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Jønke ist einer der prominentesten Hells Angels in Europa. Jüngst besuchte er das Mannheimer Charter, dort haben wir uns mit ihm unterhalten
Er ist einer der prominentesten Hells Angels in Europa. Jørn „Jønke“ Nielsen wurde am 5. Juni 1960 in Dänemark geboren, fand schnell seinen Platz in den Sätteln der Kreidlers und Puchs und schloss sich in den Siebzigerjahren den „Knaller Banden“ an, den Mofa-Gangs der Halbstarken. 1976 trug Jønke sein erstes Rückenabzeichen, das der Dirty Eagles. 1977 wechselte er zum Nomads MC Kopenhagen. Dirty Eagles, Nomads, Galloping Gooses und Iron Skulls schlossen sich wenig später zur Biker Union zusammen – nicht zu verwechseln mit der deutschen Biker Union. Im gleichen Jahr stellte diese Biker Union den Antrag auf Mitgliedschaft im Hells Angels MC, fuhr also fast drei Jahre als MC Kopenhagen, bis sie sich im Jahr 1980 endlich den Namen Hells Angels MC Kopenhagen verdient hatte.

Jønke war damals vermutlich der jüngste Hells Angel Europas, zumal eine Vollmitgliedschaft erst mit einundzwanzig Jahren zulässig ist. Aber das Standing des halbwüchsigen Jønkes war wichtiger als sein Alter, und so ließen die Clubbrüder seine Jugendlichkeit durchgehen.

Halbwüchsige waren die Nomads als künftige Hells Angels sowieso nicht mehr. Jahrelang schwelte ein Konflikt zwischen ihnen und dem Bullshit MC. Als die Member des Bullshit MC eine Freundin der Hells Angels misshandelten, beschloss Jønke zurückzuschlagen. Im Jahr 1984 erschoss er „Makrele“, den Anführer des Bullshit MC, und floh ins Ausland.

Ein Jahr verbrachte Jønke in Paris, drei weitere Jahre in Kanada, um sich nach vier Jahren Exil schließlich den dänischen Behörden zu stellen. In Dänemark wurde er 1988 zu sechzehn Jahren Haft verurteilt, von denen er elf Jahre absaß. Seit 1998 ist Jønke wieder auf freiem Fuß, heute als Member des Hells Angels MC Kastrup.

Jønke wusste seine Zeit im Exil und im Knast zu nutzen – und das machte ihn berühmt. Gleich im ersten Jahr in Paris schrieb er „On the Run“, seine Autobiografie bis zum Zeitpunkt der Ermordung von Makrele. Es folgten weitere Bücher, geschrieben hinter Gittern, und nun steht Jønke kurz vor dem Abschluss eines weiteren Buchprojekts. Diesmal ist es ein politischer Thriller, vielleicht auch ein Science-Fiction-Roman, der sich unter dem Titel „100 Cities“ mit dem Problem der Flüchtlinge beschäftigt und nebenher gleich eine Lösung anbietet.

Im Frühjahr besuchte Jønke seine deutschen Brüder. Als er im Clubhaus des Hells Angels MC Mannheim Station machte, durften wir vorbeischauen und uns mit ihm über sein Buchprojekt, aber auch über sein Leben als Hells Angel unterhalten.


„Als ich im Exil war, musste ich zuerst meine Tätowierungen covern lassen. Deshalb habe ich auf den Unterarmen heute so schlechte Tätowierungen.“
„Als ich im Exil war, musste ich zuerst meine Tätowierungen covern lassen.“



BN: Jønke, in deiner Autobiografie „On the Run“ erzählst du von deiner ersten Tätowierung mit dem Motiv des Nomads MC auf dem Unterarm. Trägst du diese Tätowierung noch?

Jønke: Nein. Als ich im Exil war, musste ich zuerst meine Tätowierungen covern lassen. Deshalb habe ich auf den Unterarmen heute so schlechte Tätowierungen.


Du hast in jungen Jahren einen Menschen erschossen. Fühlst du heute noch etwas deswegen? Plagt dich das Gewissen?

Nein, das liegt so viele Jahre zurück. Heute hätte man es vielleicht anders lösen können, aber damals war es eben so. Nach fünfunddreißig Jahren hat ein schlechtes Gewissen deswegen keinen Sinn mehr. Aber ich will mich damit auch nicht brüsten.


Sind irgendwelche Member vom Bullshit MC später zu den Bandidos übergetreten? Verursachte das vielleicht den skandinavischen Rockerkrieg der Neunzigerjahre?

Das Wort „Rockerkrieg“ mögen wir nicht. Das Wort „Krieg“ wird der Sache nicht gerecht. Wir nennen die Ereignisse eher „Konflikt“.

Dieser Konflikt hat in Dänemark angefangen. Einem Polizisten habe ich damals mal erklärt, diesen Konflikt hätte es vielleicht gar nicht gegeben, wenn man uns erlaubt hätte, richtige Motorräder zu bauen. In Dänemark durfte man das nicht, während die Biker in Schweden und Norwegen mit den geilsten Bikes und den längsten Gabeln durch die Gegend fuhren.

Zum Wort „Rocker“: Das mag ich auch nicht. Die Cops nennen uns „Rocker“, wir nennen uns „Biker“.
Und nein, der Bullshit MC hat mit dem Konflikt gar nichts zu tun, der Club löste sich schon im Jahr 1988 auf.


Einfach nur „Biker“ also …

Ja, „Biker“. Wenn du es genauer wissen willst, gerne auch „Hardcore-Biker“.


