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Kein Club ohne Colour – doch wie wird so ein Teil eigentlich gemacht?
Nichts ist einem MC heiliger als sein Colour. Es ist das gemeinsame Zeichen, unter dem die Bruderschaft lebendig wird, und die Visitenkarte in der Szene. Oft dauert es Jahre, bis sich ein Neuling vom Hangaround über die Prospect-Zeit bis hin zum vollwertigen Member hochgearbeitet hat – und in den allermeisten Fällen darf er sich erst dann das Center-Patch auf die Mitte der Kutte nähen. Das Abzeichen muss man sich also verdienen; genau deswegen pflegen nur noch wenige Clubs die traditionelle Kuttentaufe aus den ersten Tagen der Szenewo oft noch die versammelte Mannschaft mit Motorrädern über das frisch aufgenähte Patch fuhr oder allerlei widerliche Flüssigkeiten darüber ausschüttete.

Doch auch Biker, die nicht Member eines Clubs sind, zeigen ihre Zugehörigkeit zur Szene gerne mit Aufnähern. Deswegen erklären wir hier, wie so ein Patch eigentlich entsteht – und was ihr beachten müsst, wenn ihr ein Logo oder einen Schriftzug professionell herstellen lassen wollt. Dazu haben wir Udo Steinke beobachtet, als er ein „Colour“ mit dem BIKERS-NEWS-Logo hergestellt hat. Seit über zwanzig Jahren betreibt Udo im Ruhrgebiet eine professionelle Stickerei – Biker und Motorradclubs machen einen Großteil seiner Auftraggeber aus. Über dreihundert MCs, von kleinen lokalen bis hin zu großen internationalen waren oder sind seine Kunden.

Aus dieser Photoshop-Datei hat Udo „gepuncht“. Sie hat eine Größe von 9,4 MB – wir konnten sie ihm einfach per Mail schicken

Das Wichtigste: die Vorlage
Zunächst benötigt Udo eine Vorlage mit Größenangabe. Das kann eine Zeichnung oder ein Ausdruck sein, am besten ist aber eine Computerdatei – ob im bekannten jpg- oder einem anderen Format, ist im Grunde egal. Besonders gut geht es aber mit einer sogenannten „Vektordatei“. Hauptsache ist jedenfalls, dass das Motiv klar und deutlich zu erkennen ist. Bevor es losgeht, müssen die einzelnen Nadelstiche nämlich genau zugeordnet werden. Die eigentliche Stickarbeit erledigt eine computergesteuerte Maschine – und die muss wissen, wie viele Stiche sie wo in welcher Richtung und mit welcher Farbe auszuführen hat. Damit sie das weiß, muss Udo eine Steuerungsdatei erstellen. Und weil das gewünschte Motiv dafür stark vergrößert wird, muss es in ausreichend guter Qualität vorliegen. Klar, dass der Preis, die Qualität und die Lieferzeit abhängig davon sind, welche Vorlage die Kunden mitbringen.

Programmierst du noch oder stickst du schon? Auch bei Udo Steinke geht heute nichts mehr ohne Computer
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Genauso wichtig: die Punch-Datei
Das Programmieren dieser Steuerungsdatei heißt „punchen“. Es ist das eigentliche Handwerk einer Profistickerei im einundzwanzigsten Jahrhundert: „Ein Baggerfahrer baggert, ich punche“, kommentiert Udo und unterstreicht damit die große Bedeutung des Programmierens. Ob die arbeitsaufwendige Punch-Datei für zukünftige Nachbestellungen in der Stickerei bleibt oder nicht, ist in der Regel Verhandlungssache, auch bei Udo. Wer sich nicht bis in alle Ewigkeit an eine Stickerei binden möchte, muss für die Punch-Datei natürlich mehr bezahlen. „Punch“ kommt übrigens aus dem Englischen: „to punch“ kann nicht nur mit „schlagen“, sondern auch mit „lochen“ oder „ausstanzen“ übersetzt werden. Der Begriff geht zurück auf die Zeit zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts: Damals wurden mehr und mehr Stickmaschinen, die die traditionelle Handarbeit längst abgelöst hatten, mit Lochkarten angesteuert. Und die mussten zunächst hergestellt, also ausgestanzt werden.

