Jubiläums Aktion: 25Jahre TätowierMagazin
Die BIKERS NEWS jetzt 25% günstiger im Printabo! 53€ statt 72€
Unser Fips erzählt von den ersten Jahren unserer Szene. In dieser Ausgabe geht es um einen Wichswettbewerb mit Nachspiel
Wir schreiben das Jahr 1973. Ein Unwetter in Mannheim überschwemmte meinen MC-Clubkeller, die Brühe stand einen Meter hoch. Nachdem sie langsam wieder versickert war, blieb ein Haufen stinkender Schlamm übrig. Wir konnten den Clubkeller nicht mehr benutzen und meine Zeit als „Wirt“ war nach acht Jahren vorbei. Von 1965 bis 1973 hatten wir hier die Nächte durchgemacht. Doch ich hatte mir schon ein zweites Standbein aufgebaut: Eine transportable Discoanlage, mit der ich auf den Rockerpartys in der Gegend Musik machte. So ging mein Partytreiben eigentlich ohne Unterbrechung weiter, nur ohne Kneipe. Die MCs kamen jetzt nicht mehr zu mir, sondern ich zu ihnen.

Mit der mobilen Disco war ich dann so erfolgreich, dass auch ganz normale Leute und Vereine mich für ihre Veranstaltungen buchten. Schnell war ich ausgelastet: Wer nicht wenigstens ein Jahr vorher angefragt hatte, der bekam keinen Termin mehr. Die Termine für die Partys der MCs hatte ich allerdings sowieso schon geblockt, also zum Beispiel die Jahresveranstaltungen von Bones, Cavemen, manches Mal auch Brothers und Lost Sons und natürlich immer die des Mannheimer Gremium. Bei allen Großveranstaltungen in Mannheim, auch bei den Presidenten-Rallys auf der Friesenheimer Insel, stand ich bis 1982 mit „Fips & Judys Rollende Diskothek“ auf der Bühne – egal welcher MC gerade der Veranstalter war. Auch beim zehnjährigen Jubiläum der Brothers, als Udo Lindenberg auftrat und ich die erste BIKERS NEWS auf den Markt brachte.

Alle haben sich lieb in GeiselwindFips und die Jungs vom Gremium MC Mannheim vor der Rollenden Discothek: Inspiriert von der Rockband „Rainbow“ hatte Fips einen eigenen Regenbogen zusammengezimmert
Fips und die Jungs vom Gremium MC Mannheim vor der Rollenden Discothek: Inspiriert von der Rockband „Rainbow“ hatte Fips einen eigenen Regenbogen zusammengezimmert

Meinen Clubkeller vermisste ich überhaupt nicht mehr, ich tingelte durch ganz Deutschland, jedes Wochenende durch drei verschiedene Städte – bei MCs blieb ich natürlich volle drei Tage. Die Nachfrage war kolossal und meine Gagen stiegen unversehens. Ich wurde allerdings auch nicht müde, meine Anlage immer zu modernisieren, hatte ich doch ständig bei den Ordnerjobs mit den Bones die Vorbilder direkt vor der Nase. Als ich für Ritchie Blackmores Band „Rainbow“ den berühmten Regenbogen mit aufbaute, war mir klar, dass ich den für meine Disco nachbauen würde. Ich brauchte geschlagene zwei Jahre dafür, aber dann war das Ding immer eine Sensation. Und richtig selfmade, niemand konnte so was einfach kaufen. Einige werden sich vielleicht daran erinnern, dass Fips und Judy ab 1979 immer mit ihrem Regenbogen über der Bühne auftraten.

Auf diesen Rallys gab es natürlich immer wieder außergewöhnliche Ereignisse. Als ich mal wieder für meine Bones auf der Bühne stand und gerade die Pokalverleihung hinter mir hatte, stand da noch ein Pokal rum und niemand wusste mehr, für was der denn sein sollte. Also sagte der President zu mir, ich solle mir etwas einfallen lassen. Und was fiel mir ein? Mir gingen schon lange die besoffenen Radaubrüder auf die Nerven, die immer wieder automatisch anfingen „ausziehen, ausziehen“ zu grölen, wenn sich ein weibliches Wesen auf die Bühne wagte. Ich dachte mir, wenn die immer nur nackte Weiber sehen wollen, wie wär’s denn, wenn man den Spieß mal rumdrehen würde? Während ich das Mikrofon in die Hand nahm, entwickelten sich meine Pläne in eine ganz bestimmte Richtung: Was die wahrscheinlich wirklich wollen, ist Sex auf der Bühne – den sollen sie haben!


