Jubiläums Aktion: 25Jahre TätowierMagazin
Die BIKERS NEWS jetzt 25% günstiger im Printabo! 53€ statt 72€
Der Trust MC schickt mehrere Bikes auf die Sandbahn und ins Gelände. Wir haben ein Rennen des Sandbahn-Gespanns begleitet
In einem donnernden Korso rollen die schwarzen Maschinen des Trust MC über das Oval der Sandbahn. Ungewöhnlich ist deren Besatzung. Auf den Choppern sitzen nicht nur die schwarz gekleideten Fahrer, sondern jeweils noch ein bunt gekleideter Sozius. Vor der Tribüne steigen diese bunt gekleideten Gestalten ab, und eine Lautsprecherdurchsage stellt sie als die Fahrer des internationalen Sandbahnrennens von Dingolfing vor. Klar, es sind die mit Protektoren gepanzerten Rennkombis, die wie Farbtupfer aus dem Pack des Trust MC hervorleuchteten. Nur das Team des Trust MC, unter ihnen ein Fahrer und ein Beifahrer des Gespanns, trägt schwarz-weiße Kombis, denn Schwarz und Weiß, das sind die Farben des Clubs. Schließlich chauffieren die Rocker die Rennfahrer wieder zurück an ihre Boxen. Das Rennen kann beginnen. Es ist gerade Mittag an diesem sonnigen 1. Mai und dem Rennen gingen seit dem frühen Morgen die Vorbereitungen inklusive einer Handvoll Trainingsrunden voraus.

Jasmin klebt Kinesio-Band über den lädierten Izzi
Jasmin klebt Kinesio-Band über den lädierten Izzi

Die heiße Phase der Vorbereitungen beginnt mit Jasmin. Sie ist die Freundin des Fahrers Izzi. Der steuert das Gespann des Trust Racing Team, und Jasmin zieht gerade lange schwarze Kinesio-Bänder über seine Schultern. Rennfahrer ist ein Knochenjob im wörtlichen Sinn. „Kamikaze“-Izzi kann die zugezogenen Verletzungen nicht mehr zählen und das Steuern eines Gespanns erfordert nicht nur Kondition, sondern auch Kraft. Tatsächlich sitzt der Fahrer in den Kurven nicht im Sattel. Stattdessen hängt er mit seinem Hintern freischwebend über dem Kurveninneren, nur noch von seinen Armen am Lenker gehalten. Auf dem Polster des Fahrersattels liegt dann der Beifahrer, der sich unter Aufwendung aller Kraft mit seinen Stiefeln in die auf sein Maß geschweißten Streben des Seitenwagens stemmt. Die Fliehkräfte bei bis zu 150 Sachen im Rundkurs sind unglaublich. Auch von Roman, dem Beifahrer, werden Höchstleistungen verlangt. Vom Rennen sieht Roman übrigens ziemlich wenig. Sein Helm schleift fast am Boden, Steine schlagen ihm ins Gesicht. Und er blickt nur in den Dreck. Ob er auf dem Sattel des Fahrers liegt oder diesen Platz wieder für Izzi freigibt, entscheidet er nach Gefühl. Der Beifahrer ist es, der alle Bewegungen ausgleicht. Hilfreich sind für ihn höchstens noch Fixpunkte an der Bahn, Strohballen oder Streckenposten. Aber eigentlich muss er auch gar nichts sehen, denn Izzi und Roman sind ein eingespieltes Team auf einer maßgeschneiderten Maschine.

Probeliegen von Merkl. Die Positionen des Beifahrers werden diskutiert
Probeliegen von Merkl. Die Positionen des Beifahrers werden diskutiert

Das muss auch Merkl in einer Trainingspause feststellen, als er sich zur Probe auf den Seitenwagen legt. Die Streben für die Stiefel müssten für ihn an anderer Stellen liegen, bemerkt er, und Mechaniker Thomas nimmt das mit Interesse und einigen technischen  Empfehlungen zur Kenntnis. Merkl ist der Ersatzbeifahrer, und man weiß ja nie, ob man ihn im Laufe einer Saison brauchen wird … Zunächst aber geht’s in die Trainingsläufe. Jede Sandbahn ist anders, nicht nur ihr Boden, sondern auch ihre Dimensionen. Die liegen meist zwischen 500 und 800 Metern, darunter wär‘s ein Speedway-Track, darüber eine Langbahn. Da nur in zwei Gängen gefahren wird, entscheidet die Abstimmung der Endübersetzung über Beschleunigung und Endgeschwindigkeit. Die Bahn von Dingolfing hat ungefähr 800 Meter, die richtige Abstimmung für dieses Rennen gilt es nun zu finden. Vier Gespanne werden für den Trainingslauf aufgerufen, die anderen vier Teilnehmer sind gerade gefahren. Die Mechaniker füllen dreieinhalb Liter Methanol in den winzigen Tank, alle schieben das Gespann an die Einfahrt. Einmal noch abklatschen, dann geht es bergab in das Oval hinein. Zum Glück bergab, denn beim Hinabrollen kann der Motor angeworfen werden. „Es kommt auch vor, dass der Motor nicht anspringt“, erklärt Izzi lachend, „dann müssen wir noch einmal Anlauf nehmen.“ Diesmal klappt‘s auf Anhieb. Unter gewaltigem Radau drückt das Gespann sich in die Kurve. Wie alle anderen Maschinen schleudert es einen Hagel von Sand und Steinen, der auf die Zuschauer niederprasselt, aber das jeweils nur drei- oder viermal, denn für eine längere Fahrt reicht das Tankvolumen nicht.

