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Jörg Michael Grossmann ermöglicht verstorbenen Bikern eine letzte Ausfahrt
Am 25. November 2017 setzt sich im französischen Petite-Rosselle ein großer Biker-Korso in Bewegung. Angeführt wird er von einem Harley-Gespann, Ziel ist der Friedhof von Großrosseln, dem deutschen Teil der Gemeinde. Für Sarino ist es die letzte Fahrt. Der Member des saarländischen Road Gang MC ist einige Tage zuvor an den Folgen einer schweren Krankheit gestorben. Im Beiwagen der Harley befindet sich seine Urne. Weil Sarino im Leben Biker durch und durch war, soll auch seine Beerdigung im Zeichen des Zweirads stehen. So wollten es seine Brüder vom Road Gang MC und so wollte es auch seine Familie. Der übliche schwarze Bestattungskombi kam deshalb nicht infrage.



Im Sattel des Gespanns sitzt Jörg. Seit Anfang 2012 hat er über dreihundert verstorbenen Bikern einen würdevollen Weg zur letzten Ruhestätte ermöglicht. Angefangen hat alles vor zehn Jahren, während eines Urlaubs in den USA. Irgendwo in Arizona beobachtete Jörg damals von einer Brücke die Beerdigung eines Hells Angels. Mehrere hundert Biker waren auf ihren Harleys angereist, um dem verstorbenen Member die letzte Ehre zu erweisen. Kurzerhand fragte Jörg den Presi, ob er der Zeremonie beiwohnen könne – der hatte nichts dagegen. Auch als er wieder zurück in Deutschland war, gingen Jörg die Bilder der Beerdigung nicht aus dem Kopf. Und zwar vor allem, weil der verstorbene Rocker eine letzte Fahrt auf der Harley zurücklegen konnte: Die Hells Angels hatten seinen Sarg auf einem Beiwagen transportiert. Genau der richtige Abschied für einen Biker, der den Großteil seines Lebens auf dem Motorrad verbracht hatte. Jörg begann zu recherchieren und fragte sich, ob es diese Form der Beisetzung auch in Deutschland gibt. Als er feststellte, dass die Bestatter hierzulande ausschließlich mit Autos unterwegs sind, nahm er die Sache 2011 selbst in die Hand und gründete die Firma „JG-Motorradbestattungen.“

Nachdem Jörg sich erkundigt hatte, dass der Transport von Särgen und Urnen mit dem Motorrad prinzipiell erlaubt ist, zeichnete er einen ersten Entwurf. Und schon im nächsten Jahr war das erste Bestattungsmotorrad Deutschlands nach dem Bau von zwei Proto­typen fertig: Die Kawasaki VN 1500 war nicht nur für den Straßenverkehr zugelassen, sondern erfüllte auch die Anforderungen, die von Behördenseite an Bestattungskraftwagen gestellt werden. Die Auflagen sind strenger als in den Staaten und sollen garantieren, dass Leichen sicher und würdevoll zu ihrer letzten Ruhestätte gebracht werden. Wichtig für Jörgs geplanten Beiwagen waren neben hygienischen Auflagen vor allem die erforderlichen Mindestmaße, damit nicht nur Urnen, sondern auch Särge transportiert werden können, ohne dass der Grabschmuck entfernt werden muss. Immerhin: Jörg selbst brauchte keine gesonderte Genehmigung, um das Bestattungsbike zu lenken – ein regulärer Führerschein genügte.

Seit 2012 hat Jörg über dreihundert Bikern einen würdevollen Weg zur letzten Ruhestätte ermöglicht
Seit 2012 hat Jörg über dreihundert Bikern einen würdevollen Weg zur letzten Ruhestätte ermöglicht

Schon wenige Monate nachdem die Kawasaki fertig war, wurde sie für eine Beer­digung auf dem Düsseldorfer Friedhof eingesetzt, der einer der größten Deutschlands ist – eine knappe Dreiviertelstunde dauerte der Weg bis zum Grab. Die Kawasaki hat Jörg mittlerweile verkauft, stattdessen ist er mit dem großen Harley-Tourer unterwegs. Eine Online-Umfrage hatte ergeben, dass sich eine deutliche Mehrheit ein Bike aus Milwaukee für die letzte Fahrt wünschen würde. Die Ultra Limited wurde von der Harley-Factory Frankfurt für ihren Einsatz als Leichenkrad umgerüstet. Unter anderem hat das Werkstattteam einen Rückwärtsgang und verstärkte Wilbers-Federn eingebaut. Thomas Trapp, neben Matthias Meier einer der beiden Geschäftsführer der Factory, ist begeistert von Jörgs Idee. Wenn es so weit ist, will auch er in dem mit vier Scheiben ausgestatteten Beiwagen von Jörg transportiert werden. Auch wenn der nicht von der Harley-Factory, sondern von Mdp Mohaupt kommt, einer auf GFK-Produkte spezialisierten Firma aus Krefeld. Dritter und Letzter im Bunde ist der Bremer Gespannexperte Jörg Warnke, der ein Schwerlastfahrgestell für den großen Beiwagen produziert hat.

Die Biker-Beerdigungen waren für Jörg, der von Haus aus eigentlich gar kein Bestatter ist, von Anfang an kein Job, sondern eine Berufung. Dennoch hat er den Beiwagen in ganz Europa als „Geschmacksmuster“ patentiert, in Deutschland außerdem als „Gebrauchsmuster“. In den nächsten Jahren darf hierzulande also niemand sonst einen ähnlichen Bestattungsbeiwagen auf die Straße bringen. Verständlich, hat Jörg doch auch einen erheblichen Teil seines Privatvermögens investiert, insgesamt steckte er rund 100.000 Euro in die Entwicklung. Das erklärt auch die Kosten, die für einen Einsatz anfallen. 1.200 Euro kostet das Bike pro Tag, inklusive Fahrer. Dazu kommen vierzig Cent pro Kilometer für die Anreise.



Die langen Anfahrten waren zunächst ein Problem, Deutschland ist groß, Europa noch größer. Irgendwann musste Jörg feststellen, dass er den Bedarf alleine nicht decken kann. Nachdem er schon 2014 ein Gespann nach Dänemark verkauft hatte, begann er 2016 deswegen mit dem Vertrieb seiner Bikes. Die Idee: Reguläre Bestatter können ein Gespann bei ihm kaufen oder leasen. Während die Kawasaki seit 2016 in Sachsen unterwegs ist, fährt ein weiteres Harley-Gespann seit Ende 2018 in Berlin, ein drittes wird in Frankfurt momentan für Bestattungen in Bayern umgebaut – inklusive Stollenreifen, um einen ganzjährigen Einsatz zu ermöglichen. Ziel ist, dass mindestens zehn Bikes deutschlandweit unterwegs sind, sodass alle Regionen abgedeckt werden können. Wenn es so weit ist, möchte Jörg sich dann vor allem um die Koordination und Werbung kümmern. Und seine Erfahrungen an die Bestatter weitergeben, damit möglichst viele Biker eine würdevolle letzte Ausfahrt bekommen. So wie Sarino vom Road Gang MC.

JG-Motorradbestattungen
Jörg Michael Grossmann
Usastraße 64 und 66
61267 Neu-Anspach
Tel. 06081 911188
www.jg-motorradbestattungen.de
 
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