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Kindesmissbrauch ist offensichtlich ein Thema, das die Biker ganz besonders rührt. Wir redeten mit den Biker Against Childporn And Abuse(BACAA)
Es war der Brief eines Lesers, der uns dazu brachte, mal ein bisschen weiterzufragen. Unter dem Szenenamen „Roadcaptain von der Bergstraße“ hatten uns zornige Worte über die Hilfs-Organisationen von Bikern gegen Kindesmissbrauch erreicht. Schließlich hatten sich in den Clubnachrichten der Januar-Ausgabe gleich vier dieser Vereinigungen vorgestellt.

Kindesmissbrauch ist eine schlimme Sache. Aber ist diese Form von Charity vielleicht ein bisschen zu viel des Guten? Leidet die Bikerszene nicht unter ganz anderen Problemen?

Wir sprachen mit Pope und Tom, den beiden Vorständen des im Jahr 2005 von Rockern gegründeten Vereins BACAA (Biker Against Childporn And Abuse e.V.). Dieser Verein feiert in dieser Saison sein zehnjähriges Bestehen. Er war also die erste der vier genannten Organisationen.

Hinter der Bühne eines Konzerts von „Owerstolz“. Die Musikgruppe spendete ihre Gage für BACAA
Wir sprachen mit den Vertetern von BACAA hinter der Bühne eines Konzerts von „Owerstolz“. Die Musikgruppe spendete ihre Gage für BACAA


BN: Der Kampf gegen Kinderpornographie scheint für Rocker irgendwie ein ganz wichtiges Thema zu sein. Wie kam es denn zu der Gründung von BACAA?

Pope: Der Grundstein wurde Ende 2003 in Tübingen gelegt. Ausgelöst durch Opfer im eigenen Umfeld, wollten einige Member unterschiedlicher MCs etwas gegen das Totschweigen der Problematik tun. Dazu gründeten sie die Initiative „Don’t touch“ mit anfangs 15 Mitgliedern. Um das Projekt auf dauerhafte Füße zu stellen, wurde dann 2005 in Wermelskirchen der Verein BACAA e.V. gegründet. Zu diesem Zeitpunkt gab es europaweit keine vergleichbare Vereinigung.

 
Und was ist mit BACA, also „Bikers Against Childabuse“? Deren Name klingt ja so ähnlich wie eurer.

Tom: BACA gibt es in den USA und Aus­tralien schon länger. Vor unserer Gründung hatten wir natürlich auch versucht, Kontakt mit BACA aufzunehmen, um uns über die Sache auszutauschen. Aber da kam nie eine Antwort, was sehr schade war.


BN: Stand der Anschluss an die weltweit vorhandenen BACA-Chapter überhaupt zur Diskussion?

Pope: Nie. Das hat einen einfachen, ganz praktischen Grund: Sowohl in den USA als auch Down Under machen die Brüder sicher gute Arbeit, soweit ich das beurteilen kann. Allerdings lassen sich bestimmte Regeln und Prozesse, die dort anscheinend wunderbar funktionieren, in Deutschland juristisch schlicht nicht durchsetzen. Die Probleme, die hierzulande dadurch entstehen würden, wollten wir im Interesse der Opfer von Beginn an vermeiden.

Tom: Der ähnlich klingende Name ergab sich aus der Thematik. Wer im Englischen unsere zentralen Begriffe auf den Punkt bringen will, landet eben bei „Biker Against Childporn And Abuse“, also bei BACAA mit zwei „A“. Und wie gesagt, zum Zeitpunkt unserer Gründung war BACA in Europa auch einfach nicht vertreten.


BN: Wie in jedem Verein gibt es bei BACAA sicher Regeln. Entsprechen die denen eines MCs?

Pope: Nein, BACAA war nie als verkappter MC geplant und wird auch nie einer werden. Deshalb sind eigene Backpatches auch undenkbar für uns. Wir sind ja zum Teil Mitglieder verschiedener Clubs, warum sollten wir das aufgeben? Bei BACAA geht es um das Thema Kindesmissbrauch und um nichts sonst. Eine Politik darüber hinaus gibt es nicht.

Tom: Daran orientieren sich auch unsere internen Regeln. Wer Mitglied werden will, muss dem Ziel des Vereins seine eigenen Interessen unterordnen. Um Selbstdarstellung geht es nicht, wir brauchen aktive Leute, keine Profilneurotiker und andere böse Jungs. Neulinge haben ein Jahr Zeit, um uns davon zu überzeugen. Wenn alles passt, kann jeder Mitglied werden, unabhängig davon, ob er MC-Member oder freier Biker ist. Bei uns ist jeder willkommen, auch Frauen.