Das Trust-Gespann in der Trainingsrunde
Das Trust-Gespann in der Trainingsrunde

Als die Gespanne unter eigener Kraft wieder einrollen, hört Izzi nicht auf, das Gas immer weiter aufbrüllen zu lassen. Testlauf. Hier noch was horchen, dort noch was checken, alles okay, der Motor vom renommierten Tuner Joachim Kugelmann läuft spitze. Die Mechaniker heben das Bike auf die Bühne, denn natürlich muss ein anderes Ritzel hinten rauf, eines mit weniger Zähnen, denn auf dieser Strecke zählt die Endgeschwindigkeit mehr als die Beschleunigung. „Ein Dreiundfünfziger haben wir jetzt“, ruft einer. Damit ist die Abstimmung perfekt. Was nach fast jedem Lauf erfolgen muss, ist noch das Wenden der Räder. Die Profile sind nach mindestens zwei Läufen abgenutzt. Da die Bikes im Oval nur auf einer Seite belastet werden, ist es möglich, zwei weitere Läufe mit gewendeten Rädern zu absolvieren. Bei der Gelegenheit wird auch noch das Felgenschild mit der Aufschrift „Trust Racing Team“ wieder auf die richtige Seite geschraubt. Währenddessen kühlt ein Gebläse den Motor. Zwischen anderen Läufen wiederum muss der Motor warm gehalten werden. Dann legen die Mechaniker liebevoll eine getigerte Decke über das Triebwerk. Ein zweiter Trainingslauf noch – alles stimmt – und dann wird gewartet. Izzi, der Leistungssportler, raucht erst mal eine, denn der Startschuss zum Rennen fällt nach dem Mittagessen und dem oben geschilderten Einlauf der Fahrer.

Eben noch in guter Position bricht das Gespann aus. Erst hebt sich der Seitenwagen, dann das Vorderrad (Foto: Rosenschon)
Eben noch in guter Position bricht das Gespann aus. Erst hebt sich der Seitenwagen, dann das Vorderrad (Foto: Rosenschon)

Jetzt aber! Wieder stehen vier Gespanne an der Zufahrt. Diesmal tragen die Fahrer farbige Überzüge auf den Helmen, damit die Zuschauer sie unterscheiden können. Izzi und Roman vom Trust Racing Team tragen Blau. Wieder rollen sie die Zufahrt hinab, die Motoren springen an. Langsam bewegen sie sich zur Startlinie, um dort mit jaulenden und brüllenden Triebwerken auf den Startschuss zu warten. Noch sitzt Izzi im Sattel, Beifahrer Roman beugt sich nach vorn. Als der Startschuss fällt und die weiße Leine vor den Fahrern nach oben schnellt, verlagert Roman sein Gewicht nach hinten, um den Grip des Reifens zu erhöhen. Schnell geht’s in die erste Kurve, das Ballett von Fahrer und Beifahrer beginnt, Izzi neigt sich mit dem ganzen Körper in die Kurve hinein, gibt den Sattel frei, auf den nun Roman sich legt, um seinen Helm dahinter fast auf den Boden zu drücken. Beide erwischen eine gute Position, jagen als zweites von vier Teams dem Europameister dicht hinterher, halten auch in der zweiten Runde ihre Position. Aber dann, in der zweiten Kurve der zweiten Runde, kurz vor dem Finale, hebt der Seitenwagen sich leicht an, setzt wieder auf. Beifahrer Roman verliert den Halt, das Gefährt verliert seine Stabilität und jetzt bäumt sein Vorderrad sich auf. Das Gespann stellt sich quer, der Seitenwagen liegt vorn, und so rollt die Fuhre in das Gras der Innenfläche und kommt dort zum Stehen. Kurz hebt Roman noch den Arm, als wolle er allen das „Wohlauf“ signalisieren. Aber Roman ist nicht wohlauf. Als er den Halt verloren hat, war sein Stiefel zwischen das Gestänge des Seitenwagens geraten, wurde unter dem Gespann mitgeschleift. Roman bleibt liegen, der Rettungswagen kommt und er muss aus dem Oval getragen werden.

