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Frank Hanebuth wurde aus der spanischen Haft entlassen. Ein paar Tage später gab er uns ein erstes Interview
Im Mai 2012 setzte die Polizei Hubschrauber und Spezialkräfte gegen einen prominenten Rocker ein. Sie stürmte die Wohnung von Frank Hanebuth, dem Presidenten des Hells Angels MC Hannover. Kurz danach löste der Hells-Angels Charter Hannover sich auf, und Frank Hanebuth zog sich nach Mallorca zurück. Ein Jahr später wurde er dort verhaftet. Frank verbrachte etwas über zwei Jahre in spanischer Untersuchungshaft. Am 28. Juli wurde er gegen Kaution und weitere Auflagen aus der Haft entlassen. Er muss aber in Spanien bleiben, weil dort ein Prozess gegen ihn ansteht. Wir führten mit ihm kurz nach seiner Freilassung ein telefonisches Interview.


BN: Frank, nach zwei Jahren erzwungener Ruhe im Knast bedeuten die ersten Tage in Freiheit auch immer eine Menge ungewohnten Trubel.

Frank: Das stimmt. Aber nur ein bisschen. Man freut sich doch über die vielen Leute, die anrufen. Das sind ja alles Freunde.


Warst du unter Sonderbehandlung, hattest du in einer Einzelzelle gesessen? Wie oft und wie lange hast du andere Menschen gesehen?

Die ersten sechs Monate war ich „Primo Grade“, also „Maximum Security“, der einzige Häftling unter dieser Sicherheitsstufe. Das waren sechs Monate Isolation, komplette Einzelhaft.


Sprachen wenigstens die Wärter Deutsch? Wie konntest du dich verständigen?

Gar nicht. Ein paar Leute haben Englisch gesprochen. Zum Glück konnte ich ein bisschen Spanisch sprechen.


Hattest du nach der Isolationshaft soziale Kontakte?

Dazu kam es auch später nicht wirklich. Dafür herrschte im anderen Gefängnis eine zu hohe Fluktuation. Die Leute kamen und gingen, da entstehen keine engeren Bindungen.


Es hieß aber auch, du konntest Sport treiben und dich damit in Form halten?

Stimmt. Die späteren Bedingungen waren gut. Ich war der Boxlehrer im Knast. Und am Morgen hatten hatten wir im Hof Zirkeltraining gemacht.


Klingt luxuriös. Hattet ihr Geräte fürs Training?

Nein. Aber da lernt man, mit dem wenigen, was man hat, zurechtzukommen. Zum Beispiel das Zirkeltraining.


Auch Kampfsport? Hier ist in den letzten Jahren Krav Maga ganz groß angesagt.

Kenne ich längst. Das hatte ich schon vor zehn Jahren gemacht, in Israel.


Du warst in Israel?

Das brauchten wir für unsere Security-Ausbildung.


Da gibt es verschiedene Härtestufen. Hier in Deutschland darf die richtige Härtestufe gar nicht angewendet werden. Es geht um das Töten und Vernichten des Gegners, das im Rechtsstaat so nicht zulässig ist.

Das ist „Military“, die härteste Stufe. Die hab ich auch gemacht. Da muss man nur fünf, sechs Tricks beherrschen, dann hat man Sicherheit in allen Lebenslagen.


Faszinierendes Thema. Aber kommen wir zurück zu deiner Freilassung. Wir führen das Interview telefonisch. Wo bist du denn gerade?

In Spanien.


Da wartest du nun auf deinen Prozess.

Ich darf das Land bis dahin nicht verlassen.


Willst du danach zurück nach Hannover?

Ich bin nur hier, um wegzukommen. Das kannst du ruhig so schreiben.


Hattest du denn in der Haft mitbekommen, was hier läuft? Euer Charter hatte auf der Xmas-Party in Hannover zum ersten Mal die Colours mit Ortsbezeichnung getragen. Die wurden im letzten Jahr verboten. Und jetzt hat der Bundesgerichtshof sie wieder erlaubt.

Das habe ich mitbekommen. Das habe ich mit Freude mitbekommen! Aber in den ersten sechs Monaten unter „Primo Grade“ war ich komplett raus.

Frank auf der traditionellen Xmas-Party des Hells Angels MC Hannover. Auf der Xmas-Party wurden auch die ortsbezogenen Bottom-Rocker eingeführt. Dieses Bild entstand anlässlich der Aufnahme eines neuen Prospects
Frank auf der traditionellen Xmas-Party des Hells Angels MC Hannover. Auf der Xmas-Party wurden auch die ortsbezogenen Bottom-Rocker eingeführt. Dieses Bild entstand anlässlich der Aufnahme eines neuen Prospects


Wir waren bei der Urteilsverkündung des Bundesgerichtshofes. Mit dabei waren ja nicht nur die betroffenen Bandidos, sondern auch ihr und der Gremium MC. Alle waren danach guter Dinge und redeten nach diesem Freispruch sogar vom „Ausmisten in den eigenen Reihen“. Siehst du das auch für euren Club so?

Dazu kann ich nichts sagen. Bei meinen Jungs hat ja alles funktioniert.


Beim Charter Hannover.

Beim ehemaligen Charter Hannover.

Der öffentliche Handschlag zwischen Bandidos und Hells Angels machte Frank berühmtTitel BIKERS NEWS Juli 2010
Der öffentliche Handschlag zwischen Bandidos und Hells Angels machte Frank berühmt


Womit wir beim Rampenlicht wären, in dem du dort zum Schluss standest. Manchmal dachten wir, die Bild-Zeitung hätte dich erfunden. Die kann das ja: Leute zu Präsidenten aufbauen – und sie dann wieder stürzen. Hast du was daraus gelernt? Sollte man seinen Kopf nicht zu weit aus dem Fenster hängen, weil er sonst rollt?

Das ist möglich. Aber das macht man nicht willentlich. Das ist einfach so gekommen, mit dem öffentlichen Friedensschluss zum Beispiel. Ich selbst bin ja kein Quasselkopf.


… und auch nicht der President der deutschen Hells Angels.

Da siehst du, was für Scheiße so geredet wird. Das trifft vor allem auf diesen Blödsinn mit mir als Presidenten der deutschen Hells Angels zu. Da gibt es einfach zu viele selbsternannte Experten aus dem Tal der Ahnungslosen.


Schließen wir damit ab. Vor über zwei Jahren wurdest du verhaftet. Bist du als derselbe Mensch wieder aus dem Knast gekommen?

Mit Sicherheit! Ich bin guter Dinge, ich bin ausgeruht, ich bin topfit. Ich hab sogar zehn Kilo abgenommen. Ich bin auch konzentrierter geworden, denn ich hab viel gelesen. Man lernt es, sich nur auf sich selbst zu verlassen. Das alles macht dich viel stärker.
 

Zeittafel

09.12.2006: Xmas-Party des Hells Angels MC Hannover. Die Hells Angels tragen zum ersten Mal statt „Germany“ den Charter-Namen im Colour

24.05.2012: Die Polizei stürmt Frank Hanebuths Wohnung in Hannover

28.06.2012: Selbstauflösung des Hells Angels MC Hannover

23.07.2013: Frank Hanebuth wird in Mallorca verhaftet

28.07.2015: Frank Hanebuth wird gegen Kaution und unter weiteren Auflagen aus der Haft entlassen

Zuerst veröffentlicht in BIKERS NEWS 09/2015
 
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