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Hund und Motorrad – was geht, was nicht?
Jack ist ein zwanzig Kilo schwerer Straßenhund. In dem zwölf Jahre alten Rüden steckt auf jeden Fall ein gutes Stück Border-Collie, etwas Labrador und vielleicht auch ein bisschen Pointer – mehr ist nicht bekannt, denn Jack ist ein Migrant und kam im Januar 2016 aus einem rumänischen Tierheim nach Deutschland. Seit Jack aufgrund seines dominierenden, rüpelhaften Verhaltens aus der Hundetagesstätte flog, ist er tagsüber wieder zu Hause. Doch während er sich von Artgenossen nichts gefallen lässt, ist er gegenüber Menschen die Ruhe in Person. Selbst die nicht-schulpflichtigen Mitglieder seines Rudels dürfen mit ihm ohne Rücksicht auf Verluste allerlei Spielchen spielen. Dass auch ältere Zweibeiner mitunter ungewöhnliche Hobbys haben, weiß Jack ebenfalls, hat er Herrchen doch bereits mehrere Male auf Höhlentouren begleitet. Dabei stieß er mit Karabinern und Seilen gesichert in Gegenden vor, die noch kein Hund vor ihm betreten hat. Kurzum: Jack ist das perfekte Modell für ein Fotoshooting zum Thema „Hund und Motorrad“ – denn ob ein Vierbeiner sich auf das Abenteuer Zweirad einlässt, ist weniger eine Frage von Rasse oder Größe: Entscheidend ist der individuelle Charakter des Tieres, wie auch Burkhard Seibel vom „Verband für das deutsche Hundewesen“ bestätigt (siehe Interview).

Treffpunkt ist die Garage von BIKERS-NEWS-Fotograf Dieter. Dort steht neben diversen anderen Zweirädern auch eine Ural. 26 PS treiben das russische Gespann aus dem Jahre 1967 an – genug für den mittelgroßen Hund und den leicht adipösen Piloten. Bevor es losgeht, dreht Dieter mit dem zunächst eine Runde und erklärt, was die betagte Babuschka mag und was nicht: Früh hochschalten und spät runter, den Leerlauf am besten mit der Handschaltung einlegen – und bitte die Kupplung nicht unnötig schleifen lassen. Wie war das noch mal? Richtig: Weil der Seitenwagen keine Bremse hat und nur mitrollt, kommt auf der Ural das unverfälschte Gespann-Feeling auf: Beim Gasgeben zieht das Bike nach rechts, beim Bremsen nach links. Will man geradeausfahren, muss man gegenlenken, will man um die Kurve, wahlweise den Gasgriff oder die Bremse zu Hilfe nehmen.

Nichts überstürzen – das gilt auch, wenn man einen Vierbeiner ans Zweirad gewöhnen will
Nichts überstürzen – das gilt auch, wenn man einen Vierbeiner ans Zweirad gewöhnen will

Dann darf Jack einsteigen. Auch ohne Leckerlis nimmt er selbstständig im Seitenwagen Platz – nur das mit der Brille, Modell „Pssopp“, schafft er nicht alleine: Herrchen muss ihm beim Anziehen helfen. Außerdem trägt Jack ein Brust­geschirr mit Leine, die am Ersatzrad hinter ihm festgemacht wird. Gerade so, dass er sich noch auf dem Kunstledersitz drehen und wenden kann. Das ist wichtig, damit Jack im Falle einer Vollbremsung „angeschnallt“ ist – und falls er auf die Idee kommen sollte, dass es nebenan auf dem Motorrad ja auch ganz nett ist. Es ist deswegen auch gesetzlich vorgeschrieben: Selbst wenn die Straßenverkehrsordnung keinen eigenen Paragrafen zum Transport von Tieren mit Auto oder Motorrad kennt, müssen Hund, Katze, Maus angeschnallt werden. Tiere gelten als Ladung – und Ladung muss laut § 22 StVO nach „anerkannten Regeln der Technik“ gesichert werden. Ansonsten droht ein Bußgeld von dreißig Euro, kommt es zu einer Gefährdung sind es schon sechzig Euro und ein Punkt in Flensburg, bei Sachbeschädigung fünfundsiebzig Euro und ein Punkt.