Der Knöchel schwillt an, Beifahrer Roman muss ins Krankenhaus
Der Knöchel schwillt an, Beifahrer Roman muss ins Krankenhaus

Izzi flucht. Jetzt besser nicht ansprechen, er steht unter Adrenalin. Für Roman tragen die Mechaniker schnell einen Stuhl an die Box, einen weiteren, auf den er seinen Stiefel legt. Kaum ist der ausgezogen, schwillt sein Knöchel zur Größe eines Handballs an. Der Rennarzt fordert die Einlieferung ins Krankenhaus, damit ist die Verletzung offiziell. Das ist eine heikle Angelegenheit, denn versichert sind die Fahrer nur dürftig gegen Tod und Invalidität. Das plötzliche Aus hat einen weiteren Nebeneffekt. Das Team darf in diesem Rennen an keinem weiteren Lauf mehr teilnehmen. Ersatzbeifahrer Merkl kann nicht einspringen. Die Trainingsläufe wurden mit Roman absolviert, das Reglement des Verbandes DMSB lässt fürs Rennen keinen anderen Beifahrer zu. Die eben noch zärtlich über das Bike gelegte Tigerfelldecke hat keine Funktion mehr. Alle heben das Gespann in die Box, die Mechaniker lassen Öl und Kraftstoff ab, schmieren alle Teile ein, um sie gegen Korrosion zu schützen und stecken schließlich einen Stopfen in den Auspuff.

Das war‘s. Die Member des Trust MC klopfen den Jungs vom Racing Team auf die Schultern. Es ist Sport, da kann auch mal was passieren. Izzi ist ja ein Bruder, ein Member des Supportclubs Iron Fist MC. Mit der Schlappe dieses Rennens werden sie alle leben, und überhaupt war das erst der Beginn der Saison. Alles wurde gut. Nach dem letzten Rennen am 6. Oktober in Pfarrkirchen stieg Itzi als Dritter in der Deutschen Meisterschaft aufs Podium, mit ihm als Beifahrer nicht Roman, auch nicht Merkl, sondern seine ihm besonders vertraute Lebensgefährtin Jasmin.

Bewegte Bilder von Trainingsläufen, vom Rennen
und vom Korso des Trust MC seht ihr hier:

Artikel aus der Ausgabe: 12/19
Bikeporträt: Harley-Davidson Panhead „Bob-Job“ 06.12.2019
Bikeporträt: Harley-Davidson Panhead „Bob-Job“
Roadstory: Zombie’s Elite MC Mallorca 29.11.2019
Roadstory: Zombie’s Elite MC Mallorca
Clubporträt: War Lords MC Germany 24.11.2019
Clubporträt: War Lords MC Germany
Interview: Zwischen Bikes und Büchern 22.11.2019
Interview: Zwischen Bikes und Büchern
Fahrbericht: Indian Chieftain Dark Horse 17.11.2019
Fahrbericht: Indian Chieftain Dark Horse
Rocker im Visier: Alles Verbrecher? 15.11.2019
Rocker im Visier: Alles Verbrecher?
Ausgabe 9/20 erscheint am 14. Aug
Trust Racing Team in Dingolfing 11.12.2019
Trust Racing Team in Dingolfing

Auf dem Sandbahnrennen in Dingolfing haben wir das Racing Team des Trust MC begle …

Trust MC auf der Siegertreppe 09.10.2019
Trust MC auf der Siegertreppe

Das Gespann des Trust Racing Teams schaffte es auf den dritten Platz in der deutsc …

30 Jahre Trust MC Töging 31.08.2016
30 Jahre Trust MC Töging

Jubiläumsparty des Trust MC Töging …

Daddl Memory Run 2015 28.08.2019
Daddl Memory Run 2015

Seit Daddl 2013 verstarb, klafft eine Lücke in der Bruderschaft des Trust MC …

Bilder mit Bikern 21.04.2018
Bilder mit Bikern

Jörg Weiß ist Fotograf und Fotodesigner. Ende Januar stellte er gemeinsam mit K

Fünf Jahre Trust MC North 31.10.2019
Fünf Jahre Trust MC North

Der Trust MC ist überwiegend im Süden Deutschlands beheimatet. Vor fünf Jahren erhielt e

Trust MC: Daddl Run 11.10.2017
Trust MC: Daddl Run

Die Streetbunnycrew zu Gast beim Trust MC Weißenburg …

30 Jahre Trust MC Dingolfing 09.01.2019
30 Jahre Trust MC Dingolfing

Der Trust MC Dingolfing feierte sein dreißigjähriges Bestehen …

Trust MC 07.04.2018
Trust MC

Das Chapter Corbach des Trust MC hat sich unter seinem neuen Präsidenten Alex n …

Magazine des Huber Verlages