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BIKERS-NEWS-Gründer Fips blickt in den Rückspiegel, schildert seinen Werdegang und erzählt von den frühen Tagen der MC-Szene. Dieses Mal berichtet er davon, wie der Mannheimer Motor Sport Club seine Zweigstelle in Berlin-Kreuzberg besuchte – und er dem Presi die Freundin ausspannte
Im Sommer 1966 machten wir uns zusammen mit einigen wenigen Club­­­mitgliedern auf eine schon lange geplante Tour nach Berlin, um unsere Zweigstelle dort zu besuchen. Ich mit meiner Freundin Inge hinten drauf, und vielleicht noch zwei andere Mopeds, mehr nicht. Es waren nicht viele, die sich auf diesen Wahnsinnstrip getraut hatten. Aber ich als Präsi musste natürlich mit gutem Beispiel voran­gehen. Uns taten die Arschbacken so weh, dass wir viertelstundenweise die Seiten wechselten, damit wenigstens jeweils eine Seite ohne „Belastung“ pausieren konnte. Immerhin waren es rund 700 Kilometer Distanz zwischen Berlin und Mannheim und man brauchte alles in allem sechzehn Stunden für die Fahrt und natürlich genau so lange für die Rückfahrt.

Ich nahm mir vor, es ihnen zu zeigen: Wir waren die Mannheimer, wir hatten die schnellsten Kreidler und waren technisch total versiert

Imponiergehabe

Ich werde nie vergessen, wie wir nach dieser langen Fahrt ankamen. Die Berliner begrüßten uns und waren mächtig stolz. Endlich waren die Mannheimer, die echten Mannheimer, ihre großen Vorbilder nach Berlin gekommen. Der Berliner Vorsitzende saß auf seiner Kreidler und hatte seine wunderschöne Freundin hinten drauf. Die sah mich und sagte zu ihrem Freund: „Ist der hässlich.“ Und ich hörte das. Wir waren völlig kaputt, hatten sechzehn Stunden Fahrt hinter uns, klar war ich da hässlich, meine Zähne werden ihr Übriges getan haben. Ich war fürchterlich getroffen und hätte am liebsten den Gang eingelegt und wäre sofort wieder nach Mannheim zurückgefahren. Am besten gar nicht erst mit denen reden.

Aber dann nahm ich mir vor, es ihnen zu zeigen. Wir waren die Mannheimer, wir hatten die schnellsten Kreidler und waren technisch total versiert. Ich sowieso. Seit Jahren hatte ich schließlich Kreidlermotoren auseinandergenommen und Frisieranleitungen geschrieben. Ich kannte jede Unterlegscheibe und auch das kleinste Distanzscheibchen in den Kreidlermotoren, und ich wusste auch, wie man die schneller macht. Auch durch mein Training bei den Steilwandfahrern konnte ich zudem verdammt gut fahren, konnte zum Beispiel die Maschine vorne hochgehen lassen und nur auf dem Hinterrad fahren.

Da konnten die Berliner nicht mithalten und ich zeigte es ihnen so richtig! Ich führte mein gesamtes Repertoire vor, der Steilwandfahrerruf ging mir überall voraus und ich legte ein richtiges Imponiergehabe an den Tag. Wie erhofft, kam das total gut an. Chee, die Freundin des Berliner Clubvorsitzenden, war offensichtlich auch zutiefst beeindruckt. Mein angeknackstes Selbstbewusstsein hatte sich wieder gefangen. Wir blieben einige Tage in Berlin und in dieser Zeit bahnte sich zwischen Chee und mir ein Flirt an, aber total „keusch“. Beim Abschied lud ich noch alle Berliner ein, uns zu besuchen. Die anderen vom Berliner Club konnten alle nicht und so lud ich sozusagen beiläufig nur Chee – und um den Schein zu wahren, auch ihre Freundin – ein.

