaftsweisen zu klären haben. Die meisten Komponenten werden ohnehin rund um den Globus gefertigt und so gilt in der Autoindustrie zum Beispiel die Faustregel, dass der Fertigungsort der ist, an dem Motor und Karosserie zusammengefügt werden.

Was wie ein Coup klingt, liegt auf der Hand. Amerikanische oder auch europäische Hersteller lassen viele Komponenten sowieso auf anderen Kontinenten fertigen. Sie bewahren darüber nur Stillschweigen, weil es an der Ehre aller Nationalisten kratzt, Teile in Asien fertigen zu lassen. Ohne das Gesicht zu verlieren, kann diese Produktionspolitik nun auch in der Öffentlichkeit unter dem Vorschub guter Gründe propagiert werden. Nur Präsident Trump zeigte sich über Harleys Coup not amused und twitterte, dass amerikanische Motorräder nur in Amerika hergestellt werden dürften.

Eine Stellungnahme von Polaris, dem Hersteller der Indian-Motorräder, liegt übrigens nicht vor. Ein dürres Statement von Grant Bester, dem General Manager für Europa, verlautbarte, dass Indian die Entwicklung genau beobachten würde. Selbst dieses Statement wurde am nächsten Tag schon wieder zurückgezogen. Der zweite große Hersteller amerikanischer Motorräder blieb angesichts der wirtschaftlichen Entwicklungen bis zum Tag unserer Druckabgabe ohne Worte.

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