Flüchtlinge und Rocker

23.10.2015  |  Text: Michael Ahlsdorf  |  
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Flüchtlinge und Rocker
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Die Flut der Flüchtlinge wird sich auch auf die Szene der Rocker auswirken Wir haben in Österreich einen Reporter. Er nennt sich „Gau“, und er arbeitet hauptberuflich in den technischen Hilfswerken des Landes. …
Die Flut der Flüchtlinge wird sich auch auf die Szene der Rocker auswirken

Wir haben in Österreich einen Reporter. Er nennt sich „Gau“, und er arbeitet hauptberuflich in den technischen Hilfswerken des Landes. In diesem Job leistete er im September täglich 14 Stunden-Schichten an der Grenze zu Ungarn. Seine Bilder von den dortigen Flüchtlingscamps vermittelten uns einen ziemlich persönlichen Eindruck von dem, was uns bis dahin nur über Fernsehbildschirme erreicht hatte.
Noch nachdenklicher stimmten uns seine Worte. Er erzählte von Flüchtlingskindern, die fröhlich Fußball spielten, ohne zu ahnen, was noch auf sie zukommen würde. Er erzählte aber auch von den vielen jungen Männern unter den Flüchtlingen, von den verschiedenen Kriegsparteien, die auf den österreichischen Feldbetten plötzlich nebeneinander lagen und von den Auseinandersetzungen, die sie schon in den Zelten untereinander ausfochten. Die österreichischen Helfer hatten Angst. Und unser Gau kam lange nicht mehr zum Motorradfahren.

Wir entdecken die Migranten-MCs

FOTO/  Sheriff : Der Mongols MC gründete sich im Jahr 1969 in Kalifornien. Er war der erste MC, der sich aus Migranten rekrutierte – aus Südamerikanern, nicht aus Syrern
Angst? Kein Motorradfahren? Zwei Schlagworte, wenn es um das geht, was unsere alten Biker erleben, die unseren Migranten-MCs gegenüberstehen. Wir haben diese Clubs und Gangs ja schon längst in den eigenen Reihen, und wir haben schon vor Jahren darüber berichtet.
Die bürgerliche Presse hatte die Migranten-MCs erst ein bisschen später entdeckt. Deren Reporter recherchierten bis dahin noch in an den Haaren herbeigezogenen Storys über Unterwanderungen der MCs durch Nazis. Da fuhren für die Bandidos bereits komplette Supportchapter mit Membern aus Türkengangs, wie wir sie in der BIKERS NEWS im Jahr 2009 vorgestellt hatten.
Vor über einem Jahr hatten wir darüber hinaus über den Median Empire MC berichtet. Er benennt sich nach dem untergegangenen Reich der Meder, das in der Antike den Raum von Ost-Anatolien bis nach Indien beherrschte. Der Median Empire MC war aus dem Kölner Chapter „Dark City“ des Mongols MC hervorgegangen.
Über den Mongols MC hatten wir sowieso längst berichtet. Er war einst im Jahr 1969 in Kalifornien gegründet worden. Und er war gewissermaßen der erste Migranten-MC der Welt. Denn die amerikanischen Mongols rekrutieren sich aus Latinos, Südamerikaner also. Und die Latinos sind die Migranten, gegen die die US-amerikanische Gesellschaft sich mit hohen Zäunen entlang der mexikanischen Grenze zu schützen versucht. Und weil die amerikanischen Mongols mit fremden Umgangsformen und Taktiken aufwarteten, die kein amerikanischer Biker bis dahin kannte, war es ihnen sogar gelungen, den Hells Angels den Bottom-Rocker „Califorinia“ abzutrotzen. Kein anderer Club außer den Hells Angels und den Mongols trägt diesen Schriftzug im Colour.

Urängste verkaufen sich gut

In der Juni-Ausgabe des letzten Jahres hatten wir über den Besuch des Median Empire MC in einem kurdisch-syrischen Flüchtlingslager berichtetDas war vielleicht ein Vorgeschmack auf das, was noch in Europa auf uns zukommen kann. Die bürgerliche Presse hatte das wiederum schneller aufgetan. Urängste verkaufen sich in der Medienlandschaft besonders gut, erst recht, wenn den Bürgern fremde Kulturen, wie Rocker, Moslems und dann auch noch Netzwerke und Unterwanderungen aller Art, zusammenkommen. Nachdem wir jedenfalls über den Besuch der Member des Median Empire MC in kurdisch-syrischen Flüchtlingslagern berichtet hatten, kursierte in der bürgerlichen Presse auch noch ein Foto, das Median Empire-Member mit über der Schulter hängenden Kalschnikoffs zeigte. So zogen sie in Syrien gegen den IS in den Kampf. Was dann noch kommen musste, dauerte ein bisschen länger. Erst im darauffolgenden Jahr kursierten Meldungen, die wiederum von MC-Membern berichteten, die auf der Seite des IS kämpften.
Prompt stellte man auch uns vor die Frage, was denn an diesen Meldungen dran sei? Ja klar, in beiden Fällen war was dran! Angesichts der inzwischen zahllosen Migranten in unserer Szene kommen natürlich auch immer wieder ein paar besonders durchgeknallte Jungs auf die Idee, in einen echten Krieg zu ziehen.

Geister, die wir riefen

FOTO/ Kottlorz : Die Supporterclubs der Bandidos nannten sich Bulldogs, Harami oder La Onda. Sie hatten überwiegend türkische MemberDoch die wenigsten meistern wirklich den Weg zurück nach Syrien. Seit Jahren verbreiten sie dagegen unter unseren Bikern Angst und Schrecken – möglicherweise nur gefühlt. Aber ihnen war es gelungen, die Onepercenter-Szene aufzumischen. Und die überalterten Onepercenter versuchen nun oft genug erfolglos, die Geister loszuwerden, die sie einst gerufen hatten, um die Mannschaftsstände in ihren Reihen aufzufrischen …

Weiter geht’s in der aktuellen November-Ausgabe der BIKERS NEWS
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Stand:17 December 2018 03:55:49/szene/stories/fluechtlinge+und+rocker_1510.html