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Drei Mannheimer Biker durften in einem Vorabendkrimi die bösen Rocker spielen. Jetzt erzählen sie von den Dreharbeiten BN: Martin, Markus und Ralph, ihr wurdet für die Produktion einer Folge von „Soko Kitzbühel“ …





Drei Mannheimer Biker durften in einem Vorabendkrimi
die bösen Rocker spielen. Jetzt erzählen sie von den Dreharbeiten


Markus, Martin und Ralph: Wir sprachen mit den Biker-Darstellern in Martins Custom-WerkstattMB Cycles Hans-Bunte-Straße 6, 69123 Heidelberg, 06221 - 755 98 23, www.mbcycles.de

BN: Martin, Markus und Ralph, ihr wurdet für die Produktion einer Folge von „Soko Kitzbühel“ als Rocker-Darsteller engagiert. Wie seid ihr als Darsteller entdeckt worden?

Markus: „Ich sollte so kommen, wie ich im echten Leben Motorrad fahre. Dass ich daraufhin in meinen Knicker-bockern gekommen bin, hat denen aber doch nicht gefallen.“Markus: Das fing bei Tom an. Der wurde auf einem Motorradtreffen in Österreich angesprochen, ob er nicht ein paar Leute kennen würde, die wie er aussehen. Dann wurden vor Ort ein paar Castingfotos von
uns geschossen.

Martin: Die Produktion hatte eigentlich schon ein paar Darsteller für diese Rollen aufgetrieben. Das waren aber so Lederfransen-Fuzzis, was wir gar nicht verkörpern. Die hatten wir zum Glück ausgestochen. Am Ende waren wir sechs Leute, darunter drei Mannheimer: Ralph, Markus und ich.

BN: Kanntet ihr die Serie? Habt ihr mitgekriegt, worum es im Film geht?

Markus: Ich war erschüttert, als ich mir mal eine „Soko Kitzbühel“-Folge angeguckt habe. Bis dahin hatte ich die ja nie gesehen. Sascha Hehn ist ein Macho gegen diese Darsteller der Soko.

Martin: Die Handlung haben wir jedenfalls nur ganz entfernt mitgekriegt. Der Film spielt in Österreich. Wir spielen ein paar deutsche Rocker unter dem Namen „Firestarters“. Frag mich nicht, wie die auf den Namen gekommen sind. Jedenfalls kommt einer der Firestarters ums Leben, weil er möglicherweise ein Undercover-Agent ist.

Filmszene

„Wir spielen so was wie eine Gang, deren Mitglieder die gleiche Tätowierung haben.“

BN: Ihr wart also die „Piefkes“, so nennt man die Deutschen in Österreich. Ist ja ein naheliegender Bezug zur Realität: Die werden in Österreich wohl mitgekriegt haben, wie dicht hier die Luft unter Onepercentern ist?

Martin: So war das nicht. Wir spielen keine Onepercenter, wir haben für die Handlung nicht mal Rückenabzeichen getragen. Wir spielen eher so was wie eine Gang, deren Mitglieder die gleiche Tätowierung haben.

BN: Habt ihr gute oder böse Rocker gespielt?

Martin: „Einer der Hauptdarsteller fährt eine von der Filmproduktion mitgebrachte Honda Shadow. Das war ganz peinlich, so ein Motorrad würde ich nie fahren.“Martin: Beides. Es kommt im Lauf der Handlungen ja zu Streitigkeiten, die wir untereinander austragen.

BN: ... mit richtiger Schlägerei?

Martin: Ja, die mussten wir auch spielen. Dabei hatte ich mir eine Rippe gebrochen.

BN: Erzähl bitte mehr!

Martin: Ich bin auf die dicke Uhr meines Partners gefallen. Dabei ging es richtig zur Sache. Wir standen voll unter Adrenalin.
Es ist schon erstaunlich, was man für Aggressionen freisetzt, auch wenn man sie nur spielt. Aber wir mussten uns erst anbrüllen, und dann hatten wir uns richtig reingesteigert.

BN: Dabei seid ihr in Wirklichkeit keine echten Rocker. Seid ihr nicht eher so was wie Hipster?

Martin: Wenn du’s unbedingt willst: Call me Hipster! Aber in Wirklichkeit bin ich kein Hipster.

BN: Das sagen sie gerade alle, diese Hipster. Aber euch nehme ich es ab, der Markus sieht ja nun wirklich nicht mehr wie ein jugendlicher Hipster aus.

Markus: Halt! Erstens spielen wir ja keine Jugendlichen. Und zweitens war ich der Einzige, der für den Film noch Begleitung gekriegt hat. In der Schlusseinstellung nehme ich ein junges Mädchen auf dem Motorrad mit.

Martin: Die Hipster schielen nach der Mode. Meine Sachen sind wirklich dreckig, von der Arbeit halt.

Filmszene. Rechts Markus, fürs Fernsehen ohne Knickerbocker

„Eine Honda Shadow war ganz peinlich, so ein Motorrad würde ich nie fahren.“

BN: Stimmt. Du bist Customizer mit einer Werkstatt in Heidelberg. Und deine Motorräder sind nicht gerade richtige Rocker-Motorräder, sondern eher Kunstwerke.

Martin: Die spielen im Film auch alle mit: Die Panhead von Markus, die Shovel von Ralph, die Starrrahmen-Shovel von Tom und meine Starrrahmen-Evo. Einer der Hauptdarsteller fährt allerdings eine von der Filmproduktion mitgebrachte Honda Shadow. Das war ganz peinlich, so ein Motorrad würde ich nie fahren.