BN: Was sind dann die Aufgaben eines BACAA-Mitglieds? Wie hilft der Verein?

Tom: Unsere Arbeit besteht letztlich aus drei Dingen. Erstens wollen wir das Thema laut vertreten und in die Öffentlichkeit tragen. Das passiert vor allem auf über 100 Infoständen, die wir pro Jahr im deutschsprachigen Raum besetzen. Dort sind immer drei, vier unserer Mitglieder vor Ort, beantworten Fragen, verteilen Material und klären über das Problem Kindesmissbrauch auf. Zweitens fungieren wir als Ansprechpartner für Opfer und Angehörige. Ziel dabei ist natürlich keine Therapie, die können wir nicht anbieten, sondern ein offenes Ohr und eben Verbindungen zu Spezialisten. Drittens sammeln wir Spenden, um damit gezielt und in einer beachtlichen Größenordnung soziale Einrichtungen zu unterstützen.

Pope: Angesichts des so komplexen Arbeitsbereichs von BACAA können neue Mitglieder aber natürlich nicht sofort voll in jeder Situation mitarbeiten. Speziell der Umgang mit Betroffenen ist extrem sensibel. Erst wer drei, vier, fünf Jahre dem Verein angehört und entsprechend geschult wurde, wird hier eingesetzt.


BN: Infostände, Spendensammeln: Gibt es nicht schon einige Initiativen, die das Gleiche machen?

Pope: Die gibt es, und das ist auch gut so. Allerdings stellt sich die Situation heute anders dar als vor zehn Jahren. Damals wurde mit dem Thema außerhalb der Szene sehr zaghaft umgegangen, es gab wortwörtlich eine Mauer des Schweigens in der Öffentlichkeit. Erst mit Aufkommen des Internets hat sich das geändert, seither lassen sich unangenehme Themen nicht mehr so einfach unter der Tischdecke halten.

Tom: Trotzdem bleibt Kindesmissbrauch ein Randthema, von dem zwar jeder schon gehört hat, mit dem aber kaum jemand zu tun haben will. Und wer wäre für ein solches Randthema besser geeignet als wir, die Randgruppe der Rocker? Schließlich sind wir dafür bekannt, unser Maul aufzumachen, wenn uns etwas nicht passt. Und bestens vernetzt sind wir untereinander auch noch.

 
Warum überlasst ihr den Job nicht der Justiz?

Pope: Das würden wir gerne. Aber leider werden in Deutschland die an und für sich angemessenen Gesetze nicht konsequent angewendet. Die meisten Richter nutzen ihren Ermessensspielraum nicht wirklich aus, was dann zu dem Irrsinn führt, dass Copyright- oder Steuervergehen härter geahndet werden als Kindesmissbrauch. Das ist lächerlich.

Tom: Wir erwarten deshalb keine große Hilfe von staatlicher Seite mehr, so traurig das ist. Überraschen lassen wir uns da aber gerne.


BACAA, BACA, Auxilium Victimis SG und Equites Contra Puer Abusus: In ganzen vier Clubs oder Vereine treten als Rocker im Kampf gegen Kindesmissbrauch an. Das macht die Lage für Beobachter wie Betroffene ziemlich unübersichtlich. Was sagt ihr zu der Entwicklung?

Pope: Zuerst muss man festhalten, dass jede Stimme, die auf das Problem aufmerksam macht, zählt und richtig ist. Ohne Wenn und Aber steht die Sache über allem, und die Betroffenen benötigen jede Hilfe, die sie bekommen können. So viel dazu.
Fakt ist aber auch, dass die anderen genannten Vereinigungen die Arbeit für die Sache nicht einfacher gemacht haben. Speziell die sehr ähnlichen Namen BACAA und BACA haben in den letzten Monaten an allen Fronten für eine extreme Verwirrung gesorgt. So haben tatsächlich langjährige Förderer ihre Unterstützung eingestellt, weil sie negative Auftritte anderer mit uns in Verbindung gebracht haben. Und gerade aus der Bikerszene kamen Stimmen, die mit den Auswüchsen, die das annimmt, verständlicherweise nichts anfangen können. Der Roadcaptain-Leserbrief aus der BIKERS NEWS bringt das, bei aller Polemik, ganz gut auf den Punkt.

 Tom: Wie gesagt, wir freuen uns über jeden, der der Sache helfen will. Ob bei den anderen aber immer die Hilfe der Opfer im Mittelpunkt steht, kann ich nicht beurteilen. Ihr Auftreten lässt mich da aber zweifeln.


