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Leder oder Stoff? Maß oder Stange? Wir erzählen die Geschichte der Kutte und stellen ein Dutzend neuer Kutten vor
Niemand weiß, wo der deutsche Begriff der „Kutte“ wirklich herkommt. Das Gewand der Mönche läuft unter dem gleichen Namen. Da die Bikerkutte wie die Kutte der Mönche gewissermaßen die Amtstracht einer exklusiven Männergemeinschaft darstellen, liegt es nahe, so den Begriff zu erklären.
Es kursiert aber auch eine andere Version. Die Wurzeln der Bikerszene liegen im sonnigen Kalifornien. Auch dort, unter der sengenden Sonne, mussten die großformatigen Rückenabzeichen der Biker ihren Platz finden. Leder trug man in der Hitze nicht. So trennten die kalifornischen Biker die Ärmel ihrer Jeansjacken ab. Das war die sogenannte „sleeveless denim vest“. Kein Biker nannte sie bei diesem sperrigen Namen, manche sagen noch heute lieber „Weste“, andere sollen stattdessen „cut off“ gesagt haben.
Cut Off – wenn man’s schnell ausspricht, dabei noch die amerikanische Lautung unterschlägt, könnte vielleicht auch so der deutsche Begriff entstanden sein: Kutte. In allen anderen Ländern spricht man noch immer von der Weste, auch unter einigen deutschen Hells Angels, denn denen klingt das Wort „Kutte“ zu lässig für das Ehrenkleid des Clubs.

Die ersten Jahre der Kutte

Tatsache ist, dass auch unsere Szene zunächst abgeschnittene Jeansjacken als Kutten verwendete. Die Jeansjacke als solche war in ihren ersten Jahren ja schon ein Stück Protest. Diese abgeschnittenen Jeansjacken wurden reichhaltig mit Patches und Nieten zugepflastert. Hinzu kamen gelegentlich Funktionsbezeichnungen ihres Trägers. Der President trug natürlich ein Schild mit diesem Titel auf der Brust.
Manche schmückten ihre Kutte sogar mit Trophäen eigener Art, und zwar mit den zerrissenen Patches gegnerischer Clubs, die sie zuvor „aufgelöst“ hatten. Andere trugen neben den eigenen Patches natürlich auch noch die befreundeter Clubs. So erzählten Kutten im Lauf der Jahre vom Leben ihres Besitzers.

Eine Kutte der ersten deutschen Generation. Noch war sie aus Jeans und mit unzähligen Nieten und Patches zugetackert. In unserem Buch „Alles über Rocker“ erzählen wir die Geschichte dieser KutteAlles über Rocker, SzeneShop-Artikelnr. 805312, 24,90 EuroSzeneShop, Tel. 062148361-4700, www.szeneshop.com
Eine Kutte der ersten deutschen Generation. Noch war sie aus Jeans und mit unzähligen Nieten und Patches zugetackert. In unserem Buch „Alles über Rocker“ erzählen wir die Geschichte dieser Kutte

Und die Kutte war das Symbol seiner Ehre. Wer den Angehörigen eines gegnerischen Clubs besonders erniedrigen wollte, der zog ihm die Kutte aus. Das konnte keiner auf sich sitzen lassen. Er musste diese Kutte entweder zurückerobern oder einem anderen die Kutte ausziehen und sie zum Austausch anbieten. Bis heute werden sie im Austausch nach eigenen Kursen gehandelt: Eine Prospect-Kutte oder die eines Supporters werden zu ungefähr gleichem Kurs gehandelt. Sie haben natürlich nicht den Wert der Kutte eines Members.