Ausziehn, ausziehn!

Ich verkündete im vollem Bierzelt, vor 3000 Feiernden, dass derjenige einen Pokal bekäme, der hier und jetzt auf der Bühne einen richtig männlichen Orgasmus hinlegte. Natürlich meldete sich niemand, aber als ich die Frauen aufforderte, doch jetzt mal ihr Recht einzuklagen, brach die Hölle los. Sieben Männer wollten am Ende zeigen, was sie drauf hatten. Die stellte ich vorne an den Bühnenrand und sie mussten ihre Hosen runterlassen, und zwar alle Hosen! Das taten sie auch, aber von sichtbarer Männlichkeit war – trotz genauem Hinschauen der Masse – nichts zu entdecken. Nach ziemlich kurzer Zeit zogen fünf von ihnen ihre Hosen wieder hoch und verließen kleinlaut die Bühne. Blieben noch zwei. Ich fragte das Publikum ironisch, ob es denn jetzt endlich einen Orgasmus sehen wolle. „Ja!“, schrien alle. Also spielten sich die beiden weiter verzweifelt am Gehänge herum, was aber zu nichts führte. Noch einer gab auf. Ich fragte die Meute, ob er als Übriggebliebener jetzt trotzdem noch einen Orgasmus zelebrieren müsse. Das Publikum tobte: „Ja!“ Währenddessen flüsterte der Kandidat mir ins Ohr, ob er sich hinlegen könne, weil er sich im Liegen besser konzentrieren könne. Natürlich durfte er. Ich richtete alle Scheinwerfer mit 10000 Watt in Weiß auf ihn, und er fing fast an zu brutzeln.

Das Publikum klatschte inzwischen voller Verständnis im Rhythmus mit, um ihm zu helfen. Als Nächstes forderte ich Hilfe an, die sich auch prompt meldete, aber es war ein Typ – und der fing an, unserem immer noch nackt auf dem Bühnenboden liegenden Kandidaten einen zu blasen. Nichts rührte sich. Also forderte ich weibliche Hilfe an und tatsächlich kam geradezu wie bestellt eine wunderhübsche Lady auf die Bühne, zog sich bis auf das Höschen aus, schlängelte sich fast nackt über seinen klatschnassen Körper und man sah ein ganz deutliches männliches Erwachen. Das Publikum tobte, als hätte Deutschland das entscheidende Tor zur Weltmeisterschaft geschossen. Ja, er hat eine Erektion!

Die Dame wurde angesichts ihres Erfolges eifriger und begann zu blasen, das Publikum klatschte weiter im Rhythmus mit, und wenn ich sagte „schneller“, dann hielt die Dame tatsächlich den Rhythmus, den das Publikum vorgab. Ein Bild für die Götter in diesem überfüllten Bierzelt! Sie gab sich wirklich große Mühe, aber an einen Orgasmus war nicht zu denken. Ich wollte dem armen Kerl jetzt wirklich den Pokal geben und als sich unsere Blicke trafen, sah ich ihm an, was er dachte: Wenn er sich jetzt schüttelte, schweißgebadet wie er war, dann könnte er damit einen Orgasmus vortäuschen. Obwohl wir nicht miteinander gesprochen hatten, fing er vom Publikum angefeuert erneut an zu onanieren, nach einer Weile begann er sich zu schütteln, der Schweiß flog durch die Luft, was bei den 10000 Watt Weiß-Beleuchtung auch gut sichtbar war, und ich verkündete laut, dass er es geschafft habe.

Die Menge tobte nur noch. Ich gab dem Kandidaten den Pokal, der nahm ihn, pisste rein, schwenkte ihn aus und schüttete seinen Urin im hohen Bogen über das Publikum, das das warme Nass ohne Murren entgegennahm. Weil ich ihm noch eine Flasche Bones-Sekt gegeben hatte, nahm er den Sekt, schüttete ihn in den verpissten Pokal, lud seine sechs Genossen und die Lady auf die Bühne und sie tranken zusammen den Sekt aus. Die Stimmung war am Kochen, und das Ganze hatte uns keine müde Mark gekostet. Die Aktion hätte sich für mich im Nachhinein leicht als Katastrophe herrausstellen können: Schauspieler vom Mannheimer Nationaltheater, die mich für den Theater-Fasching, eine Großveranstaltung mit 9000 Gästen, engagieren wollten, hatte ich einfach zur Bones-Veranstaltung eingeladen. So konnten sie sehen, wie ich das mache. Dass die ausgerechnet zu diesem „Wichswettbewerb“ kommen würden, damit hatte ich nicht gerechnet, den hatte ich ja auch nicht geplant. Aber zu meiner Überraschung waren sie begeistert und haben mich für zwei Tage Theater-Fasching verpflichtet, 4.500 DM pro Tag, also 9.000 DM. Ich musste allerdings versprechen, keinen Wichswettbewerb zu veranstalten.