So weit wollen wir es heute natürlich nicht kommen lassen und gehen die Sache gediegen an: Nach einem beherzten Tritt des Kickstarters erwacht die 650 Kubik umfassende russische Seele zum Leben. Langsam, ganz langsam rollen wir los. Aber ach, schon nach zwei Metern will Jack die Flucht ergreifen und rechts aus dem Wagen springen. Also Halt, einmal Kopf kraulen und gut zureden und noch einmal versuchen. Nach wenigen weiteren Metern dann dasselbe – Jack, der normalerweise auf dem gepolsterten Sitz eines Kombis sitzt, ist das rustikale Ruckeln offensichtlich nicht geheuer. Also wieder Stopp. Jack ist aufgeregt und will nicht mal ein Leckerli. Doch was das Leckerli nicht schafft, schafft weiteres gutes Zureden. Schließlich bleibt Jack auf seinem Platz und mit jedem weiteren Meter scheint er Gefallen an der Sache zu finden: Er hält die Nase neugierig in den Wind und beobachtet aufmerksam, was links und rechts von ihm passiert.

Wichtig ist, dass man Hunde langsam ans Motorradfahren gewöhnt. Das bestätigt auch Tom, der seit über zehn Jahren mit Fellnasen unterwegs ist – und zwar nicht auf einem Gespann, sondern mit einem großen Tourer von Honda. Rund 20 000 Kilometer legt er jedes Jahr mit seiner Frau Ute, dem Yorki-Ratonero-Mix Willi und dem zweiten Mischling Lotte zurück. Der kleinere Willi sitzt dabei in einem Tankrucksack des Herstellers „Bagster“, die etwas größere Lotte hat ihr Plätzchen auf dem Heck. Dazu hat Tom das originale Topcase seiner Honda ST 1300 Pan European umgebaut: In den etwas aufgestellten Deckel hat er zwei Löcher gesägt, durch die Lotte den Kopf stecken, aber nicht rausspringen kann. Außerdem hat er einige weitere, kleinere Löcher in den Koffer gebohrt, die für zusätzliche Belüftung sorgen.

Zu viert on the road: Vorn Willi, dann Tom und seine Frau, hinten Lotte im umgebauten Topcase. Mehr Infos und Kontakt auf Toms Blog unter tinyurl.com/TomWinkler
Zu viert on the road: Vorn Willi, dann Tom und seine Frau, hinten Lotte im umgebauten Topcase. Mehr Infos und Kontakt auf Toms Blog unter tinyurl.com/TomWinkler


Willi sitzt vorn auf dem Tank und wird vom Windschild geschützt – er kann deshalb ohne Brille fahren
Willi sitzt vorn auf dem Tank und wird vom Windschild
geschützt – er kann deshalb ohne Brille fahren


Lotte sitzt im Topcase, ihre Augen müssen deshalb mit einer Brille geschützt werden. Die Hundedame trägt ein Modell von „Rex Specs“, das speziell für Hunde entwickelt wurde. Zu haben unter anderem unter www.hundebrille.eu
Lotte sitzt im Topcase, ihre Augen müssen deshalb mit
einer Brille geschützt werden. Die Hundedame trägt
ein Modell von „Rex Specs“, das speziell für Hunde
entwickelt wurde. Zu haben unter anderem unter
www.hundebrille.eu


-> Tom hat eine Facebook-Gruppe ins Leben gerufen, in der sich Biker austauschen, die mit ihren Fellnasen unterwegs sind.
tinyurl.com/MotorradfahrendeHunde

-> Seht hier einen kleinen Clip von Tom, Lotte und Willi


Tom hat seine beiden Vierbeiner genau wie ihren verstorbenen Vorgänger Jacky, einen Jack-Russel-Beagle-Mischling, schrittweise an das Bike herangeführt. Zunächst dienten der Tankrucksack und das Topcase im Winter als Hundehütte für Willi und Lotte. Irgendwann hatten sie verstanden, dass auch dann nichts Schlimmes passiert, wenn die Dinger verschlossen werden. Im Frühjahr wurden Tankrucksack und Topcase wieder ans Moped montiert und die Hunde reingesetzt, um sie an die Höhe zu gewöhnen. Beim nächsten Mal wurde dann der Motor gestartet, beim übernächsten Mal schließlich eine kleine Runde im Hof gedreht. Nach einigen Wochen konnte dann der erste Versuch im Straßenverkehr erfolgen. Zunächst natürlich eine kurze Strecke, damit die Hunde nach ein paar Kilometern wieder raus und sich die vier Beine vertreten konnten.

Wie viele Leckerlis er gebraucht hat, weiß Tom nicht mehr – jedenfalls haben sich alle seine Hunde nach einigen Wochen ans Motorradfahren gewöhnt. Lotte brauchte etwas länger, Willi war schneller zu begeistern. Wenn Tom und seine Frau heute die Motorradklamotten aus dem Schrank holen, läuft Willi von selbst zum Bike und springt in seinen Tankrucksack. Dabei waren beide „schwierige“ Kandidaten, weil sie keine Welpen mehr waren: Willi kam mit neun Monaten ins Rudel, ein Tierschutzverein hatte ihn von Mallorca nach Deutschland gebracht. Lotte war sogar schon zwei Jahre alt, als sie bei Tom und Ute ein neues Zuhause fand. Sie kam von Rumänien nach Deutschland und wurde ebenfalls über einen Tierschutzverein vermittelt. Vermutlich weil sie älter war, als sie zum ersten Mal aufs Moped stieg, dauerte die Eingewöhnung länger.