In der Mitte: Chee

Die Rückfahrt

Weil die Grenzposten bei der Durchreise von jedem die Startzeiten notierten und wir Moped-Racer im Windschatten von LKWs eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 90 km/h schafften, waren wir Mannheimer von den Vopos nicht zu erfassen, weil wir ja nur die Hälfte ihrer kalkulierten Zeit gebraucht hatten. Sie waren von einer Mopedgeschwindigkeit von maximal 50 km/h ausgegangen. Das war den Vopos so suspekt, dass sie bei der Rückfahrt die Verfolgung aufnahmen! Um uns allerdings anzuhalten, brauchten sie eine halbe Stunde, weil sie mit ihrer Plastikkabine auch nicht schneller waren als unsere hochgezüchteten Mopeds. Als sie uns endlich einmal überholen konnten, wollten sie uns wegen Windschattenfahren bestrafen, aber die komplette Mopedclique weigerte sich, eine Strafe zu bezahlen. So setzten sich die Vopos in ihren Kunststoffkarton, froren und machten auf Geduld. Für uns Mannheimer war das weniger schlimm, nicht zuletzt weil wir warmen Kaffee in Thermoskannen und Reiseproviant in unseren Tankrucksäcken hatten. Am Ende durften wir weiterfahren, ohne „Bares“ zu entrichten, was sehr wichtig war, weil wir jeden Pfennig auf dieser Fahrt genau verplant hatten, damit das Geld auch für den Sprit der ganzen Rückfahrt reichte. Hätten wir die Strafe bezahlt, wäre uns der Sprit ausgegangen. Einen der Berliner, der mit uns nach Mannheim fahren wollte, haben sie allerdings verhaftet, weil er in seinem Tankrucksack eine Schreckschusspistole und ein großes Nummernschild für die Westautobahn versteckt hatte. Er musste dafür seinen ganzen Urlaub, den er eigentlich beim MMSC in Mannheim verbringen wollte, im DDR-Knast absitzen!

Mitglieder und Mädels: MMSC-Faschingsparty im Clubkeller (1966)

Mädels vom MMSC Berlin auf Besuch in Mannheim

Nur wenige Wochen später stand plötzlich Chee mit ihrer Freundin vor meiner Tür in Mannheim. Klaus Berle, damals eines der treuesten und lustigsten Mitglieder unseres Clubs, hatte sich schon in Berlin in Chees Freundin verguckt und so zogen wir zu viert durch Mannheim und sangen „Come On And Sing“ von den Rattles oder „She Loves You (Yeah Yeah Yeah)“ von den Beatles. Berle war ein hervorragender Sänger und wir harmonierten dadurch wunderschön. Zwischen Berle und mir hatte sich im Laufe der Zeit eine tiefe Freundschaft entwickelt.

Um den Mädels aus Berlin etwas zu bieten, fuhren wir gemeinsam zum Altriper Fischerfest. Ich weiß nicht mehr, wie es mir gelungen ist, aber meine Freundin Inge blieb zu Hause, und ich fuhr mit Chee auf meiner gerade fertiggestellten Eigenbau-Kreidler auf das Fest, mit der Clique. Ich stellte meine Maschine ab und wir gingen feiern, Roy Black trat auf und sang „Ganz In Weiß“. Und wir waren richtig lustig drauf und angesichts dieser romantischen Konstellation furchtbar verliebt. Später am Abend machte ich mich alleine mit Chee auf den Nachhauseweg. Wir gingen zum Parkplatz, wo unsere Maschinen an Bäumen lehnten und ich fand meine nicht mehr! So nach und nach musste ich realisieren, dass meine Kreidler wieder einmal geklaut worden war. Was ich bis heute nicht verstehe, ist: Es machte mir überhaupt nichts aus! Zwar fing ich an zu jammern, aber es ging mir nicht um meine Kreidler, sondern nur um Chee, nur darum, bei ihr Mitgefühl zu erregen. Ich wollte sie unbedingt so weit bringen, dass sie bei mir schlief und nicht wie ausgemacht bei meiner Freundin. So heulte und jammerte ich ihr etwas vor. „Du kannst mich nicht alleine lassen in dieser Situation. Ich werde kein Auge zumachen heute Nacht.“

Und tatsächlich ging sie in dieser Nacht mit zu mir. Mit Inge machte ich dann auch gleich Schluss und Chee hat den ganzen restlichen Urlaub bei mir gewohnt. Sie war ein wunderschönes Mädchen und wir waren heftig ineinander verliebt. Nachdem sie nach Berlin zurückgekehrt war, machte auch sie mit ihrem Freund, dem Vorsitzenden des Berliner Clubs, Schluss. Wir schickten uns Liebesbriefe und Fotos und einige Monate später fuhr ich noch einmal mit meiner Ersatz-Kreidler (ich hatte ja noch genug davon) nach Berlin. Alleine! Aber inzwischen hatte sie wohl doch wieder einen neuen Freund und ich musste auf dem Dachboden schlafen – und ich hatte gedacht, das sei die große Liebe. Meine fantastische Kreidler ist übrigens auch nie wieder aufgetaucht. Voller Kummer und enttäuscht kehrte ich wieder in die Arme meiner Inge zurück.
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