Zeltinger spielte auf seinem Pillemann gern Lustgitarre
Zeltinger spielte auf seinem Pillemann gern Lustgitarre

Eine Geschichte mit Schwanzprogramm auf der Bühne hab ich aber noch. Ein Jahr später nämlich war die Zeltinger Band der absolute Renner. Mit „Müngersdorfer Stadion“ hatte die Gruppe einen Riesenhit und war in aller Munde. Anfang der Achtziger gastierten die Kölner auch bei der Bones Rally auf der Friesenheimer Insel. Als ihr Hit erklang, brach die Hölle los. Während des Songs zog Zeltinger sich nackt aus, missbrauchte seinen Schniedelwutz als Gitarre und die Menge tobte mal wieder brachial! Ach ja, Streit? Schlägereien? Reibereien zwischen den MCs? Aggressionen? Böse Blicke? Das gab es einfach nicht, dafür war gar keine Zeit, weil immer Action war. Es gab auch keine Bedenken, ob ein falscher MC kommen würde – warum auch? Wir waren alle Gleichgesinnte! Deshalb war es früher tatsächlich besser und ich habe es in vollen Zügen genossen. Es war Dauer-Action, aber kein Dauer-Stress. Und den Bones wurden Aufgaben mit immer mehr Verantwortung aufgetragen, so wurden wir zum Beispiel 1988 für das Riesenspektakel Werner-Rennen als Ordner verpflichtet. Davon erzähle ich euch beim nächsten Mal mehr.

Zuerst veröffentlicht in BIKERS NEWS 09/2015
Artikel aus der Ausgabe: 10/19
Eff-Icks-De-Err 02.10.2019
Eff-Icks-De-Err
Rider Communication 27.09.2019
Rider Communication
Yes, it’s a  fuckin’ Yamaha! 21.09.2019
Yes, it’s a  fuckin’ Yamaha!
German MC-Cup 19.09.2019
German MC-Cup
Sternfahrt der Biker Union 15.09.2019
Sternfahrt der Biker Union
Harley-Davidson 2020 13.09.2019
Harley-Davidson 2020
Ausgabe 11/19 erscheint am 18. Okt
35 Jahre Condor MC Bamberg 21.10.2016
35 Jahre Condor MC Bamberg

BIKERS-NEWS-Gründer Fips war auf der Feier mit von der Partie – samt Kamera …

Das Lommel-Protokoll 12.03.2016
Das Lommel-Protokoll

Am 21. März liest Lothar Berg in der Berliner Pokerlounge aus unserem Buch über den …

Das letzte Wort: Früher war alles besser 30.04.2017
Das letzte Wort: Früher war alles besser

Ist „Back to the Roots“ der einzig richtige Weg? …

Back to the Roots Teil 18 25.09.2018
Back to the Roots Teil 18

BIKERS-NEWS-Gründer Fips blickt in den Rückspiegel und erzählt von den frühen Tagen der …

Back to the Roots: Teil XII 29.10.2017
Back to the Roots: Teil XII

BIKERS-NEWS-Gründer Fips blickt in den Rückspiegel und erzählt von den frühen Tagen der …

Rocker in Deutschland – Die 80er Jahre 23.11.2017
Rocker in Deutschland – Die 80er Jahre

BIKERS-NEWS-Gründer Fips hat ein neues Buch der Reihe „Rocker in Deutschland“ …

Born to be Wild MC Magdeburg 09.09.2017
Born to be Wild MC Magdeburg

Der Born to be Wild MC präsentiert die „Tattoo-Expo“ in Magdeburg …

Rocker in Deutschland 13.12.2016
Rocker in Deutschland

Am Mittwoch Abend läuft „Rocker in Deutschland“ in ZDF-Info. Unser Tipp: Die einzig wa …

Magazine des Huber Verlages