Zurück zu Udo und den Patches. Udo braucht entweder die gewünschte Breite oder die gewünschte Höhe. Die jeweils andere Größe ergibt sich von selbst, da jedes Motiv ja gewisse Proportionen hat. Wer also beispielsweise einen Totenschädel in der Größe 15 x 20 Zentimeter hat, Udo aber bittet, das Patch 30 x 30 Zentimeter groß zu sticken, sollte sich nicht wundern, wenn er am Ende einen Mutantenschädel bekommt. Doch keine Sorge: So weit lässt Udo es nicht kommen – er nimmt sich Zeit und bespricht alles mit den Kunden. Dazu gehört auch, dass er ihnen eine Farbpalette zur Verfügung stellt, damit die sich die Farben genau aussuchen können.

Erste Hilfe für alte Colours
Eine echte Herausforderung für den erfahrenen Sticker sind alteingesessene Clubs, die ihre Colour nach Jahrzehnten erneuern wollen. Wenn es nur darum geht, bestehende Patches mit einer neuen, sauberen Umrandung zu versehen, ist das kein Problem: Vor Kurzem hat Udo mehrere tausend Euro investiert und eine neue Umkettelmaschine angeschafft. Beim Umketteln bekommen die guten alten Stücke einen neuen Rand und werden so vor weiterem Ausfransen und Verfall geschützt. Udos Stickerei ist eine der wenigen, die diesen Service anbieten. Problematischer ist es, wenn von alten Colours weitere Exemplare gebraucht werden, zum Beispiel für neue Member. Doch auch das bekommt Udo meistens hin. Zur Not tut es auch in diesem Falle eine Zeichnung, besser ist aber, wenn er eines der alten Patches als Vorlage bekommt: „Eine Kopie geht nur, wenn man das Original hat“, kommentiert Udo.

Die Regeln der Szene
Wo wir gerade bei Kopien sind: Marken- oder urheberrechtlich geschützte Logos und Symbole stickt Udo nicht. Wer also ein Patch mit dem Harley-Davidson-Logo haben will, sollte es eher bei seiner Oma versuchen, wenn die sich in Handarbeit auskennt. Auch Fälle, in denen irgendjemand das Colour eines bekannten Clubs haben wollte, hatte Udo schon – versucht es erst gar nicht, Udo hält sich an die Regeln der Szene. Bessere Chancen habt ihr, wenn ihr ein Foto auf Stoff sticken wollt. Denn seit Kurzem hat Udo mit Darius einen neuen Kollegen im Team, der sich mit einer speziellen Maschine genau darauf konzentriert. Weil es auch nach mehr als zwanzig Jahren immer wieder Neues zu entdecken gibt, hat Udo immer noch Spaß an der Sache.



Tausend Stiche pro Minute
Auch unser BIKERS-NEWS-Colour hat ihm Spaß gemacht. Den bärtigen Biker im Buchstaben „N“ richtig hinzubekommen, war eine Herausforderung – aber genau die machen Udos Job spannend. Nachdem die Punch-Datei programmiert war, konnte die Maschine loslegen. Und nach zwei Stunden und 86 000 Nadelstichen war das BIKERS-NEWS-Colour fertig. Rund eintausend Stiche pro Minute schaffen die Maschinen – aber wie seine Harley lässt Udo auch sie natürlich nicht immer Vollgas laufen. Was so ein Colour kostet? Diese Frage lässt sich nicht ohne Weiteres beantworten, weil jedes ein Einzelstück ist. Udo gibt an dieser Stelle aber gerne etwas Nachhilfe in Geometrie und verhindert schon mal einige mögliche Missverständnisse: Wenn ein 10 x 10 cm großes Patch zehn Euro kostet, kostet ein 20 x 20 Zentimeter großes Patch nicht zwanzig Euro, sondern vierzig. Die Fläche ist dann nämlich viermal so groß. Dass Großstickereien wesentlich billiger sind, muss Udo nicht fürchten: Denn die fangen unter eintausend Exemplaren gar nicht erst an. Nur ein großer Club, der den geschlossenen Wechsel zu einem noch größeren Club plant, kann dort vielleicht Geld sparen.



Kontakt
Steinke Design
Westenhellweg 88
59192 Bergkamen
Tel. 02389 6936
steinke-design@t-online.de
www.steinkedesign.de

 
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