Den Begriff wollte ich um die Jahrtausendwende auch mal in der BIKERS NEWS einführen. Er hat sich bei uns nicht etabliert.

Ich würde mich auch nicht „Onepercenter“ nennen. Manche von uns mögen das aber, die tragen dann das 1%-Patch. „Onepercenter“, da denkt man an die Außenseiter der Außenseiter der Gesellschaft. Aber unsere Kinder gehen in Schulen, wir suchen Krankenhäuser auf, wir stehen nicht außerhalb der Gesellschaft. Bill Gates – das wäre zum Beispiel ein echter Onepercenter! Wir sind und bleiben einfach Biker!


Was für ein Motorrad fährst du denn heute?

Seit Juni 2018 habe ich eine Indian Chief Dark Horse. Ganz früher, als Nomad, hatte ich eine 1977er Triumph Bonneville. Das war der Stil, den wir damals fuhren. Als Hells Angels legten wir uns Harleys zu. Und seit drei Jahren gilt in meinem Charter die Regel, dass wir alles fahren, was amerikanisch ist. Deshalb fahre ich heute die Indian. Harley mag ich nicht so, wegen der Politik der Company.

Seit Juni 2018 fährt Jønke eine Indian Chief Dark Horse
Seit Juni 2018 fährt Jønke eine Indian Chief Dark Horse


Dafür kann man Harley-Davidson nicht böse sein. Das ist halt eine Company, die am Markt bestehen musste. Indian war damals ja längst vom Markt verschwunden. Aber wo wir schon bei der Politik sind: ein Wort zum deutschen Colour-Verbot?

Damit lenkt man in Deutschland doch nur von den wirklichen Problemen ab, vom Problem mit den Flüchtlingen zum Beispiel. Das ist in Deutschland so wie in Dänemark.
Die Motorcycle Clubs sind kein Problem, aber sie werden als Vorwand genutzt, um Gesetze zu verschärfen. Damit soll auch unsere wirtschaftliche Existenz vernichtet werden – und dann stehen die Biker vor der Wahl, entweder arm zu sein oder wirklich kriminell zu werden.
Klar, wir sind keine Heiligen, das sind nur die Polizisten. Aber von den wenigen Kriminellen auf alle Member zu schließen – das wäre ja, als müssten alle Hells Angels Schriftsteller werden, weil ich einer bin.


Hast du das Schreiben im Knast gelernt? Man sagt ja, in skandinavischen Gefängnissen wäre es sehr bequem.

Das war mal in den Achtzigerjahren bequem. Heute ist es in skandinavischen Gefängnissen anders.
Mein erstes Buch habe ich schon im Exil in Paris geschrieben. Ich war jung und habe einfach angefangen zu schreiben. Währenddessen wurde ich besser. Dafür muss man wohl geboren sein. Im Knast habe ich dann drei Bücher geschrieben. Die besten Kritiken kriegte ein Buch über einen durchgeknallten Elch. Das habe ich in elf Monaten geschrieben, als ich in Einzelhaft saß.


Warum Einzelhaft?

Ich hatte mich geweigert, mein Hells-Angels-Patch abzulegen.


Ist es in Dänemark so wie in Deutschland? Sitzen bei euch inzwischen auch viele Mi­granten in den Gefängnissen?

Ja.


Und habt ihr in der dänischen Bikerszene auch ein „Migrantenproblem“?

Im Knast haben wir Migranten, in den Clubs auch. Migranten sind ja kein Problem der Clubs, sie sind ein Problem der Gesellschaft. Das Problem wäre vielleicht gelöst, wenn wir deren Heimatländer nicht bombardieren würden.


Da sind wir ja schon beim Thema deines neuen Buches!

Am ehesten ist es nun wohl ein Science-Fiction-Roman geworden. Es spielt im Zeitraum von 2015 bis 2035 und es geht um das weltweite Flüchtlingsproblem. Das Buch heißt „100 Cities“, denn die Lösung könnte darin liegen, außerhalb von Europa Städte für diese Flüchtlinge zu bauen.


Wer bezahlt das?

In meinem Buch sind es die Vereinten Nationen. Ich habe drei Jahre an dem Buch gearbeitet. Es ist ein Abenteuer, so ein Buch zu schreiben. Ich habe mich mit anderen darüber unterhalten, mit Architekten, mit Politikern. In den Gesprächen mit ihnen bin ich immer wieder auf Lösungen gekommen. So auch auf die Beantwortung der Frage: Wer bezahlt das?


Wird das Buch auch in Deutschland erhältlich sein, in deutscher Sprache?

Der dänische Verlag bringt es erst mal nur auf Dänisch raus. Mehr wird sich ergeben.


Dann kommen wir nochmal zur Gegenwart, aber damit auch wieder zur Zukunft: Vor zwanzig Jahren haben wir dich in Kopenhagen mit einem Hells Angel besucht, der der Vater eines weiteren Hells Angels ist: Steven, HAMC Mannheim, und mit ihm sitzen wir nun hier an einem Tisch. 
Das klingt idyllisch. Aber wie sieht’s mit den Generationen in eurem Club aus? Die ganze Bikerszene hat ein Generationenproblem. Habt ihr es auch?

Wir haben ein Generationenproblem, klar! Wir sind ja ein siebzig Jahre alter Club.
In der Jugend denkt man heute zuerst an sich selbst, bückt sich über sein Smartphone. Das passt nicht zu unserem Verständnis von Gemeinschaft, das ist eine Bedrohung für das Clubleben. Eine andere Bedrohung sind sicher die Elektro-Motorräder. Aber solange wir junge Leute haben, wie sie jetzt in unseren Reihen stehen, ist alles okay!
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