BN: Musstet ihr euch also nicht verstellen?

Martin: Für mich gab’s da so ’ne Lederjacke aus dem Katalog. Die würde ich im echten Leben nie tragen. Da musste ich endlos diskutieren, und dann musste ich im Film auch nicht diese Jacke tragen. Wir hatten also ziemlich viele Freiheiten. Auch bei dem, was wir anziehen konnten.

BN: Markus, du fährst immer in Knicker-bockern. Hast du die auch getragen?

Markus: Die hatten gesagt, ich sollte so kommen, wie ich im echten Leben Motorrad fahre. Dass ich daraufhin in meinen Knicker-bockern gekommen bin, hat denen aber doch nicht gefallen. Ich musste dann so eine Camouflage-Hose tragen.

Filmszene. Die Hauptdarsteller sitzen im Vordergrund auf einer peinlichen Shadow, aber im Hintergrund erkennt ihr unseren Kleindarsteller Ralph aus dem Interview

„Meine Schimpfwörter haben die bestimmt wieder rausgeschnitten.“

BN: Ansonsten durftet ihr einfach nur euch selbst spielen?

Martin: Am Drehort herrscht ja eigentlich absolutes Alkoholverbot. Aber da spielt im Film auch ein Tresen eine Rolle, und an einem Tag brachten wir den Zapfer dazu, echtes Bier auszuschenken. Da hatten wir ganz schön was runtergekippt und schließlich auch noch Party gemacht. Die Kamera hatte sofort draufgehalten, und der Regisseur hatte sich gefreut, wie gut wir das gespielt hätten …

Ralph: „Ich hatte für mich Sprachrollen eingebaut, obwohl ich gar keine hatte. Meine Schimpfwörter haben die bestimmt wieder rausgeschnitten.“Ralph: Ich hatte dann für mich Sprachrollen eingebaut, obwohl ich gar keine hatte. Meine Schimpfwörter haben die bestimmt wieder rausgeschnitten.

BN: Es hat also auch Spaß gemacht?

Martin: Am meisten Spaß hatten die Fahraufnahmen gemacht. Wir mussten für eine Einstellung ganz knapp an einer vor der Kamera auf den Asphalt gelegten echten Schnecke vorbeifahren. Und das in 2000 Metern Höhe auf dem Kitzbüheler Horn.

BN: Wir wissen, wie gut du fährst. Aber Dreharbeiten sind nicht nur Fahrspaß. Wie lange haben die Arbeiten gedauert?

Martin: Unterm Strich waren es zwei Wochen. Das war schon hart. Manchmal zwölf Stunden am Tag. Um sechs Uhr in der Frühe ging’s los mit der „Maske“. Da wurden uns die Tätowierungen aufgeschminkt.

BN: Wie wurden die Tätowierungen aufgeschminkt?

Martin: Die hatten Abziehbilder, wie früher bei den Kaugummis. Die wurden dann mit Schminke nachgezogen.

Ralph: Mich mussten die nicht lange schminken. Ich war der Einzige, an dem gleich alles stimmte.

BN: Und dafür wurdet ihr auch noch gut bezahlt. Wie viel Kohle gab’s dafür?

Martin: Für den Tag gab es mehr, als ich an manchen Tagen in meiner Werkstatt verdiene. Mehr verrate ich nicht.

Filmszene: „Ja, Herr Wachtmeister, alles ist eingetragen. Oder wollen Sie lieber was über einen Mord wissen?“

„Die meiste Arbeit bestand für uns aus Warten.“

BN: War es insgesamt so, wie man es sich beim Film vorstellt?

Martin. Es kann passieren, dass man einen halben Tag arbeitet, und am Ende ist die eigentliche Szene 30 Sekunden lang. Die wird dann zehnmal hintereinander gedreht, und dazwischen muss man immer wieder warten, weil Kameras und Beleuchtungen neu eingerichtet werden.

Markus: Ja, die meiste Arbeit bestand für uns aus Warten. Ein Mann vom Team meinte dazu: „Filming is Waiting.“
Schwierig waren die Szenen, in denen wir vor der Kamera was essen mussten. Aber man kann ja nicht bei den mehrfach nacheinander gedrehten Einstellungen immer wirklich was reinschieben, also tut man nur so. Versucht das mal selbst: Essen, ohne zu essen ...

Ralph: … und ich musste am Abend im Hotel die Getränke selbst organisieren.

BN: Aber es bleiben doch gute Erinnerungen?

Markus: In jedem Fall! Aber es bleibt nichts, worauf man stolz ist. Nicht in Hinsicht auf den Film.
Aber das Filmteam selbst war super! Mit denen würde ich es jederzeit noch mal machen.

Martin: Die fanden jedenfalls uns total super. Wir sind ja nette Jungs!
Ralph und Markus wurden gleich gefragt, ob sie für weitere Rollen zur Verfügung stehen würden. Die hätten da noch zwei bärtige Männer für den „Bergdoktor“ gebraucht.

BN: Unsere Leser könnten euch also vielleicht noch öfter sehen. Zu ihrer Information: Die neue Staffel „Soko Kitzbühel“ läuft  ab April im ORF, ab dem Herbst im ZDF. Eure Folge heißt „Firestarter“.

Filmcrew
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