Der Dreiteiler der Onepercenter

Der Stil der Kutte wandelte sich. Onepercenter-Clubs räumten sie nach eigenen Systemen auf: Patches anderer Clubs fanden darauf keinen Platz mehr. Stattdessen bildete sich auf dem Rücken der sogenannte „Dreiteiler“ aus, der eigentlich ein Vierteiler ist: Oben der Top-Rocker mit Clubnamen, unten der Bottom-Rocker mit Chapternamen, in der Mitte das Clublogo und daneben die Buchstaben „MC“ für „Motorcycle Club“. Vorn geben die Kutten auf kleinen Balken über die Funktion oder das Chapter ihres Trägers Auskunft. Ebenso findet dort die 1%-Raute ihren Platz. Zum Jahrtausendwechsel kamen die Side-Rocker an der Vorderseite unter den Armen dazu, die entweder ebenfalls eine Chapter-Bezeichnung oder die Namen befreundeter Chapter zeigen.
Diese Kutten waren fast nur noch aus Leder gefertigt. Nur besonders starke Persönlich­keiten blieben bei der Jeansweste. Magi, der President des Trust MC, legte seine ausgeblichene Jeansweste zu keiner Zeit ab. Inzwischen liegt er damit in einem neuen Trend. Der kam durch die Sons-of-Anarchy-Staffeln auf und durch die Hipster – eine neue Generation von Bikern, die alte Stile ausgraben, aber mit Rockern nichts zu tun haben wollen. Jeansweste ist also durchaus wieder angesagt. Selbst Lederkutten sind seit einigen Jahren im Stil von Jeanswesten geschnitten. Die mit einem V-Ausschnitt vorn offenen Lederkutten der 90er Jahre haben ausgedient.Das Schema einer typischen Onepercenter-Kutte mit Top-Rocker, Bottom-Rocker, Side-Rocker, Clublogo, MC-Patch und Funktionsbezeichnungen
Das Schema einer typischen Onepercenter-Kutte mit Top-Rocker, Bottom-Rocker, Side-Rocker, Clublogo, MC-Patch und Funktionsbezeichnungen

Was noch hinzukommt, sind Kunststoffe, oft auch noch in Tarnmustern bedruckt. Synthetische Materialien sind leichter, mit zunehmendem Alter ihrer Träger kann das ein Kaufargument sein. Wir haben unsere Testkutten deshalb auch gewogen. Synthetische Materialien sind darüber hinaus flexibler zu verarbeiten und sie sind preiswerter.
Aber auch hier kann man es drauf ankommen lassen: Einige Hersteller füttern ihre Kutten mit kevlarartigen Aramidgeweben. Die finden auch in Panzer- und Splitterwesten Verwendung. Die braunschweigischen Schneider von „Blockhead“ verarbeiten diese Gewebe in ihren „Kevbody Proof“-Westen. Aber da darf man sich nichts vormachen, Heinrich Barth von Blockhead erklärt es frei heraus: „Eine Lage Kevlar ist nicht schuss- oder stichfest. Für wirkliche Stichfestigkeit sind 16 oder gar 24 Lagen erforderlich. Unser Produkt ist mit einer Lage aber abriebfester als jede normale Weste, damit schlittert man schon mal unverletzt über 100 Meter.“
Im Fall von Kevlar und ähnlichen Geweben geht es also eher um den Kult als um den praktischen Nutzen. Einen praktischen Nutzen hat Kevlar jedenfalls auch für Biker: Es ist winddicht und schützt auch vor Kälte, im Fall einer sonst zu dünnen Jeansweste ist es also wirklich sinnvoll.


Stil von der Stange

So ziemlich jeder Stil, der in der Szene ursprünglich als persönliche Maßanfertigung eingeführt wurde, ist eines Tages auch von der Stange abzugreifen. Heutzutage bieten viele Hersteller Konfektionsware an. Die konfektionierte Weste muss nicht schlechter sein als eine Maßanfertigung, aber meistens ist sie billiger.
Nur wenige Stile oder Details sind rechtlich geschützt, aber auch das kann der Fall sein, wie die Kutte ehemaliger deutscher Night Wolves beweist, die später unter dem Namen „Wolfpack MG“ fuhren. Sie hatten ihr Modell schützen lassen. Der eigentümliche Stil dieser russischen Kutten erinnert an die Brustpanzer römischer Legionäre. Er hat sich in Deutschland bis jetzt nicht durchsetzen können.
Praktischen Wert haben Kutten heute wie damals kaum. Manche Kutten funktionieren immerhin als Windbreaker, weil sie sich bis zum Hals schließen lassen. Andere haben verschließbare Taschen, ein Detail, auf das wir besonders Wert legen, damit bei 160 Sachen nicht die Fobs oder die Kippenschachteln im Straßengraben landen. Einen besonderen praktischen Wert hat der No Surrender MC sich für seine Kutten ausgedacht. Zu festen Bündeln zusammengerollt, womöglich noch getaped, benutzen die Member sie, um auf Hangarounds einzudreschen, die mit diesem Ritual zu Prospects befördert werden. Auch für diesen Verwendungszweck müssen die Kutten gut verarbeitet sein.

Tipp: Jeanswesten und Lederkutten kannst du bequem in unserem SzeneShop bestellen!
 



 
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