Warum?

Tom: Die deutsche BACA-Vertretung ist, ohne Namen zu nennen, von einem unserer ehemaligen Mitglieder gegründet worden, der bei uns schlicht nicht mehr erwünscht war. Bis dahin hatte BACA in Deutschland noch nicht existiert. Die guten Verbindungen und Netzwerke, die er sich in der Zeit bei uns aufgebaut hat, nutzt er aber natürlich weiterhin und greift damit den Lohn unserer Arbeit ab. Aber jeder so wie er mag. Mehr möchte ich dazu nicht sagen.

Pope: Wer mehr wissen will, muss die Jungs entweder selber fragen oder sich einfach ihre Außendarstellung anschauen. Speziell BACA inszeniert die eigenen Member und Aktionen sehr amerikanisch. Da gibt es eben die erwähnten Backpatches und das Machogehabe. Die wollen an möglichst vielen Orten ihr Fähnchen aufstellen. So unterhaltsam wir dieses Gehabe persönlich auch finden, so problematisch ist es für die Opfer, um die es eigentlich gehen sollte. Für die bedeutet fehlende Eindeutigkeit schlicht mehr Leid.


Was ist dagegen das Feedback zu euch?

Pope: Bis heute unterstützen uns unzählige Rocker und freie Biker im Kampf für die Sache. BACAA ist ein Kind der Szene und wird immer ein Teil von ihr bleiben.


Zuerst veröffentlicht in BIKERS NEWS 03/2015

 


BACAA – Biker Against Childporn And Abuse e.V.
Thomas Altmann
Im Dreieck 12, 44143 Dortmund
www.bacaa.de

 

Überzählige Ritter

In der BIKERS NEWS 02/2015 hatten wir den Leserbrief des Roadcaptains von der Bergstraße veröffentlicht

Hallo BIKERS NEWS,

ein paar Gründungsanzeigen in den letzten Clubnachrichten hätten mich fast kotzen lassen. Es ist ja bescheuert genug, dass wir inzwischen zwei Bikervereinigungen gegen Kindesmissbrauch haben: BACAA und BACA. Nun tragen die in Euren Clubnachrichten auch noch öffentlich Federkriege untereinander aus. Als wenn das nicht genug wäre, gründen sich obendrein Clubs mit den gleichen erklärten Zielen und ziemlich wichtigtuerischen lateinischen Namen: „Auxilium Victimis SG“ und „Equites contra puer abusus“ – also „Ritter gegen Kindesmissbrauch“.

Als Vater zweier Kinder will ich erstmal wissen: Was soll ich meinen Kindern erklären, wenn sie mich auf der nächsten Bikerparty nach der Bedeutung dieser Patches fragen?

Klar, Gruselschlagzeilen verkaufen sich gut. Deshalb tragen die Boulevardmedien dieses Thema aus der gesellschaftlichen Tabuzone jetzt auch ins Rampenlicht.

Peinlich aber wird es, wenn Biker prompt mitdackeln. Was tun diese überzähligen Ritter jetzt eigentlich den ganzen Tag: Fahren die Patrouille und halten Ausschau nach Männern, die zufällig weite Trenchcoats tragen, um denen dann unter öffentlichem Jubel die Eier abzuschneiden? Leute, das ist Paranoia, so fängt Faschismus an! Ja, ich erinnere nicht zufällig an die Nazis. Die steckten die Schwulen deshalb in KZs, weil sie in ihren eigenen Reihen selbst ziemlich viele hatten. Über Knastbrüder, die Kinderschänder misshandeln, um damit ihre eigene Kriminalität reinzuwaschen, will ich da gar nicht nachdenken.

Wir sind uns einig darüber, dass Kinderschänder unschädlich gemacht werden müssen. Dafür haben wir genug Law-Enforcement. Wer das dann noch so laut durch die Gegend posaunt, der macht sich nur selbst verdächtig.

Wer nun unbedingt ein Patch auf dem Rücken tragen will, aber es zum richtigen Rocker nicht schafft, der soll in irgendeinen christlichen Motorradclub eintreten, oder in einen Markenclub für Japanchopper, oder in die Harley Owners Group (HOG). Ach, Medical Knights und Brotherhood of Bikers gibt’s ja auch noch …

Also missbraucht bitte nicht die Zeichen und Ideale unserer Szene. Und Ihr von der Redaktion: Gebt diesen selbsternannten Rittern bitte nicht noch ein Forum, die gehören nicht in die BIKERS NEWS!

Roadcaptain, Bergstraße
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