Obwohl beide Hunde das Biken lieben, bekommen Ute und Tom regelmäßig Besuch vom Tierschutzverein oder dem Veterinär­amt – anonyme Hinweisgeber, die Bilder im Internet gesehen haben. Jedes Mal wird der Besuch quittiert und endet mit dem Urteil der Fachleute, dass es beiden Tieren hervorragend geht.

Auch von der Polizei wurde Tom schon mehrmals angehalten: Die Beamten wollten Fotos machen. Auf der Straße, im echten Leben, sind die Reaktionen nämlich durchweg positiv. Das ist auch während unserer Fotosession mit Jack so: Die Aufmerksamkeit ist uns sicher, als wir nach einer kleinen Runde über die Landstraße wieder durch die Gassen des kleinen Örtchens tuckern. Ungewohnt, wenn sich ausnahmsweise mal die Dorfschönheiten den Kopf verrenken und nicht umgekehrt. Genug Platz für eine schicke Sozia und ein nettes Hundeweibchen hätte die Ural. Aber man soll ja nichts überstürzen – das gilt insbesondere, wenn man einen Vierbeiner ans Zweirad gewöhnen will.    «

Wichtig am Anfang: Gut zureden – und ab und zu mal kraulen. Wichtig sowieso: Das Tier muss wie im Auto immer angeschnallt werden. Für den Fall einer Vollbremsung, aber auch, damit es auf den ersten Metern nicht die Flucht ergreifen kann
Wichtig am Anfang: Gut zureden – und ab und zu mal kraulen. Wichtig sowieso: Das Tier muss wie im Auto immer angeschnallt werden. Für den Fall einer Vollbremsung, aber auch, damit es auf den ersten Metern nicht die Flucht ergreifen kann​
 


„Eine Empfehlung zu Rassen abzugeben, ist unmöglich“


„Eine Empfehlung zu Rassen abzugeben, ist unmöglich“


Burkhard Seibel vom „Verband für das deutsche Hundewesen“ (VDH), dem größten Dachverband für Hundezucht und -sport in Deutschland. Er fährt selbst seit Jahrzehnten Motorrad
Burkhard Seibel vom „Verband für das deutsche
Hundewesen“ (VDH), dem größten Dachverband
für Hundezucht und -sport in Deutschland. Er fährt
selbst seit Jahrzehnten Motorrad



Wir sprachen mit Burkhard Seibel vom „Verband für das deutsche Hundewesen“ (VDH), dem größten Dachverband für Hundezucht und -sport in Deutschland. Er fährt selbst seit Jahrzehnten Motorrad.

BIKERS NEWS: Herr Seibel, welche allgemeinen Tipps können Sie Bikern geben, die ihren Hund auf dem Motorrad mitnehmen wollen?

Burkhard Seibel: Grundsätzlich ist das Motorrad nicht das ideale Transportmittel für Hunde. Die heutigen Beiwagen bieten aber zumindest die Möglichkeit, den Hund einigermaßen sicher unterzubringen und mit Geschirr und Gurt zu sichern. Problematisch ist der Luftzug während der Fahrt mit dem Motorrad – er kann Augenentzündungen verursachen. Hier kann man bei den modernen Beiwagen dafür sorgen, dass durch entsprechende Scheiben und ein Verdeck ein Windschutz gewährleistet ist.


Genau wie Motorräder unterscheiden sich auch Hunde – es gibt große und kleine, lebhafte und ruhige. Sind manche Hunde­rassen besser fürs Motorradfahren geeignet als andere?

Eine Empfehlung zu Rassen abzugeben, ist unmöglich, eher sollte man den Charakter und das Verhalten des Hundes verstehen. Selbstsichere und ruhige eignen sich besser als sehr lebhafte. Allerdings würde ich auch hier sagen: nur kleine bis mittlere Größen.


Für kleinere Hunde gibt es im Handel sogar spezielle Tankrucksäcke – was halten Sie davon?

Ja, für sehr kleine Hunde gibt es Taschen, gewissermaßen als Tankrucksack, das halte ich aber für hochgradig riskant. In Holland habe ich gesehen, dass einige Biker ihre Hunde in einem Anhänger mitnehmen. Das wäre für mich keine Option, da der Hund dann doch sehr isoliert ist. Abschließend möchte ich sagen, dass grundsätzlich das Auto als Transportmittel für Hunde vorzuziehen ist.

 
Artikel aus der Ausgabe: 10/19
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